Airbus A320neo (Foto: Airbus).
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S7 Airlines stoppt Bau einer Komponentenfabrik in Sankt Petersburg

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S7 Airlines, eine der führenden privaten Fluggesellschaften Russlands, hat ihr Vorhaben, eine Komponentenfabrik in Sankt Petersburg zu errichten, auf Eis gelegt. Dieses Projekt war Teil der Bemühungen, ausländische Komponenten zu ersetzen und den Betrieb westlicher Flugzeuge in Russland aufrechtzuerhalten. Die Entscheidung, das Projekt zu stoppen, wirft ein Schlaglicht auf die Herausforderungen, denen sich die russische Luftfahrtindustrie seit der Verhängung westlicher Sanktionen gegenübersieht.

Im Februar 2024 genehmigte S7 Airlines offiziell den Bau einer Fabrik in Sankt Petersburg mit einer geplanten Investition von rund 7,5 Milliarden Rubel (etwa 83,3 Millionen US-Dollar). Die Fertigstellung war für 2027 vorgesehen, und die Anlage sollte etwa 300 Arbeitsplätze schaffen. Geplant war die Produktion von Turbinenschaufeln für Strahltriebwerke, um die Abhängigkeit von westlichen Lieferanten zu reduzieren. Dieses Vorhaben sollte eine ähnliche Einrichtung von S7 Technics in Nowosibirsk ergänzen, die seit Oktober 2024 in Betrieb ist und Turbinenschaufeln für die Triebwerke westlicher Flugzeuge repariert.

Gründe für das Einfrieren des Projekts

Die genauen Gründe für das Einfrieren des Projekts sind nicht öffentlich bekannt. Es wird spekuliert, dass sowohl technische als auch finanzielle Herausforderungen eine Rolle spielen könnten. Zudem gibt es Überlegungen, dass die Erwartung einer möglichen Aufhebung der US-Sanktionen unter der Trump-Regierung Einfluss auf die Entscheidung gehabt haben könnte. Anfang März 2025 gab es Anzeichen für eine veränderte Russland-Politik der USA und Forderungen seitens Russlands, die luftfahrtbezogenen Sanktionen aufzuheben.

Auswirkungen der Sanktionen auf die russische Luftfahrt

Seit der russischen Invasion in die Ukraine im Jahr 2022 haben westliche Länder Sanktionen verhängt, die den Export von Flugzeugen und Ersatzteilen nach Russland untersagen. Dies stellt russische Fluggesellschaften vor erhebliche Herausforderungen, da ein Großteil ihrer Flotten aus westlichen Modellen wie Boeing und Airbus besteht. Die Produktion russischer Alternativen, wie des neuen MC-21-Passagierflugzeugs, wurde durch das Fehlen verfügbarer russischer Triebwerke, wie des neu entwickelten PD-14, verzögert.

Maßnahmen russischer Fluggesellschaften

Um den Flugbetrieb aufrechtzuerhalten, haben russische Fluggesellschaften verschiedene Strategien entwickelt. Eine davon ist die Demontage eigener Flugzeuge, um an dringend benötigte Ersatzteile zu gelangen. Beispielsweise hat Aeroflot, die staatliche russische Fluggesellschaft, einen neuen Airbus A350 stillgelegt und als Ersatzteillager genutzt. Ebenso wurde eine Sukhoi Superjet-100, ein in Russland hergestelltes Modell mit zahlreichen westlichen Komponenten, außer Betrieb genommen, um Teile zu entnehmen. Diese Maßnahmen unterstreichen die Schwierigkeiten, die russische Ingenieure bei der Wartung moderner Flugzeuge ohne westliche Unterstützung haben.

Alternative Beschaffungswege für Ersatzteile

Neben der Demontage eigener Flugzeuge haben russische Fluggesellschaften begonnen, Ersatzteile über alternative Kanäle zu beschaffen. Recherchen zeigen, dass russische Airlines Komponenten über Länder wie China, die Vereinigten Arabischen Emirate, Usbekistan, Tadschikistan und Kirgisistan importieren. Beispielsweise lieferte im Juni 2022 eine Firma aus den Emiraten elektronische Teile für Airbus-A320-Flugzeuge an S7 Airlines. Diese Grauimporte ermöglichen es russischen Fluggesellschaften, ihre Flotten trotz Sanktionen in Betrieb zu halten.

Illegale Flugzeugtransfers

Ein weiterer Aspekt der Umgehung westlicher Sanktionen ist der verdeckte Transfer ganzer Flugzeuge nach Russland. Im August 2024 wurden vier Airbus-Flugzeuge der gambischen Fluggesellschaft „Magic Air“ über Nacht von Istanbul, Kairo und Maskat nach Russland gebracht. Diese Flugzeuge, die zuvor nicht im regulären Flugbetrieb waren, wurden zunächst nach Minsk verlegt und später in der Nähe von Kudinovo, Russland, gesichtet. Es wird vermutet, dass sie dort als Ersatzmaschinen oder Ersatzteillager dienen, um die russische Luftfahrtindustrie trotz Sanktionen zu unterstützen.

Zukunftsperspektiven der russischen Luftfahrtindustrie

Die Entscheidung von S7 Airlines, den Bau der Komponentenfabrik in Sankt Petersburg zu stoppen, verdeutlicht die anhaltenden Herausforderungen der russischen Luftfahrtindustrie. Ohne Zugang zu westlichen Ersatzteilen und Technologien sind russische Fluggesellschaften gezwungen, alternative und oft inoffizielle Wege zu finden, um ihre Flotten betriebsbereit zu halten.

Die langfristige Lösung könnte in der Entwicklung und Produktion eigener Flugzeugmodelle und Komponenten liegen. Allerdings erfordert dies erhebliche Investitionen, technisches Know-how und Zeit. Bis dahin bleibt die russische Luftfahrtindustrie in einer prekären Lage, in der sie zwischen internationalen Sanktionen und dem Bedarf an einem funktionierenden Luftverkehrssystem navigieren muss.

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