Airbus A330-900 (Foto: Jan Gruber).
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Air France-KLM zeigt Interesse an TAP Air Portugal: SAS als Vorbild?

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Die Luftfahrtbranche steht vor einer potenziellen Neuausrichtung, die weitreichende Auswirkungen auf den europäischen Markt haben könnte. Air France-KLM, die große europäische Fluggesellschaften vereint, erwägt eine Übernahme der portugiesischen Airline TAP Air Portugal. Ben Smith, CEO des Unternehmens, äußerte in einer Pressekonferenz, dass die Gruppe interessiert sei, ihre kürzlich erfolgreiche Übernahmestrategie bei der skandinavischen SAS Airline auf TAP zu übertragen, sofern die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dies zulassen.

Air France-KLM hat sich mit einer Minderheitsbeteiligung an der SAS, einer der größten Fluggesellschaften Skandinaviens, als bedeutender Akteur auf dem europäischen Markt etabliert. Im Jahr 2024 konnte der Konzern eine 19,9-prozentige Beteiligung an SAS erwerben, mit einem exklusiven Weg zur Mehrheitsbeteiligung. Ben Smith bezeichnet diese Übernahme als Modell, das dem Konzern eine risikoarme Möglichkeit bietet, in die Konsolidierung des Luftfahrtmarktes einzugreifen. Im Gegensatz zu anderen Unternehmen, die sich ohne staatliche Unterstützung durch Übernahmen oder Fusionen bewegen, sieht Air France-KLM in seiner eigenen Struktur, die eine starke Verbindung zu den französischen und niederländischen Regierungen umfasst, einen entscheidenden Vorteil. Dies sei besonders im Hinblick auf die oft als restriktiv wahrgenommene Wettbewerbspolitik der Europäischen Kommission von Bedeutung, die Fusionen und Übernahmen in der Branche regelmäßig überprüft.

Smith äußerte in seiner Pressekonferenz auch sein Bedauern über die kontinuierliche Einmischung der Europäischen Kommission in solche Prozesse, die nach seiner Meinung europäische Fluggesellschaften gegenüber ihren globalen Wettbewerbern schwäche. Dies könne, so Smith weiter, die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Fluggesellschaften auf lange Sicht beeinträchtigen, wenn nicht genügend Flexibilität für Zusammenschlüsse und Partnerschaften gewährt werde.

TAP Air Portugal als strategisches Ziel

Der portugiesische Flagcarrier TAP Air Portugal könnte nun als das nächste Ziel auf der Übernahmeliste von Air France-KLM stehen. In den vergangenen Jahren hat die portugiesische Regierung versucht, das Unternehmen zu privatisieren, nachdem der Staat aufgrund finanzieller Schwierigkeiten des Unternehmens in der Vergangenheit eingreifen musste. Die politische Lage in Portugal könnte jedoch die Pläne zur Privatisierung verzögern, da derzeit Unsicherheiten aufgrund einer möglichen vorgezogenen Wahl im Mai bestehen. Smith gab zu, dass Air France-KLM nicht „unter Druck“ stehe, in den Übernahmeprozess einzutreten, und betonte, dass das Unternehmen nur dann investieren werde, wenn es den eigenen „Komfortbereich“ nicht überschreite.

Das Unternehmen wird in dieser Angelegenheit auch durch die bereits bestehende Beteiligung der französischen und niederländischen Regierung gestärkt. Diese Verflechtung könnte für die portugiesische Regierung besonders attraktiv sein, da es die Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit einem Unternehmen gibt, das sich bereits in einem etablierten politischen Umfeld bewegt. Darüber hinaus stellt Smith klar, dass Air France-KLM beabsichtige, TAP als Marke zu bewahren und die bestehenden Verbindungen, insbesondere nach Lateinamerika, zu stärken. Die Fluggesellschaft unterhält ein weites Netzwerk zu Zielen in Südamerika, was in der Strategie des Air France-KLM-Konzerns eine zentrale Rolle spielt.

Politische Rahmenbedingungen und Herausforderungen

Die politische Lage in Portugal bleibt ein unsicherer Faktor. Im Falle einer Verzögerung des Privatisierungsprozesses aufgrund von Wahlen könnte sich das Investitionsvorhaben von Air France-KLM verzögern. Das Unternehmen ist jedoch darauf bedacht, keine Risiken einzugehen und wartet auf die definitiven Rahmenbedingungen, die von der portugiesischen Regierung und den potenziellen Interessenten gestellt werden. Sollte es zu einer Privatisierung kommen, wird das Unternehmen weiterhin die langfristigen wirtschaftlichen und strategischen Interessen wahren und auf eine solide politische Unterstützung zählen.

Interessanterweise hebt Smith hervor, dass Air France-KLM als einziges europäisches Luftfahrtunternehmen mit einem direkten Zugang zu zwei Regierungen als strategischer Vorteil im Vergleich zu seinen Wettbewerbern agieren kann. Insbesondere bei der Konkurrenz, die ohne staatliche Beteiligung operiert, könne dieser Faktor eine Schlüsselrolle spielen. Ein weiterer Vorteil für Air France-KLM könnte sein, dass die Beziehungen zu den Regierungen durch die Erfahrungen im Umgang mit der SAS-Übernahme und die Zusammenarbeit mit der französischen Regierung bereits gut etabliert sind. Die politische Unterstützung für eine mögliche Übernahme von TAP sei laut Smith optimistisch zu sehen.

Ein Blick auf die Wettbewerbssituation in Europa

Insgesamt zeigt sich, dass Air France-KLM durch seine einzigartige politische Positionierung und seine bisherigen Erfahrungen in der Übernahme von Airlines gut aufgestellt ist, um von der geplanten Privatisierung von TAP zu profitieren. Doch während das Unternehmen in einer vorteilhaften Lage ist, bleibt die Frage nach den langfristigen Auswirkungen solcher Übernahmen auf die Wettbewerbssituation im europäischen Luftraum nicht unbeantwortet.

Die Europäische Union hat in der Vergangenheit mit Bedenken auf Fusionen und Übernahmen reagiert, die den Wettbewerb auf dem Markt verringern könnten. Obwohl die Argumentation von Ben Smith, dass diese Fusionen notwendig sind, um europäischen Airlines den globalen Wettbewerb zu ermöglichen, nachvollziehbar ist, bleibt abzuwarten, wie die EU in diesem Fall reagieren wird. Der Ausgang dieses Falls könnte entscheidend dafür sein, wie zukünftige Konsolidierungen in der europäischen Luftfahrtbranche aussehen werden.

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