Comac ARJ-21-Frachter (Foto: COMAC).
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Chinas Luftfahrtindustrie plant Umgehung von Strafzöllen – Airbus soll helfen

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Im Spannungsfeld internationaler Handelsbeziehungen steht die chinesische Luftfahrtindustrie derzeit vor einer schwierigen Herausforderung: Die chinesische Regierung erwägt, den europäischen Flugzeugbauer Airbus in die Lieferung von Triebwerken für den neuen Passagierjet C919 einzubeziehen. Dies könnte es dem staatlichen Flugzeughersteller COMAC (Commercial Aircraft Corporation of China) ermöglichen, eine Reihe von US-amerikanischen Strafzöllen zu umgehen, die im Handelskonflikt zwischen den USA und China eine wichtige Rolle spielen.

Der C919, ein Passagierflugzeug der nächsten Generation, das von COMAC entwickelt wird, soll die chinesische Luftfahrtindustrie von westlichen Herstellern wie Boeing und Airbus unabhängiger machen. Der C919 wird als Chinas Flaggschiff in der Luftfahrtindustrie gehandelt und soll in direkter Konkurrenz zum Airbus A320neo und Boeing 737 MAX stehen. Die erste Lieferung des C919 ist für 2025 geplant, und COMAC hat bereits große Bestellungen von chinesischen Fluggesellschaften wie Air China und China Eastern Airlines erhalten.

Die Herausforderung, die sich dabei stellt, betrifft jedoch die Triebwerke des Flugzeugs. Der C919 wird derzeit ausschließlich mit dem LEAP-1C-Triebwerk von CFM International ausgestattet, einem Gemeinschaftsunternehmen von General Electric (GE) aus den USA und Safran aus Frankreich. Inmitten des anhaltenden Handelsstreits zwischen den USA und China sind die Triebwerke von CFM International jedoch Ziel von hohen Strafzöllen, die von der chinesischen Regierung auf US-Produkte erhoben wurden. Dies hat zu erheblichen Unsicherheiten bei der Versorgung mit den Triebwerken geführt, da COMAC und die chinesische Luftfahrtindustrie auf eine ausreichende Lieferung angewiesen sind, um die Produktion des C919 sicherzustellen.

Strategischer Plan zur Umgehung von Zöllen

Um diese Hürde zu überwinden, denkt die chinesische Regierung nun laut Medienberichten darüber nach, Airbus in den Lieferprozess der Triebwerke für den C919 einzubeziehen. Ein Vorschlag, der derzeit geprüft wird, sieht vor, dass Airbus bei der Lieferung von Flugzeugen nach China auch ein zusätzliches Set von Triebwerken für den C919 mitliefert. Diese Triebwerke könnten dann als europäische Produkte klassifiziert werden, was bedeutet, dass sie nicht den hohen US-Sanktionen und Zöllen unterliegen würden, die auf Produkte aus den Vereinigten Staaten erhoben werden.

Die Idee ist, die Triebwerke nicht direkt von CFM International, das in den USA ansässig ist, zu beziehen, sondern über Airbus zu importieren, was zu einer Umgehung der 125-prozentigen Strafzölle auf US-amerikanische Produkte führen würde, die China im Zuge des Handelskrieges gegen die USA verhängt hat. Durch diesen Schritt würde COMAC nicht nur die Zölle vermeiden, sondern auch sicherstellen können, dass genügend Triebwerke zur Verfügung stehen, um die geplante Produktion und Auslieferung der C919-Flugzeuge in den kommenden Jahren zu gewährleisten.

Die geopolitischen Hintergründe und der Handelskrieg

Die Idee, die Triebwerke über Airbus zu beziehen, ist nicht nur eine wirtschaftliche Entscheidung, sondern auch eine politische. Der Handelskrieg zwischen den USA und China, der unter der Präsidentschaft von Donald Trump einen neuen Höhepunkt erreichte, führte zu einer Reihe von hohen Strafzöllen auf Produkte aus dem jeweils anderen Land. Die USA verhängten im Jahr 2018 Zölle von 145 Prozent auf chinesische Importe, woraufhin China mit eigenen Gegenmaßnahmen reagierte, darunter die 125-prozentige Strafsteuer auf US-Produkte. Diese Zollpolitik betrifft auch wichtige Zulieferer in der Luftfahrtindustrie, wie etwa CFM International, das als einziges Unternehmen das Triebwerk LEAP-1C für den C919 liefert.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass die chinesische Luftfahrtindustrie bemüht ist, ihre Abhängigkeit von US-Technologien zu verringern. Die Entwicklung des C919 ist Teil eines größeren Plans, die inländische Fertigungskapazität zu stärken und international konkurrenzfähig zu werden. Doch angesichts der geopolitischen Spannungen und der Tatsache, dass die Triebwerke des C919 fast ausschließlich aus den USA kommen, steht die Produktion des Flugzeugs unter einem erheblichen Druck.

Die Alternativen – ein chinesisches Triebwerk als langfristige Lösung?

Die langfristige Lösung für Chinas Luftfahrtindustrie könnte jedoch in einer eigenen Triebwerksentwicklung liegen. Die staatliche Aero Engine Corporation of China (AECC) arbeitet derzeit an der Entwicklung des CJ-1000A, eines Triebwerks, das als mögliche Alternative zu den LEAP-Triebwerken von CFM International in Frage käme. Das CJ-1000A befindet sich jedoch noch in der Testphase, und es ist noch unklar, wann das Triebwerk in den kommerziellen Betrieb gehen könnte. Der Entwicklungshorizont dieses Triebwerks ist unsicher, weshalb COMAC und die chinesische Luftfahrtindustrie auf die Triebwerke von CFM International angewiesen bleiben, solange keine ausreichende chinesische Alternative verfügbar ist.

Der Zeitdruck und die Herausforderungen

COMAC hat Berichten zufolge genug Triebwerke auf Lager, um die Produktion der ersten C919-Flugzeuge bis 2025 sicherzustellen. Doch die Produktion soll ab 2026 deutlich steigen, was zu einem Engpass bei den benötigten Triebwerken führen könnte. Daher wird die Suche nach Lösungen, um die Lieferkette für die Triebwerke aufrechtzuerhalten, immer dringlicher.

China steht unter erheblichem Druck, eine eigenständige, stabile Lieferkette für seine Luftfahrtindustrie aufzubauen, um von westlichen Zulieferern unabhängig zu werden und seine Position auf den internationalen Märkten zu stärken. In dieser Hinsicht könnte die Zusammenarbeit mit Airbus eine Übergangslösung darstellen, bis China in der Lage ist, ein eigenes Triebwerk in großem Maßstab zu produzieren.

Ein geopolitisches Schachspiel

Die Überlegungen der chinesischen Regierung, Airbus in die Triebwerksversorgung für den C919 einzubeziehen, sind ein weiteres Beispiel für die Auswirkungen des Handelskriegs auf die internationale Luftfahrtindustrie. Es zeigt sich, wie komplex und vielschichtig die geopolitischen Beziehungen die moderne Luftfahrtproduktion beeinflussen. Während COMAC und die chinesische Luftfahrtindustrie weiterhin auf den Erfolg des C919 setzen, bleibt die Frage, ob sie in der Lage sein wird, langfristig von westlichen Technologien unabhängig zu werden. In jedem Fall wird die internationale Zusammenarbeit und die geopolitische Lage weiterhin eine zentrale Rolle in der Entwicklung und Produktion von Flugzeugen und Triebwerken spielen.

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