Im Februar 2025 wurde Air Zimbabwe, die nationale Fluggesellschaft des südafrikanischen Landes, mit einer außergewöhnlichen Mission betraut: Sie setzte ihre einzige Boeing 767-200ER ein, um fast 200 verwundete Soldaten aus dem Ostkongo zu repatriieren.
Die Soldaten waren zuvor aus der umkämpften Stadt Goma in der Demokratischen Republik Kongo (DRC) evakuiert worden, die zu diesem Zeitpunkt von den Rebellen der M23-Miliz kontrolliert wurde. In einem bemerkenswerten Schritt wurde die Maschine nicht direkt von Air Zimbabwe selbst geflogen, sondern unter der Regie der südafrikanischen Chartergesellschaft Africa Charter Airline, die mit ihrer Spezialausstattung für ACMI (Aircraft, Crew, Maintenance, and Insurance) und Charterflüge auf diesen kritischen Flugsektoren in Erscheinung trat.
Flüge zur Evakuierung: Von Goma in den Süden
Die Boeing 767 mit dem Registrierungszeichen Z-WPF war das zentrale Flugzeug, das diese Evakuierungsflüge durchführte. Laut Angaben aus der Luftfahrtüberwachung (ADS-B) fanden die Flüge zwischen dem 25. und 26. Februar 2025 statt. Aufgrund der anhaltenden militärischen Auseinandersetzungen und der Schließung des Luftraums über Goma mussten die Soldaten zunächst in die benachbarte Stadt Kigali, der Hauptstadt Ruandas, geflogen werden. Dort stiegen die verwundeten Soldaten aus verschiedenen Nationen – darunter Südafrika, Tansania und Malawi – auf Flüge, die sie in ihre Heimatländer zurückbrachten.
Die von Africa Charter Airline durchgeführten Sektoren umfassten unter anderem Flüge von der Hauptstadt Simbabwes, Harare, nach Kigali, von dort nach Dar es Salaam in Tansania, dann nach Lilongwe in Malawi und schließlich zurück nach Südafrika über Waterkloof. Diese Mission, die bis in den südlichen Teil Afrikas führte, hatte nicht nur eine medizinische, sondern auch eine diplomatische Dimension, da sie die humanitäre Verantwortung der beteiligten Staaten unterstrich.
Herausforderung Goma: Ein Gebiet im Krisenmodus
Die Stadt Goma, die im Osten der Demokratischen Republik Kongo liegt, ist ein strategischer Punkt, der sich nahe der Grenze zu Ruanda und Uganda befindet. Seit Monaten befindet sich die Region im Griff eines bewaffneten Konflikts, der von der M23-Rebellengruppe geführt wird. Diese Gruppe, die nach eigenen Angaben die Regierung des Kongo bekämpft, hat weite Teile des östlichen Kongo unter ihre Kontrolle gebracht, einschließlich Goma. Aufgrund dieser Sicherheitslage bleibt der Luftraum über der Stadt für kommerzielle Flüge unzugänglich, was die Evakuierung der verwundeten Soldaten erschwert. Laut der DRC Civil Aviation Authority bleibt Goma mindestens bis zum 11. Mai 2025 für den Luftverkehr gesperrt.
Die Repatriierungsflüge, die Air Zimbabwe durchführte, fanden jedoch in einer äußerst anspruchsvollen Situation statt. Goma, als ein zentraler Knotenpunkt für internationale Hilfe und lokale Flüge, bietet nur eingeschränkten Zugang zu Lufttransportmitteln. Die humanitäre Hilfe und die Evakuierungen von zivilen sowie militärischen Akteuren aus der Region sind daher nur mit erheblichem logistischen Aufwand möglich. Dabei spielen Fluggesellschaften wie Air Zimbabwe und ihre Partnergesellschaften eine unverzichtbare Rolle.
Vorangegangene Einsätze und strategische Bedeutung
Dies war nicht der erste Einsatz von Air Zimbabwe in der Region. Bereits im Jahr 2024 hatte die Boeing 767 mehrfach Flüge im Auftrag der südafrikanischen Streitkräfte durchgeführt, um Truppen der South African National Defence Force (SANDF) in die DRC zu transportieren, wo sie als Teil eines Friedenssicherungseinsatzes der Vereinten Nationen stationiert waren. Die Fluggesellschaft stellte die Logistik für den Transport von Soldaten und Material sicher, um die Mission der SANDF zu unterstützen.
Die Boeing 767 von Air Zimbabwe war in dieser Zeit mehrfach zwischen Harare und Upington in Südafrika sowie Goma hin- und hergeflogen, wobei sie insbesondere für die Versorgung von Truppen und Material zuständig war. Diese rotierenden Flüge verdeutlichen die wachsende Bedeutung von Air Zimbabwe und deren Luftflotte in der internationalen militärischen Logistik und in Krisensituationen.
Auch wenn die zivile Luftfahrt des Unternehmens nach wie vor Herausforderungen meistert, insbesondere aufgrund des begrenzten Streckennetzes und der begrenzten Anzahl von Maschinen, so zeigt dieser Einsatz doch das Potenzial, das Air Zimbabwe im Bereich der internationalen Hilfe und militärischen Logistik besitzt.
Die Rolle von Africa Charter Airline
Die südafrikanische Chartergesellschaft Africa Charter Airline spielte bei dieser humanitären Mission eine Schlüsselrolle. Die Fluggesellschaft, die für ihre Kompetenz in der Durchführung von ACMI- und Charterflügen bekannt ist, übernahm die Verantwortung für die Durchführung der komplexen Evakuierungsflüge. Die Kooperation zwischen Africa Charter Airline und Air Zimbabwe ist ein weiteres Beispiel für die Praxis von Wet-Leasing, bei dem Flugzeuge und Besatzungen an andere Gesellschaften vermietet werden, um bestimmte Dienstleistungen zu erbringen.
Es ist zu erwähnen, dass die Boeing 767-200ER von Air Zimbabwe im Zeitraum vom 1. September 2024 bis 1. Januar 2025 an Eznis Airways, eine Fluggesellschaft aus der Mongolei, verchartert war. Darüber hinaus wurde das Flugzeug kurzfristig von der malischen Airline Mont Gabaon Airlines im Jahr 2024 genutzt. Diese vielfältigen Partnerschaften und der wiederholte Einsatz der Boeing 767 belegen die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit des Unternehmens in einem sich ständig wandelnden globalen Markt.