Airbus A320 (Foto: Jan Gruber).
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Kostenlawine bei GTLK-Europe-Liquidation

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Die Abwicklung der russischen Flugzeugleasinggesellschaften GTLK Europe und GTLK Europe Capital entwickelt sich zu einem kostspieligen Unterfangen, dessen Ende noch nicht abzusehen ist. Laut Berichten der irischen Zeitung „Irish Independent“ haben die Liquidatoren, Damien Murran und Julian Moroney von Teneo Restructuring Ireland, in den letzten zwei Jahren bereits Honorare in Höhe von 41,5 Millionen Euro (47,6 Millionen US-Dollar) kassiert. Es wird erwartet, daß sie noch Dutzende Millionen weitere erhalten werden, bevor ihre Arbeit abgeschlossen ist.

Dieses Liquidationsverfahren, das als das größte in der Geschichte Irlands gilt, ist nicht nur aufgrund seines Umfangs, sondern auch wegen der komplexen internationalen Verflechtungen und der hohen Kosten von großem Interesse.

Ein Liquidationsverfahren von beispiellosem Ausmaß

Die Ernennung von Damien Murran und Julian Moroney zu gemeinsamen Liquidatoren für GTLK Europe DAC und GTLK Europe Capital DAC erfolgte im Mai 2023 durch den irischen High Court. Beide Gesellschaften waren letztendlich im Besitz der russischen GTLK – State Transport Leasing. Die finanziellen Schwierigkeiten der GTLK-Einheiten entstanden, nachdem westliche Nationen Sanktionen gegen bestimmte russische Unternehmen und Einzelpersonen als Reaktion auf die Invasion der Ukraine verhängten. Mit eingefrorenen Bankkonten und der Unfähigkeit, Rechnungen zu bezahlen, sahen sich die Gläubiger gezwungen, gegen die GTLK-Einheiten vorzugehen, da die Unternehmen ihren Geschäftsbetrieb nicht mehr aufrechterhalten konnten.

Die nun vorliegenden Berichte, basierend auf jüngsten Einreichungen bei Gericht, zeigen eine beeindruckende Honorarentwicklung für die Liquidatoren. Teneo Restructuring Ireland kassierte 14,3 Millionen Euro (16,4 Millionen US-Dollar) in den sechs Monaten bis zum 31. Mai 2025 und weitere 15,7 Millionen Euro (18 Millionen US-Dollar) im vorhergehenden Sechsmonatszeitraum. Dies summiert sich auf insgesamt 41,5 Millionen Euro in lediglich zwei Jahren. Die Gerichtsunterlagen deuten darauf hin, daß die Liquidation voraussichtlich noch zweieinhalb Jahre in Anspruch nehmen wird, was weitere beträchtliche Kosten nach sich ziehen dürfte. Die Dauer und Komplexität des Verfahrens spiegeln sich in diesen Zahlen wider und werfen Fragen nach der Effizienz solcher großangelegten Abwicklungen auf.

Explodierende Kosten und globale Verflechtungen

Neben den erheblichen Honoraren der Liquidatoren sind auch diverse andere Kosten im Zusammenhang mit der Abwicklung der beiden russischen Staatsflugzeugleasinggesellschaften angefallen. Dazu gehören internationale Rechtskosten in Höhe von 27,6 Millionen Euro (31,7 Millionen US-Dollar), Kosten für die Realisierung von Vermögenswerten in Höhe von 3 Millionen Euro (3,4 Millionen US-Dollar) sowie Parkgebühren für Flugzeuge von 860.000 Euro (986.000 US-Dollar). Diese Zahlen verdeutlichen den immensen finanziellen Aufwand, der mit der Auflösung eines global agierenden Unternehmenskomplexes verbunden ist.

Die Abwicklung der GTLK-Einheiten ist ein Unterfangen von beispiellosem Ausmaß in Irland. Sie umfaßt siebzig Tochtergesellschaften, die rund um den Globus angesiedelt sind. Die Schulden belaufen sich auf ungefähr 167 Millionen Euro (191,5 Millionen US-Dollar), während die zu verwaltenden Vermögenswerte etwa siebzig Flugzeuge und neunzehn Seeschiffe umfassen, deren Wert auf rund 4 Milliarden Euro (4,6 Milliarden US-Dollar) geschätzt wird. Diese Zahlen machen deutlich, warum die Liquidation als die größte Irlands bisher gilt und welch enorme Komplexität sie mit sich bringt. Die Verteilung der Tochtergesellschaften über verschiedene Gerichtsbarkeiten hinweg erschwert die Vermögensrückgewinnung und erhöht die Rechts- und Verwaltungskosten erheblich.

Asset-Recovery und rechtliche Auseinandersetzungen

Seit ihrer Ernennung haben die Liquidatoren proaktiv Maßnahmen zur Veräußerung einiger Flugzeuge ergriffen. Dazu gehören fünf Flugzeuge des Typs Airbus A220-300 und vier Airbus A319-100. Diese Verkäufe sind entscheidend, um die Gläubiger zu befriedigen und die Vermögenswerte zu monetarisieren. Die Auswahl der zu verkaufenden Flugzeuge dürfte strategisch erfolgen, um maximale Erträge zu erzielen und gleichzeitig die Komplexität der Veräußerung zu berücksichtigen.

Darüber hinaus haben Murran und Moroney, wo notwendig, rechtliche Schritte eingeleitet, um bestehende Leasingverpflichtungen durchzusetzen. Ein prominentes Beispiel hierfür ist die Klage gegen Qatar Airways (QR, Doha Hamad International) wegen unbezahlter Leasingraten für Airbus A330-Flugzeuge. Solche Klagen sind oft ein notwendiges Übel in Liquidationsverfahren, um Vermögenswerte zurückzugewinnen und die Interessen der Gläubiger zu wahren. Die Einziehung von Forderungen in einem internationalen Kontext, insbesondere wenn es um komplexe Leasingverträge geht, ist jedoch zeitaufwendig und teuer. Die Liquidatoren haben seit ihrer Ernennung rund 276 Millionen Euro (317 Millionen US-Dollar) zurückgewonnen, halten jedoch den Großteil davon als Barvermögen. Sie geben an, daß auf der Ebene der Tochtergesellschaften noch wesentlich mehr Vermögenswerte zurückzugewinnen sind. Die multijurisdiktionelle Natur der Insolvenz macht diesen Prozeß jedoch äußerst komplex und kostspielig. Die Herausforderung besteht darin, Vermögenswerte in verschiedenen Ländern zu identifizieren, zu sichern und zu verwerten, wobei unterschiedliche Rechtssysteme und Vorschriften beachtet werden müssen. Dies erfordert ein hohes Maß an Fachwissen und internationaler Zusammenarbeit, was die hohen Honorare der Liquidatoren und die sonstigen Kosten des Verfahrens zumindest teilweise erklären mag. Die weitere Entwicklung dieser monumentalen Liquidation wird von der Luftfahrt- und Finanzwelt genau beobachtet werden, da sie Präzedenzfälle für künftige, durch geopolitische Ereignisse ausgelöste Insolvenzen schaffen könnte.

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