Korean Air hat angekündigt, die Ausmusterung ihrer Großraumflugzeuge vom Typ Airbus A380 und Boeing 747-8 zu verschieben. Grund hierfür sind erhebliche Verzögerungen bei der Lieferung neuer Flugzeuge, die als Ersatz für diese Modelle vorgesehen waren. Diese Entscheidung fällt in eine Zeit bedeutender Umstrukturierungen innerhalb der südkoreanischen Luftfahrtbranche, insbesondere im Zusammenhang mit der kürzlich abgeschlossenen Übernahme von Asiana Airlines durch Korean Air.
Walter Cho, der Vorstandsvorsitzende von Korean Air, erläuterte in einem Pressegespräch, dass die Fluggesellschaft pro Hersteller etwa 20 Flugzeuge weniger erhalten habe als ursprünglich geplant. Diese Lieferengpässe betreffen sowohl Airbus als auch Boeing und haben direkte Auswirkungen auf die Flottenstrategie der Airline. Ursprünglich war vorgesehen, die A380-Flotte im Jahr 2026 außer Dienst zu stellen, während die 747-8 bis Anfang der 2030er Jahre betrieben werden sollten. Aufgrund der aktuellen Situation werden diese Zeitpläne nun überdacht.
Aktuelle Flottenzusammensetzung
Derzeit betreibt Korean Air sieben Airbus A380 und sechs Boeing 747-8, mit einem Durchschnittsalter von 11,3 beziehungsweise 8,7 Jahren. Durch die Übernahme von Asiana Airlines kamen weitere sechs A380 hinzu, die im Durchschnitt 10 Jahre alt sind. Neben diesen Großraumflugzeugen erwartet Korean Air die Lieferung von 41 Airbus A321-200NX, vier A350-900, 27 A350-1000, 19 Boeing 737-8, 14 Boeing 737-10 und sechs Boeing 787-9. Asiana Airlines hingegen hat Bestellungen über zwölf A321-200NX und 15 A350-900 offen.
Die Entscheidung, die A380 und 747-8 länger im Dienst zu behalten, ist eine direkte Reaktion auf die Verzögerungen bei den Neuauslieferungen. Walter Cho betonte, dass die Ausmusterung dieser Modelle erst erfolgen werde, wenn die Ersatzflugzeuge tatsächlich verfügbar sind. Zudem plant die Airline, ältere Boeing 777 aus der Flotte zu nehmen, sobald die neuen Maschinen eintreffen.
Übernahme von Asiana Airlines und neue Markenidentität
Im Dezember 2024 schloss Korean Air die Übernahme von Asiana Airlines ab und erwarb dabei einen Anteil von 63,88 Prozent. Diese Fusion soll die Wettbewerbsfähigkeit der koreanischen Luftfahrtindustrie stärken und die Position von Korean Air als eine der größten Fluggesellschaften Asiens festigen. Im Zuge dieser Übernahme präsentierte Korean Air eine neue Markenidentität. Die Flugzeuge tragen nun den Schriftzug „Korean“ in einer modernisierten dunkelblauen Schrift auf einem hellblauen Rumpf mit Metallic-Effekt. Das traditionelle Taeguk-Symbol am Heck wurde vereinfacht und erscheint nun in dunklem Blau.
Asiana Airlines wird zunächst als Tochtergesellschaft von Korean Air betrieben, mit dem Ziel, bis zum 1. Januar 2027 vollständig integriert zu werden. Im Rahmen dieser Integration plant Korean Air, die Billigfluggesellschaften Air Busan und Air Seoul von Asiana mit Jin Air von Korean Air zu einer einzigen Low-Cost-Airline zusammenzuführen. Diese Konsolidierung zielt darauf ab, die Effizienz zu steigern und das Angebot im Budget-Segment zu optimieren.
Auswirkungen auf den internationalen Luftverkehr
Die verlängerte Nutzung der A380 und 747-8 durch Korean Air steht im Gegensatz zu Trends anderer internationaler Fluggesellschaften, die diese Modelle aufgrund von Effizienzüberlegungen ausmustern. Während der COVID-19-Pandemie hatten viele Airlines ihre A380-Flotten stillgelegt. Einige, wie die Lufthansa, haben jedoch beschlossen, einen Teil ihrer A380-Flotte zu reaktivieren. Emirates hingegen plant, die A380 noch bis in die 2030er Jahre einzusetzen. Bei der Boeing 747-8 gehören neben Korean Air nur noch Lufthansa und Air China zu den wenigen Fluggesellschaften, die dieses Modell im Passagierbetrieb nutzen.
Die Entscheidung von Korean Air, die Airbus A380 und Boeing 747-8 länger im Dienst zu behalten, unterstreicht die Herausforderungen, denen Fluggesellschaften angesichts von Lieferverzögerungen und Flottenmodernisierungsplänen gegenüberstehen. In Kombination mit der Integration von Asiana Airlines und der Einführung einer neuen Markenidentität positioniert sich Korean Air für die Zukunft, um sowohl auf dem heimischen als auch auf dem internationalen Markt wettbewerbsfähig zu bleiben.