Im Zuge der Expo 2025 in Osaka erlebt der Ōita-Flughafen in der gleichnamigen Präfektur im Süden Japans eine ungewöhnliche Umbenennung. Für ein halbes Jahr wird der Flughafen offiziell den Namen „Ōita Hello Kitty Airport“ tragen – ein bewußter Schritt der regionalen Politik zur Förderung des Tourismus.
Mit Wirkung vom 13. April 2025 trägt der internationale Flughafen der Stadt Kunisaki in der Präfektur Ōita für sechs Monate den offiziellen Namen „Ōita Hello Kitty Airport“. Die Maßnahme ist zeitlich mit der Weltausstellung in Osaka (Expo 2025), die bis zum 13. Oktober andauert, abgestimmt. Die temporäre Umbenennung ist Teil einer umfassenden Kampagne der Präfekturverwaltung Ōita, die sich eine Stärkung der regionalen Identität und wirtschaftliche Impulse davon erhofft. Ab Mitte Oktober wird der Flughafen wieder seinen ursprünglichen Namen tragen.
Die Wahl des neuen Namens ist nicht zufällig: Ōita ist neben Tokio der einzige Ort in Japan mit einem Sanrio-Freizeitpark. „Harmonyland“ ist ein Themenpark, der 1991 eröffnet wurde und vollständig dem Sanrio-Universum gewidmet ist – insbesondere der Figur Hello Kitty, die seit den 1970er Jahren ein globales Phänomen ist. Das „Hello Kitty“-Franchise ist nicht nur bei Kindern beliebt, sondern längst ein popkulturelles Symbol mit großem Wiedererkennungswert, das auch Erwachsene weltweit anspricht.
Touristische Zielsetzung der Maßnahme
Die Umbenennung des Flughafens ist keine bloße Marketing-Spielerei, sondern eingebettet in ein größeres Konzept zur Förderung des Tourismus in der Präfektur Ōita. Die Verantwortlichen sehen in der temporären Markenstrategie eine Gelegenheit, den Bekanntheitsgrad der Region unter In- und Auslandsreisenden zu steigern. Begleitet wird die Namensänderung von umfangreichen Dekorationen und Erlebnisbereichen am Flughafen, darunter Fotohintergründe mit Sanrio-Figuren und temporäre Studios für Besucherinnen und Besucher.
Auch eine zusätzliche Verkehrsanbindung wurde geplant: Zwischen August und Oktober 2025 wird ein Shuttlebus zwischen dem Ōita Hello Kitty Airport und Harmonyland verkehren. Damit sollen die zahlreichen erwarteten Gäste der Expo in Osaka gezielt nach Ōita gelenkt werden. Die Fahrtzeit beträgt etwa 70 Minuten. Der Freizeitpark selbst zählt jährlich Hunderttausende Besucher und ist besonders in den Sommermonaten ein beliebtes Ziel für Familien.
Expo 2025: Ein landesweites Schaufenster
Die Expo 2025 in Osaka stellt eine bedeutende Plattform für die japanischen Regionen dar, um sich national und international zu präsentieren. Die Ausstellung steht unter dem Motto „Designing Future Society for Our Lives“ und erwartet Besucherinnen und Besucher aus aller Welt. Die Veranstalter rechnen mit bis zu 28 Millionen Gästen während der sechsmonatigen Laufzeit. Auch entferntere Regionen wie Ōita bemühen sich, von der erhöhten Aufmerksamkeit zu profitieren.
In diesem Kontext wird die Namensänderung des Flughafens als gezielter Versuch gewertet, die Brücke zwischen regionaler Identität und internationaler Wahrnehmung zu schlagen. Gouverneur Kiichirō Satō erklärte in einer Pressekonferenz im März 2025, daß man sich „deutliche Effekte“ hinsichtlich Sichtbarkeit und wirtschaftlicher Belebung verspreche. Die Aktion sei ein Beispiel für kreative Standortpolitik in Zeiten globaler Vernetzung.
Kultureller Kontext und wirtschaftliche Relevanz
Hello Kitty ist nicht nur eine weltweit bekannte Figur, sondern auch ein bedeutendes wirtschaftliches Asset für Japan. Das Unternehmen Sanrio generiert jährlich mehrere hundert Millionen US-Dollar durch Lizenzeinnahmen und Merchandising – ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor im Bereich der Populärkultur. In Japan selbst hat die Figur, die 1974 eingeführt wurde, mittlerweile Kultstatus erreicht und ist aus dem öffentlichen Leben kaum mehr wegzudenken. Von Bahnhöfen über Flugzeuge bis hin zu Bankkarten – Hello Kitty ist ein fester Bestandteil der japanischen Markenlandschaft.
Vor diesem Hintergrund erscheint die Entscheidung der Behörden in Ōita als gut kalkuliertes Experiment, das sich über die Namensänderung hinaus in eine Serie ähnlicher Maßnahmen einfügt. So gibt es bereits Beispiele für Hello-Kitty-Züge, Fähren und Flugzeuge in Zusammenarbeit mit japanischen Transportgesellschaften. Der Flughafen in Ōita ist damit Teil einer umfassenden Markenkampagne, die auf emotionale Bindung, Wiedererkennung und internationale Sympathie setzt.
Resonanz in der Öffentlichkeit
Die öffentliche Reaktion auf die Maßnahme fällt gemischt aus. Während viele Reisende und insbesondere jüngere Besucherinnen und Besucher die verspielte Atmosphäre begrüßen, äußern Kritiker Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Aktion. Es wird die Frage gestellt, ob eine solche Maßnahme einem internationalen Flughafen gerecht wird und ob langfristige Effekte zu erwarten seien. Befürworter hingegen verweisen auf ähnliche Beispiele in Japan, bei denen humorvolle oder thematische Ansätze erfolgreich zur Belebung strukturschwacher Regionen beigetragen haben.
Ein besonders prominentes Beispiel ist die Umbenennung des Bahnhofs Kishi in Wakayama, der über mehrere Jahre von einer Katze – Tama – als „Bahnhofsleiterin“ repräsentiert wurde. Der Bahnhof avancierte in der Folge zu einer Touristenattraktion mit erheblichen Besuchszuwächsen.
Die temporäre Umbenennung des Flughafens Ōita in „Hello Kitty Airport“ ist ein bemerkenswerter Schritt in der Verbindung von regionaler Identität, popkultureller Symbolik und wirtschaftlicher Standortförderung. Inmitten globaler Herausforderungen sucht die japanische Regionalpolitik nach innovativen Wegen, um Aufmerksamkeit zu generieren und sich auf der Weltbühne zu positionieren. Ob die Maßnahme langfristige Effekte zeigt oder als kurzzeitiges Ereignis verblasst, wird sich nach Ende der Expo 2025 zeigen. Der Versuch jedoch, durch kreative Mittel neue Impulse für Tourismus und regionale Entwicklung zu setzen, verdient in jedem Fall Beachtung.