Russland beabsichtigt, die für seine zivilen Flugzeugprogramme vorgesehenen Mittel um fast ein Viertel zu reduzieren. Dies geht aus Berichten russischer Medien hervor. Entsprechende Änderungen des Föderalen Budgets, sollten sie genehmigt werden, würden die Subventionen für den Erwerb und die Wartung von in Rußland hergestellten Flugzeugen und Hubschraubern von 101,2 Milliarden Rubel (etwa 1 Milliarde US-Dollar) auf 78,8 Milliarden Rubel (etwa 788 Millionen US-Dollar) senken, was einem Rückgang von 22 Prozent entspricht.
Es wird erwartet, daß Flugzeugleasinggesellschaften und Fluglinien zu den ersten gehören werden, die von diesen Budgetkürzungen betroffen sein werden. Allerdings haben Branchenkenner, die von der russischen Wirtschaftszeitung „Kommersant“ zitiert werden, die Auswirkungen dieser Maßnahme auf die Industrie heruntergespielt. Sie argumentieren, daß russische Flugzeugprogramme, insbesondere das Mittelstreckenflugzeug MC-21, ohnehin hinter dem Zeitplan zurückliegen. Daher würden kurzfristig praktisch keine Flugzeuge von den Kürzungen betroffen sein.
Rostec hält an Lieferplänen für MC-21 und SJ-100 fest
Der staatliche Luft- und Raumfahrt- sowie Rüstungskonzern Rostec, der sowohl den MC-21 als auch den SJ-100 (die modernisierte Version des Regionaljets Superjet) produziert, bekräftigte, daß er an seinen Plänen festhält, mit den Auslieferungen beider Flugzeugtypen bis zum Jahr 2026 zu beginnen.
Eine andere Frage ist jedoch, wie sich dies auf die Investitionsentscheidungen von Leasinggesellschaften auswirken wird, die längere Zeiträume berücksichtigen müssen. Zu den Zielen dieser Kürzungen gehören auch Subventionen, die es Leasinggesellschaften ermöglichten, die Zinskosten für Kredite zur Finanzierung von Flugzeugkäufen zu senken. Im gegenwärtigen Umfeld hoher Zinssätze in Rußland könnten die Auswirkungen auf die Branche durchaus bedeutend sein.
Die nun geplanten Budgeteinschnitte im zivilen Luftfahrtsektor erfolgen inmitten von Berichten über Produktionsverzögerungen und finanziellen Schwierigkeiten in anderen Wirtschaftsbereichen Rußlands, die teilweise auf westliche Sanktionen und sinkende Einnahmen aus dem Öl- und Gassektor zurückzuführen sind. Während einige Beobachter die kurzfristigen Auswirkungen der Kürzungen als gering einschätzen, da die Produktion ohnehin hinterherhinkt, bleibt abzuwarten, wie sich die reduzierten Subventionen langfristig auf die Modernisierung der russischen Flugzeugflotte und die Investitionsbereitschaft der Leasinggeber auswirken werden.