Am 2. März 2023 geriet ein Airbus A330-900 der Fluggesellschaft Condor auf dem Weg von Frankfurt nach Mauritius in schwere Turbulenzen, die zu Verletzungen von 22 Insassen führten, darunter sechs mit Knochenbrüchen.
Der Vorfall ereignete sich etwa zwei Stunden vor der geplanten Landung, als die Maschine den Luftraum der Seychellen durchquerte. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) hat den Vorfall untersucht und nun ihren Abschlussbericht vorgelegt.
Der Flug DE2314 startete planmäßig in Frankfurt und verlief zunächst ohne besondere Vorkommnisse. Kurz nach Mitternacht, in einer Flughöhe von 39.000 Fuß (etwa 11.900 Meter), bemerkte die Cockpitbesatzung ein aufziehendes Wolkengebiet mit Spitzen bis zu 46.000 Fuß (rund 14.000 Meter). Um möglichen Turbulenzen zu entgehen, entschied sich die Besatzung, dem Wolkengebiet auszuweichen, und beantragte bei der zuständigen Flugverkehrskontrollstelle einen entsprechenden Kurswechsel.
Ohne die Freigabe abzuwarten, leitete die Crew eigenständig eine Rechtskurve ein, um das Wetterphänomen zu umfliegen. Trotz dieser Maßnahme geriet das Flugzeug in eine Wolkenschicht, die zunächst leichte, dann innerhalb weniger Sekunden sehr starke Turbulenzen verursachte. Lose Gegenstände wurden durch die Kabine geschleudert, und nicht angeschnallte Passagiere hoben aus ihren Sitzen ab. Die aufgezeichneten Beschleunigungswerte lagen zwischen +1,75g und -0,7g. Zudem stieg die Fluggeschwindigkeit kurzzeitig auf Mach 0,856, nahe der maximal zulässigen Geschwindigkeit von Mach 0,86.
Verletzungen und Schäden
Infolge der heftigen Turbulenzen wurden insgesamt 22 Personen verletzt, sechs davon schwer. Die Verletzungen reichten von Prellungen und Abschürfungen bis hin zu Frakturen, insbesondere Wirbelkörperbrüchen.
Nach der Landung in Mauritius wurden die Verletzten medizinisch versorgt; einige mussten im Krankenhaus behandelt werden. Die Kabine des Flugzeugs wies erhebliche Schäden auf, darunter heruntergefallene Deckenelemente und beschädigte Seitenverkleidungen. Der Airbus A330-900 mit der Kennung D-ANRA konnte erst 51 Tage nach dem Zwischenfall wieder in den Liniendienst zurückkehren.
Erkenntnisse der BFU-Untersuchung
Die BFU stellte fest, dass die Cockpitbesatzung das Radarecho des Wetterradars zunächst nicht korrekt eingeschätzt hatte und dem Wolkengebiet zu spät auswich. Zudem waren die verletzten Insassen zum Zeitpunkt der Turbulenzen nicht angeschnallt, obwohl die Anschnallzeichen aktiviert waren.
Ein möglicher Einfluss von Wirbelschleppen eines vorausfliegenden Airbus A350 wurde von Airbus analysiert, jedoch weitestgehend ausgeschlossen, da der Höhenunterschied zwischen den Flugzeugen 2.000 Fuß betrug und Wirbelschleppen in dieser Konstellation kaum spürbar sind.
Empfehlungen und Maßnahmen
Die BFU betont die Bedeutung einer sorgfältigen Interpretation von Wetterradardaten und einer proaktiven Flugwegplanung, um Turbulenzen zu vermeiden. Zudem wird Passagieren dringend empfohlen, während des gesamten Fluges angeschnallt zu bleiben, da Turbulenzen oft unerwartet auftreten können. Die Fluggesellschaften sind angehalten, ihre Crews regelmäßig im Umgang mit Wetterradarsystemen zu schulen und die Kommunikation zwischen Cockpit und Kabine zu optimieren, um in solchen Situationen angemessen reagieren zu können.