Die indische Fluggesellschaft Air India hat die Regierung Indiens aufgefordert, die Leasing- und Codeshare-Partnerschaft zwischen der Billigfluggesellschaft IndiGo Airlines und Turkish Airlines zu beenden.
Als Gründe hierfür werden sowohl wirtschaftliche Bedenken als auch Fragen der nationalen Sicherheit angeführt, die sich aus der als pro-pakistanisch wahrgenommenen Außenpolitik der Türkei ergeben sollen. Dies berichtete Reuters unter Berufung auf ein nicht öffentlich gemachtes Schreiben. Air India selbst wies die Darstellung zurück und lehnte eine Stellungnahme zu den Geschäftsmodellen von Wettbewerbern ab.
Air India beanstandet Wet-Lease von Großraumflugzeugen
Konkret soll sich Air India gegen die Verlängerung der Genehmigung für IndiGo ausgesprochen haben, geleaste Boeing 777-300ER von Turkish Airlines über Ende Mai 2025 hinaus zu betreiben. IndiGo nutzt derzeit zwei Großraumflugzeuge des türkischen Partners im Rahmen sogenannter Wet-Lease-Vereinbarungen, bei denen das Flugzeug inklusive Besatzung gemietet wird.
In Indien können solche Genehmigungen jeweils nur für maximal sechs Monate erteilt werden, und IndiGo muß halbjährlich eine Verlängerung beantragen. Ein entsprechender Antrag auf Verlängerung der am 31. Mai auslaufenden Genehmigung wurde von IndiGo bereits gestellt, aber von der Regierung noch nicht genehmigt.
IndiGo verteidigt Partnerschaft als Vorteil für Reisende und Wirtschaft
IndiGo verteidigte die Leasing- und Codeshare-Vereinbarung mit Turkish Airlines in einer Stellungnahme. Die Fluggesellschaft betonte, daß diese Anordnung vielfältige Vorteile für indische Reisende und die Wirtschaft des Landes biete.
Die zusätzliche Langstreckenkapazität habe die Verfügbarkeit von Sitzplätzen für indische Passagiere zu angemessenen Flugpreisen ermöglicht, und dies zu einer Zeit, in der die internationalen Langstreckenflugpreise aufgrund der Auswirkungen der Covid-Pandemie erheblich gestiegen seien. Weiterhin erklärte IndiGo, daß die Kooperation mit Turkish Airlines es der Fluggesellschaft erlaube, Langstreckenmärkte zu erkunden und die Grundlage für die zukünftige Eigenständigkeit im Langstreckengeschäft zu legen, mit den bestellten vierzig A321-200NY(XLR) und dreißig A350-900 Flugzeugen.
Angespannte Beziehungen zwischen Indien und der Türkei
Die Beziehungen zwischen Indien und der Türkei haben sich merklich verschlechtert, nachdem der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan eine Reihe von Erklärungen abgegeben hatte, in denen er seine Unterstützung für Pakistan nach der jüngsten Eskalation in Kaschmir zum Ausdruck brachte.
Dies führte in Indien zu Aufrufen zum Boykott türkischer Unternehmen und Produkte. Am 15. Mai entzog das indische Bureau of Civil Aviation Security (BCAS) der türkischen Bodenabfertigungsfirma Celebi, die an neun indischen Flughäfen tätig ist, darunter die Drehkreuze Delhi und Mumbai, die Sicherheitsfreigabe. Celebi hat daraufhin die indische Regierung wegen dieser Entscheidung verklagt.
IndiGo profitiert von Entspannung in Kaschmir
Ungeachtet der Kontroverse um die türkische Partnerschaft konnte IndiGo auch positive Entwicklungen vermelden. Die Fluggesellschaft gab bekannt, daß der Waffenstillstand in Kaschmir und die anschließende Wiedereröffnung des Luftraums über Nordindien und dem von Indien kontrollierten Teil Kaschmirs es ihr ermöglicht hätten, zuvor aufgrund des Konflikts ausgesetzte Strecken nach Almaty und Taschkent wieder aufzunehmen.
Dies zeigt, daß geopolitische Entwicklungen unmittelbare Auswirkungen auf den Flugbetrieb haben können. Die nun geforderte Beendigung der Kooperation mit Turkish Airlines durch Air India fügt dieser komplexen Gemengelage eine weitere Ebene hinzu. Es bleibt abzuwarten, wie die indische Regierung auf die Forderung reagieren wird und welche Konsequenzen dies für die Zusammenarbeit zwischen IndiGo und Turkish Airlines haben wird.