Ein Zwischenfall auf einem Langstreckenflug von San Francisco nach Singapur lenkt erneut die Aufmerksamkeit auf Risiken durch Turbulenzen in südostasiatischen Lufträumen. Fünf Personen wurden verletzt, als eine Boeing 787-9 Dreamliner der United Airlines am 27. März 2025 über der Insel Mindanao von heftigen Luftbewegungen erfaßt wurde.
Flug UA1 startete in der Nacht des 27. März 2025 um 00:39 Uhr vom San Francisco International Airport mit Ziel Singapur. An Bord befanden sich 174 Passagiere und 14 Besatzungsmitglieder. Die eingesetzte Boeing 787-9 Dreamliner mit der Kennung N27958 befand sich während des Zwischenfalls auf Reiseflughöhe von 40.000 Fuß (etwa 12.000 Meter), als sie über Butuan City im Osten der Insel Mindanao in den Philippinen flog.
Nach Angaben der US-Luftfahrtbehörde FAA und des Aviation Herald kam es während dieses Abschnitts der Route zu einem plötzlichen und heftigen Turbulenzereignis. Innerhalb weniger Sekunden wurde das Flugzeug stark durchgeschüttelt. Augenzeugen berichten von herumfliegenden Gegenständen und geöffneten Gepäckfächern.
Eine Flugbegleiterin, die sich zu diesem Zeitpunkt im Kabinengang befand, wurde durch die Erschütterungen gegen die Kabinendecke geschleudert und erlitt einen Armbruch sowie eine Gehirnerschütterung. Drei weitere Personen, darunter ein Passagier und zwei Mitglieder der Crew, wurden leicht verletzt.
Entscheidung für Fortsetzung des Fluges
Trotz des Vorfalls entschied sich die Flugbesatzung, den Flug fortzusetzen. Der betroffene Dreamliner landete planmäßig gegen 07:40 Uhr Ortszeit am Flughafen Singapur-Changi. Medizinisches Personal stand bereits bereit, um sich um die Verletzten zu kümmern. Die schwer verletzte Flugbegleiterin wurde in ein nahegelegenes Krankenhaus gebracht, während die übrigen Verletzten vor Ort versorgt werden konnten und keiner stationären Behandlung bedurften.
United Airlines äußerte sich kurz nach dem Vorfall und erklärte, daß die Besatzung entsprechend den gültigen Sicherheitsvorschriften gehandelt habe. Man bedauere die entstandenen Verletzungen.
Erste Ergebnisse der Untersuchung
Am 22. April 2025 veröffentlichte die FAA einen vorläufigen Untersuchungsbericht. Demnach werde der Vorfall als Unfall eingestuft, da eine Person ernsthaft verletzt wurde. Die Untersuchung erfolgt in Zusammenarbeit mit der Zivilluftfahrtbehörde der Philippinen (CAAP) sowie dem US-amerikanischen National Transportation Safety Board (NTSB).
Gegenstand der laufenden Untersuchungen sind unter anderem die Auswertung der Flugdatenschreiber, die meteorologischen Bedingungen zum Zeitpunkt des Vorfalls sowie die Handlungen der Crew. Die Erkenntnisse sollen helfen, das Sicherheitsmanagement bei Langstreckenflügen weiter zu verbessern.
Flugroute durch turbulenceanfälliges Gebiet
Die Route von San Francisco nach Singapur führt über den westpazifischen Raum und Teile Südostasiens, darunter auch die sogenannte Intertropische Konvergenzzone (ITCZ). Dieses Gebiet, in dem Passatwinde aus Nord- und Südhalbkugel aufeinandertreffen, ist bekannt für plötzliche Wetterumschwünge und starke Gewitterzellen.
In dieser Zone kann es zu sogenannten „Clear Air Turbulences“ (CAT) kommen – also Turbulenzen ohne sichtbare Wolkenbildung, die auch von Wetterradaren oft nicht erfaßt werden können. Solche Turbulenzen stellen insbesondere auf Kreuzflughöhen ein Risiko dar, da sie ohne Vorwarnung auftreten können.
Vergleich mit früheren Vorfällen
Der Vorfall auf Flug UA1 erinnert an einen ähnlichen Fall im Mai 2024, als ein Flugzeug von Singapore Airlines auf der Route von London nach Singapur bei Überquerung des südostasiatischen Festlands in schwere Turbulenzen geriet. Damals kam ein Passagier ums Leben, mehr als dreißig weitere wurden verletzt. Die Maschine mußte in Bangkok notlanden. Untersuchungen zeigten, daß das Flugzeug während des Zwischenfalls rund 1.800 Meter Höhe verlor.
Nach diesem Ereignis hatten mehrere Fluggesellschaften ihre Sicherheitsprotokolle überarbeitet. Bei Singapore Airlines wurde etwa der Bordservice während turbulenzanfälliger Flugabschnitte eingeschränkt. Auch wurde den Passagieren geraten, möglichst während des gesamten Fluges angeschnallt zu bleiben.
Sicherheitsvorkehrungen und Empfehlungen
Die FAA sowie zahlreiche internationale Luftfahrtorganisationen raten Passagieren auf Langstreckenflügen dazu, auch bei ausgeschaltetem Anschnallzeichen den Sicherheitsgurt lose angelegt zu lassen. Die meisten Verletzungen bei Turbulenzen entstehen durch unangeschnallte Personen oder Crewmitglieder, die sich während des Services im Gang aufhalten.
Fluggesellschaften sind zudem dazu angehalten, ihre Cockpitbesatzungen regelmäßig im Umgang mit unerwarteten Turbulenzen zu schulen und den Austausch über gemeldete Turbulenzzonen zwischen Flugzeugen in Echtzeit zu fördern. Auch der Einsatz von modernen Wetterinformationssystemen könnte zukünftig zu präziseren Vorhersagen beitragen.
Zwischenfall als Warnsignal
Der Vorfall auf Flug UA1 unterstreicht einmal mehr, daß auch moderne Flugzeuge wie die Boeing 787-9 trotz fortgeschrittener Technik nicht vor den Kräften der Atmosphäre gefeit sind. Die internationale Luftfahrtindustrie steht daher vor der Aufgabe, ihre Verfahren zur Vorbeugung und zum Management solcher Ereignisse fortlaufend zu optimieren.
Bis zum Abschluß der Untersuchungen bleibt unklar, ob die betroffene Crew die Turbulenzzone rechtzeitig hätte erkennen oder umfliegen können. Klar ist jedoch, daß die Sicherheitsrichtlinien und Verhaltensregeln an Bord – insbesondere in turbulenzanfälligen Regionen – konsequent umgesetzt werden müssen, um Verletzungen künftig zu vermeiden.