Die Fluggesellschaft Air Astana setzt ihren Kurs auf eine umfassende Vereinfachung der Flotte fort. Mit dem Rückzug der Embraer E190-E2 aus dem Betrieb ist die Airline nun auf eine vereinheitlichte Flotte aus Airbus A320-Familienflugzeugen und drei Boeing 767-300ER angewiesen.
Diese Veränderung ist Teil eines längerfristigen Plans, die Flotte zu modernisieren und die Betriebskosten zu optimieren. Die Umstrukturierung und strategische Ausrichtung der Fluggesellschaft kommen zu einem Zeitpunkt, an dem auch andere betriebliche Herausforderungen gemeistert werden müssen – darunter technische Probleme mit den Pratt & Whitney Triebwerken und die noch nicht vollständig vollzogene Trennung des Billigfliegers FlyArystan von der Muttergesellschaft.
Flottenvereinfachung und technologische Anpassungen
Peter Foster, CEO von Air Astana, erklärte in einer Gewinnschaltung am 14. März 2025, dass die Airline nun die „einfachste Flottenstruktur“ in ihrer Geschichte habe. Dies wurde durch die Entscheidung erreicht, die flugzeugtechnische Palette auf Airbus A320neo und A321neo sowie Boeing 767 zu konzentrieren. „Wir haben mit den E190-E2 eine leistungsfähige Flugzeugreihe ausgemustert, was uns nun eine übersichtlichere Flottenstruktur ermöglicht“, sagte Foster. Diese Maßnahme geht Hand in Hand mit einer strategischen Flottenerweiterung, die auch der Einführung einer dritten Kraftstofftankmodifikation für sechs A321-200NX(LR) zu verdanken ist.
Durch das Hinzufügen eines dritten Tanks auf vier der sechs A321-200NX(LR) konnte die Reichweite der Maschinen von rund 3.600 auf etwa 4.200 nautische Meilen gesteigert werden. Dies bedeutet, dass Air Astana nun Direktflüge von Almaty nach London mit voller Zuladung durchführen kann – eine Verbesserung, die laut Foster große Auswirkungen auf die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Fluggesellschaft hat. Die restlichen zwei Maschinen dieser Serie sollen bis zum Sommer 2025 ebenfalls mit der Kraftstofftankmodifikation ausgestattet werden. Mit dieser Entscheidung bekräftigte Foster auch, dass Air Astana in naher Zukunft auf die teurere A321-200NY(XLR)-Variante verzichten werde.
Probleme mit Pratt & Whitney Triebwerken und deren Lösungen
Neben der Flottenmodernisierung muss Air Astana weiterhin auf die laufenden technischen Herausforderungen reagieren, die mit den Triebwerken von Pratt & Whitney verbunden sind. Die Fluggesellschaft hat ein internes Programm zur Verlängerung der Lebensdauer ihrer A320/A321neo-Flugzeuge ins Leben gerufen, um die problematischen Triebwerke über den Winter länger auf den Flügeln zu halten. In den vergangenen Jahren wurden im Winter zwischen sechs und 13 Flugzeuge außer Betrieb genommen, um die Motoren intensiver zu nutzen und die Gesamtbetriebskosten zu optimieren. „Die Probleme mit den Pratt & Whitney Triebwerken werden uns voraussichtlich bis Mitte 2027 begleiten“, so Foster. Für die laufende Saison plant die Airline erneut, diese Praxis fortzusetzen, um die Anzahl der einsatzbereiten Flugzeuge in der Hauptreisezeit zu maximieren.
Darüber hinaus hat Air Astana eine Vereinbarung mit Pratt & Whitney getroffen, um zusätzliche PW1100 Triebwerke zu erwerben, die für die künftige Flottenerweiterung von Bedeutung sind. Diese Maßnahmen zeigen, dass die Fluggesellschaft ihre Ressourcen aktiv managt und die Herausforderungen der Triebwerksproblematik als strategische Notwendigkeit betrachtet, um die Leistungsfähigkeit der Flotte aufrechtzuerhalten.
Die Trennung von FlyArystan: Ein langsamer Prozess
Ein weiteres Thema, das Air Astana aktuell beschäftigt, ist die Trennung ihrer Billigfluggesellschaft FlyArystan. Im Jahr 2024 hatte FlyArystan bereits seine eigene Betriebsgenehmigung erhalten und ist seitdem eine eigenständige juristische Entität. Dennoch erklärte Bolat Sambetov, stellvertretender Vorsitzender der kasachischen Wettbewerbsbehörde, dass der Trennungsprozess von FlyArystan noch nicht vollständig abgeschlossen sei. „FlyArystan gehört immer noch zu Air Astana, und die vollständige Trennung wird erst vollzogen, wenn FlyArystan unabhängig von Air Astana operiert – entweder durch Privatisierung oder die Übertragung an den Staat“, sagte Sambetov.
Die Trennung von FlyArystan war von Anfang an Teil eines strategischen Plans, der den Billigflieger als eigenständige Marke etablieren sollte. CEO Peter Foster erklärte, dass dies keine Abschaffung der Verbindung zwischen den beiden Gesellschaften bedeute, sondern dass FlyArystan weiterhin als Teil der Air Astana-Gruppe fungiere. Eine vollständige Unabhängigkeit des Billigfliegers könne jedoch nur dann erreicht werden, wenn er nicht länger in Konkurrenz zu Air Astana stehe.
Im Jahr 2024 hatte FlyArystan bereits ein beachtliches Wachstum verzeichnet, und Air Astana beabsichtigte, den Billigflieger nicht aus der Gruppe herauszulösen, sondern vielmehr die besten rechtlichen und regulatorischen Praktiken anzuwenden, um eine vollständige Trennung zu gewährleisten. Allerdings wirft die langsame Trennung Fragen zur Marktstruktur und zu möglichen Wettbewerbsverzerrungen auf. Sambetov äußerte Bedenken über die Dominanz von Air Astana, die mit einem Marktanteil von 55 Prozent eine erhebliche Marktmacht ausübe und den Wettbewerb einschränke.
Zukünftige Pläne und Herausforderungen
Air Astana sieht sich also nicht nur mit der technischen Modernisierung der Flotte und der langfristigen Problematik der Pratt & Whitney Triebwerke konfrontiert, sondern auch mit der Herausforderung, die Trennung von FlyArystan endgültig umzusetzen und gleichzeitig eine mögliche Marktverzerrung durch ihre Marktführerschaft zu vermeiden. Dennoch bleibt die Fluggesellschaft optimistisch in Bezug auf ihre Pläne für die Zukunft und geht davon aus, dass sich die Herausforderungen in den kommenden Jahren mit der richtigen Strategie und den entsprechenden Investitionen bewältigen lassen.
Im Jahr 2025 plant Air Astana die Lieferung von vier neuen Flugzeugen, darunter drei A320neo und ein A320neo. Die Airline arbeitet auch weiterhin daran, ihre Flottenstrategie zu optimieren und ihre Marktposition zu stärken. Indem sie sich auf eine vereinfachte Flotte und die Verbesserung ihrer bestehenden Modelle konzentriert, ist die Airline gut positioniert, um die Herausforderungen des Wettbewerbs und der Marktbedingungen in der Region zu meistern.