Belgien wird auch in dieser Woche in Teilen durch landesweite Streiks gegen die Reformvorhaben der Regierung gelähmt. Besonders gravierend sind die Auswirkungen auf den Luftverkehr: Der Flughafen Brüssel muß wegen einer angekündigten Streikbeteiligung des Sicherheitspersonals am 25. Juni 2025 sämtliche Abflüge streichen.
Bei der Lufthansa-Tochter Brussels Airlines wächst angesichts der wiederkehrenden Arbeitskampfmaßnahmen der Unmut, da die Fluggesellschaft bereits Millionenschäden durch die Proteste zu verzeichnen hat und weitere erhebliche Verluste erwartet. Dieser erneute Streik fällt zudem auf den Beginn der Sommerferien in Flandern, was für Zehntausende von Passagieren Reisechaos bedeutet.
Anhaltende Proteste gegen Reformpläne der Regierung
Seit Monaten kommt es in ganz Belgien zu landesweiten Streiks, mit denen die Gewerkschaften ihren Protest gegen die Reformpläne der Regierung auf die Straße tragen. Die genauen Inhalte der Reformen können vielfältig sein, oft geht es jedoch um Themen wie Rentenreformen, Lohnanpassungen, Arbeitsbedingungen oder Änderungen im öffentlichen Dienst. Die belgische Gewerkschaftslandschaft ist traditionell stark und gut organisiert, was die Mobilisierung für solche landesweiten Aktionen erleichtert. Die anhaltenden Streiks verdeutlichen die tiefgreifenden Spannungen zwischen den Sozialpartnern und der Regierung, die sich in verschiedenen Sektoren der Wirtschaft bemerkbar machen.
Der kommende Streiktag am 25. Juni wird erneut den Luftverkehr hart treffen, mit weitreichenden Konsequenzen für Reisende und Fluggesellschaften. Der Flughafen Brüssel, als wichtigstes internationales Drehkreuz Belgiens, sieht sich gezwungen, alle Abflüge für diesen Tag abzusagen. Dies ist eine direkte Folge der Streikbeteiligung des Sicherheitspersonals. Ohne ausreichendes Sicherheitspersonal kann der Flughafenbetrieb nicht gemäß den internationalen Vorschriften aufrechterhalten werden, was die vollständige Einstellung der Abflüge unumgänglich macht. Die Schließung eines so wichtigen Flughafens hat nicht nur Auswirkungen auf die direkten Flüge, sondern auch auf das gesamte europäische Flugnetz, da viele Verbindungen über Brüssel laufen.
Brussels Airlines am Limit: Millionenschäden ohne eigenen Streik
Bei Brussels Airlines, einer Tochtergesellschaft der deutschen Lufthansa, wächst das Unverständnis über die anhaltenden landesweiten Proteste, die die Airline direkt treffen, obwohl ihre eigenen Mitarbeiter bisher nicht gestreikt haben. Airlinechefin Dorothea von Boxberg äußerte ihren Frust deutlich: „Die landesweiten Proteste haben uns bereits acht Millionen Euro gekostet, obwohl bisher keiner unserer Mitarbeiter gestreikt hat.“ Diese Aussage verdeutlicht die absurde Situation, in der sich die Fluggesellschaft befindet: Sie leidet massiv unter den Streiks anderer Sektoren, ohne selbst direkt im Arbeitskampf involviert zu sein. Die Kosten entstehen durch Flugausfälle, Umbuchungen, Entschädigungen für Passagiere und zusätzliche operative Aufwendungen, die durch die Störungen am Flughafen verursacht werden.
Die finanzielle Belastung für Brussels Airlines wird sich durch den kommenden Streiktag voraussichtlich noch weiter verschärfen. Da der 25. Juni auf den Beginn der Sommerferien in Flandern fällt, rechnet die Fluggesellschaft mit zusätzlichen Verlusten von vier Millionen Euro durch die Flugausfälle. Der Beginn der Sommerferien ist für Fluggesellschaften eine der wichtigsten und umsatzstärksten Perioden des Jahres. Flugausfälle in dieser Zeit führen zu maximalen Einnahmeverlusten und maximalem Ärger bei den Passagieren, die oft lange im Voraus gebucht haben und nun ihre Urlaubsreisen nicht antreten können. Die Gesamtbelastung für Brussels Airlines durch die Streiks könnte sich somit auf weit über zwölf Millionen Euro summieren – eine erhebliche Summe für eine Fluggesellschaft.
Passagierchaos und die unkalkulierbaren Folgen
Die Auswirkungen der vorausgegangenen Streikaktionen am Brüsseler Flughafen sind bereits jetzt erheblich: Zwischen Januar und April haben sie nach Angaben des Flughafens die Reisepläne von 180.000 Passagieren durchkreuzt. Für den 25. Juni hatte sich der Flughafen Brüssel eigentlich auf die Abfertigung von rund 75.000 Passagieren eingestellt. Diese Zahl verdeutlicht das immense Ausmaß des bevorstehenden Reisechaos. Tausende von Menschen werden ihren Flug nicht antreten können, was zu Frustration, finanziellen Einbußen für die Reisenden und einem Vertrauensverlust in die Zuverlässigkeit des belgischen Luftverkehrssystems führen kann.
Die wiederkehrenden Streiks in Belgien untergraben nicht nur die Wirtschaftlichkeit von Unternehmen wie Brussels Airlines, sondern schädigen auch den Ruf Belgiens als zuverlässiger Standort für den internationalen Handel und Reiseverkehr. Investitionen und Touristen könnten zukünftig andere Ziele bevorzugen, wenn die Unsicherheit bezüglich der Infrastruktur und der Betriebsabläufe zu groß wird. Solche wiederholten Störungen senden ein negatives Signal an die internationale Geschäftswelt und die Tourismusbranche.
Es bleibt abzuwarten, wie lange die belgische Regierung und die Gewerkschaften brauchen werden, um eine Einigung über die Reformpläne zu erzielen. Bis dahin scheinen die Fluggesellschaften und die Passagiere in Belgien Geiseln eines tiefgreifenden Arbeitskonflikts zu sein, der weit über die unmittelbaren Interessen der streikenden Sektoren hinausgeht und weitreichende Folgen für die Wirtschaft und die Gesellschaft des Landes hat. Die Belastungen für die Luftfahrtbranche in Europa, die sich gerade erst von den Auswirkungen der Pandemie erholt, sind durch solche unvorhersehbaren und wiederkehrenden Streiks eine zusätzliche schwere Bürde.