Die Aussichten für die österreichische Wirtschaft im Jahr 2025 sind getrübt. Dies geht aus dem aktuellen Champagner-Index hervor, der vom Meinungsforschungsinstitut Marketagent in Kooperation mit dem Public Relations Verband Austria (PRVA) erstellt wurde. Der Konjunkturbarometer beleuchtet nicht nur die Einschätzung von Wirtschaftsexperten, sondern erfaßt auch die Stimmung in der österreichischen Bevölkerung und zieht erstmals einen Vergleich zur Schweiz. Das Ergebnis zeichnet ein Bild von Skepsis und verhaltener Erwartungshaltung in Österreich, während die Stimmung in der Schweiz deutlich optimistischer ausfällt. Statt Champagnerlaune dominiert hierzulande eher die Sorge vor wirtschaftlichen Herausforderungen.
Für den diesjährigen Champagner-Index befragte Marketagent seine B2B-Community nach deren Einschätzung der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung in Österreich sowie der erwarteten Performance des eigenen Unternehmens im Jahr 2025. Ergänzt wurde diese Perspektive durch eine repräsentative Umfrage unter 1.020 Konsumenten in Österreich. Erstmals wurde auch die Stimmung in der Schweiz durch eine Befragung von Wirtschaftsinsidern und der Bevölkerung erhoben.
Die Ergebnisse zeigen, daß die österreichischen Wirtschaftsinsider die aktuelle Wirtschaftslage deutlich pessimistischer beurteilen als noch im Vorjahr. Würde man die Wirtschaftslage mit dem Füllstand eines Champagnerglases vergleichen, so sehen die Unternehmensvertreter dieses im Durchschnitt nur noch zu 41,5 Prozent gefüllt. Im Jahr 2023 lag dieser Wert noch bei 53,4 Prozent. Auch in der österreichischen Gesamtbevölkerung herrscht Skepsis: Die befragten Konsumenten würden das metaphorische Champagnerglas im Schnitt nur zu 40,8 Prozent füllen.
Ein deutlicher Kontrast zeigt sich in der Schweiz. Dort sehen die Wirtschaftsinsider das Glas im Durchschnitt zu 68,3 Prozent gefüllt, und auch die Schweizer Bevölkerung ist mit einer durchschnittlichen Füllhöhe von 56,5 Prozent deutlich zuversichtlicher als die österreichische.
Stilles Wasser statt prickelnder Aussichten
Geht es um die Erwartungen für die kommenden Monate, so rechnen viele Österreicher nicht mit einer positiven Entwicklung. Sowohl in der B2B-Community (36 Prozent) als auch in der breiten Bevölkerung (34 Prozent) dominiert die Vorstellung, daß das Jahr 2025 eher im Zeichen des stillen Wassers stehen wird. Ein Viertel der befragten Unternehmensvertreter in Österreich befürchtet sogar, am Ende des Jahres zum Wodka greifen zu müssen, um die Sorgen zu betäuben (24 Prozent). In der Schweizer B2B-Community hingegen erwartet die Mehrheit (54 Prozent), daß die wirtschaftliche Entwicklung mit Sekt oder Wein gefeiert werden kann.
Diese Ergebnisse spiegeln die anhaltenden wirtschaftlichen Unsicherheiten wider, mit denen Österreich konfrontiert ist. Während die Schweiz offenbar resilienter auf die globalen Entwicklungen reagiert, lasten in Österreich die Nachwirkungen von Energiekrise und Inflation schwer auf der Stimmung.
Trotz Pessimismus: Vertrauen in die eigene Stärke
Obwohl die Aussichten für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Österreich verhalten sind, blicken die Unternehmen weiterhin optimistisch auf ihre eigene Performance. Würde man das eigene Unternehmen als Profil auf einer Partnerbörse betrachten, so würden 88 Prozent der befragten Wirtschaftsinsider nach rechts swipen und somit ihr Interesse bekunden. Mehr als drei Viertel (78 Prozent) wären sogar bereit, privates Geld in Aktien des eigenen Unternehmens zu investieren. Rund ein Drittel (32 Prozent) glaubt sogar, daß die Performance des eigenen Unternehmens in den kommenden Monaten herausragend sein wird.
Auch im Wettbewerbsvergleich zeigen sich die österreichischen Unternehmen selbstbewußt. Würde man das Marktumfeld mit einem Konzert vergleichen, so sieht sich die Mehrheit der B2B-Community in einer prominenten Position: 34 Prozent in der VIP-Loge und weitere 27 Prozent zumindest in der ersten Reihe vor der Bühne. Nur 17 Prozent sehen das eigene Unternehmen als die tonangebende Band auf der Bühne.
Sorgen um Lebenshaltungskosten und Arbeitsplätze
Die Stimmung der österreichischen Konsumenten wird weiterhin maßgeblich von den steigenden Lebenshaltungskosten beeinträchtigt (71 Prozent). Obwohl dieser Faktor nicht mehr ganz so stark belastet wie in den Vorjahren, spüren die Menschen weiterhin die Auswirkungen der Energiekrise und der Inflation. Nur 43 Prozent der Befragten bezeichnen ihre aktuelle finanzielle Situation als sehr oder eher gut, während 37 Prozent sie als befriedigend einstufen.
Zunehmend besorgniserregend ist die Entwicklung der wahrgenommenen Arbeitsplatzsicherheit. Aktuell glaubt nur noch knapp ein Drittel (32 Prozent) der Österreicher, daß die Arbeitsplätze im Land sehr oder eher sicher sind. Im Vergleich dazu waren im Jahr 2023 noch 51 Prozent dieser Ansicht.
Auch der Lebenszufriedenheitsindex zeigt einen anhaltenden Abwärtstrend. Aktuell geben nur 67 Prozent der Österreicher an, mit ihrem Leben sehr oder eher zufrieden zu sein. Anfang 2023 lag dieser Wert noch bei 70 Prozent, im Jahr 2022 bei 76 Prozent und vor zehn Jahren sogar bei 84 Prozent.
Verhaltener Konsum und steigende Sparneigung
In Bezug auf ihre persönliche finanzielle Lage erwarten die österreichischen Konsumenten für 2025 eher Stabilität. Gut die Hälfte (52 Prozent) rechnet damit, daß sich ihre finanzielle Situation im laufenden Jahr kaum verändern wird. Ein Fünftel (22 Prozent) hofft auf eine Verbesserung, während ein Viertel (25 Prozent) eine Verschlechterung befürchtet.
Die Konsumbereitschaft bleibt verhalten. Nur 22 Prozent der Befragten halten den aktuellen Zeitpunkt für günstigere größere Anschaffungen. Auch die Aufnahme von Krediten wird skeptisch gesehen: 58 Prozent sind der Ansicht, daß dies derzeit ein schlechter Zeitpunkt dafür ist. Im Vergleich zu 2023 ist die Sparneigung in der Bevölkerung deutlich gestiegen (44 Prozent gegenüber 35 Prozent).
Der Champagner-Index 2025 zeichnet somit ein differenziertes Bild der wirtschaftlichen Stimmung in Österreich. Während die Unternehmen trotz der trüben Gesamtaussichten auf ihre eigene Stärke vertrauen, belasten steigende Lebenshaltungskosten und Sorgen um die Arbeitsplatzsicherheit die Konsumenten. Die im Vergleich deutlich optimistischere Einschätzung in der Schweiz unterstreicht die spezifischen Herausforderungen, vor denen die österreichische Wirtschaft derzeit steht.