Angesichts der wachsenden Spannungen zwischen Indien und seinem Nachbarland Pakistan hat Indien seinen Luftraum für alle Fluggesellschaften Pakistans gesperrt. Wie der Nachrichtensender NDTV und andere indische Medien unter Berufung auf eine offizielle Mitteilung der Behörden berichteten, betrifft das Verbot sämtliche in Pakistan registrierten und von pakistanischen Unternehmen betriebenen Flugzeuge, einschließlich Militärflüge.
Das Überflugverbot soll demnach vorerst bis zum 23. Mai 2025 gelten. Diese Maßnahme stellt die jüngste Eskalationsstufe in einer Reihe von Reaktionen Indiens auf einen kürzlich verübten Terroranschlag in der von Indien verwalteten Region Kaschmir dar und ist zugleich eine direkte Antwort auf das zuvor von Pakistan verhängte Flugverbot für indische Maschinen über pakistanischem Territorium.
Vergeltungsmaßnahmen nach tödlichem Anschlag auf Touristen
Am 22. April ereignete sich in einer Bergregion des Himalaya ein schwerwiegender Terroranschlag, bei dem 26 Menschen ums Leben kamen, überwiegend indische Touristen. Die Regierung in Neu-Delhi beschuldigt Pakistan, in diesen Anschlag verwickelt zu sein, was von Islamabad entschieden zurückgewiesen wird. Seit dem Vorfall haben beide Länder mit einer Reihe von Strafmaßnahmen aufeinander reagiert.
Dazu gehörten die Ausweisung von Staatsbürgern des jeweils anderen Landes sowie die Reduzierung der diplomatischen Beziehungen. Die nun erfolgte Schließung des indischen Luftraums stellt eine weitere signifikante Verschärfung der bilateralen Beziehungen dar.
Pakistan befürchtet militärischen Angriff Indiens
Die Situation wird zusätzlich durch Äußerungen aus Pakistan verschärft. Informationsminister Attaullah Tarar warnte öffentlich vor einem unmittelbar bevorstehenden militärischen Angriff des indischen Militärs. Über die Plattform X erklärte er, dass Pakistan jegliche Aggression entschieden beantworten werde.
Er wies die indischen Anschuldigungen zurück und bezeichnete den Terroranschlag als lediglich vorgeschobene Begründung für indische Militäraktionen. Diese Äußerungen deuten auf eine hohe Alarmbereitschaft in Islamabad hin und nähren die Sorge vor einer weiteren Eskalation des Konflikts.
Indiens Premier erteilt Militär „operative Freiheit“
Berichten lokaler Medien zufolge hat der indische Premierminister Narendra Modi den Streitkräften die „vollständige operative Freiheit“ eingeräumt, um über Art, Ziele und Zeitpunkt einer Reaktion auf den jüngsten Terroranschlag zu entscheiden.
Diese Anweisung soll Modi am Dienstag bei einem hochrangigen Sicherheitstreffen gegeben haben, an dem unter anderem Verteidigungsminister Rajnath Singh sowie die Oberbefehlshaber der Land-, Luft- und Seestreitkräfte teilnahmen. Die Formulierung „vollständige operative Freiheit“ lässt Raum für verschiedene militärische Optionen und könnte als Signal der Entschlossenheit Indiens interpretiert werden, auf den Anschlag zu reagieren.
Auswirkungen auf den Flugverkehr erwartet
Die Schließung des indischen Luftraums für pakistanische Flugzeuge wird voraussichtlich erhebliche Auswirkungen auf den zivilen Flugverkehr haben. Pakistanische Fluggesellschaften werden gezwungen sein, ihren Flugbetrieb umzuleiten, was zu längeren Flugzeiten, höheren Kosten und möglichen Flugausfällen führen kann.
Auch Fluggesellschaften anderer Nationen, die den indischen Luftraum für Überflüge nach oder von Pakistan nutzen, könnten von den Restriktionen betroffen sein. Es ist zu erwarten, dass die Maßnahme zu weiteren Verwerfungen im ohnehin angespannten Verhältnis zwischen den beiden südasiatischen Atommächten führen wird. Beobachter befürchten, dass die Schließung des Luftraums ein weiterer Schritt in Richtung einer gefährlichen Eskalation des Konflikts sein könnte.