Im europäischen Luftverkehr zeichnet sich eine wachsende Tendenz zur Erschließung neuer Märkte ab, insbesondere im Bereich der direkten Verbindungen zu Hauptstädten des ehemaligen Jugoslawien. Drei prominente europäische Flughäfen – Köln, Porto und Riga – haben jüngst ihr Interesse bekundet, Flugverbindungen zu verschiedenen Metropolen dieser Region aufzunehmen.
Diese strategische Ausrichtung basiert auf der Erkenntnis einer wachsenden Passagiernachfrage und zunehmender Reiseströme in und aus diesen Gebieten. Die Initiative dieser Flughäfen spiegelt einen breiteren Trend in der Luftfahrtbranche wider, ungenutztes Potenzial zu identifizieren und die Konnektivität innerhalb Europas zu verbessern, insbesondere in Regionen mit starker Diaspora oder wachsendem Tourismus.
Kölns Blick auf den Balkan: Belgrade und Skopje im Fokus
Der Flughafen Köln/Bonn verfolgt aktiv das Ziel, Flugverbindungen zu den Hauptstädten Belgrad und Skopje zu etablieren. Die Verbindung nach Belgrad, der Hauptstadt Serbiens, wurde zuletzt im Januar 2024 von Air Serbia eingestellt, nach weniger als einem Jahr Betriebszeit. Zuvor hatte bereits Wizz Air im Jahre 2023 diese Route kurzzeitig als Ersatz für ihren Dortmund-Dienst bedient, bedingt durch Wartungsarbeiten an der Start- und Landebahn in Dortmund. Historisch gesehen war die Strecke zwischen Köln und Belgrad schon länger bedient worden: Germanwings, heute Eurowings, unterhielt die Verbindung zwischen 2006 und 2012 für sechs Jahre. Trotz dieser wechselhaften Geschichte zählt Köln derzeit zu den verkehrsreichsten unbedienten Routen von Belgrad in Europa, was das Potential für eine erfolgreiche Wiederaufnahme des Dienstes unterstreicht. Air Serbia bedient Köln weiterhin von Niš aus, was auf eine gewisse Nachfrage aus der Region hindeutet.
Auf der anderen Seite hofft Köln auch auf eine Wiederherstellung der Flüge nach Skopje, der Hauptstadt Nordmazedoniens. Diese Verbindung wurde von Wizz Air im Oktober letzten Jahres eingestellt, nachdem sie über ein Jahrzehnt, seit April 2014, unterhalten worden war. Das lange Bestehen dieser Route deutet auf eine etablierte Nachfrage hin, die nun unbedient ist. Der Verlust dieser Direktverbindung hat sowohl für Geschäftsreisende als auch für Touristen und Personen mit familiären Bindungen in der Region eine Lücke hinterlassen. Die Bemühungen des Flughafens Köln/Bonn, diese wichtigen Verbindungen wieder aufzunehmen, sind Teil einer Strategie, die Konnektivität zu Gebieten mit hohem Nachfragepotenzial zu stärken und seine Rolle als wichtiges Drehkreuz im Westen Deutschlands auszubauen.
Porto und die unerreichte Verbindung nach Zagreb
Der Flughafen Porto in Portugal strebt die erstmalige Etablierung von Flügen nach Zagreb, der Hauptstadt Kroatiens, an. Diese beiden Städte waren bisher noch nie durch einen regulären Flugdienst miteinander verbunden, was auf eine ungenutzte Marktnische hindeutet. Kroatien Airlines, die nationale Fluggesellschaft Kroatiens, befindet sich derzeit in einer Phase der Netzwerkerweiterung und hatte ursprünglich geplant, in diesem Sommer Flüge nach Lissabon, der Hauptstadt Portugals, einzuführen. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch daran, daß die Fluggesellschaft keine Slots an dem verkehrsreichen Lissabonner Flughafen erhalten konnte. Obwohl Porto als Alternative in Betracht gezogen werden könnte, hat Kroatien Airlines diese Option bisher nicht gewählt. Erste Slot-Anträge für die kommende Wintersaison zeigen zudem, daß die kroatische Fluggesellschaft bisher keine Slots an beiden portugiesischen Flughäfen, also weder in Lissabon noch in Porto, beantragt hat.
Die fehlende Direktverbindung zwischen Porto und Zagreb könnte sowohl für den wachsenden Tourismus in Kroatien als auch für die Verbindungen zwischen den beiden Ländern von Vorteil sein. Porto, eine dynamische Stadt im Norden Portugals, ist ein beliebtes Reiseziel und ein Tor zur Region. Zagreb hingegen ist ein wichtiges Wirtschafts- und Kulturzentrum in Südosteuropa. Eine direkte Flugverbindung würde den Reiseverkehr erleichtern und möglicherweise neue Geschäfts- und Tourismusmöglichkeiten eröffnen. Das Interesse des Flughafens Porto unterstreicht die Erkenntnis, daß es in Europa noch unerschlossene Streckenpotenziale gibt, die durch gezielte Akquise von Fluggesellschaften realisiert werden können.
Riga und die Lücke nach Zagreb: Potenzial für Billigfluggesellschaften
Auch die lettische Hauptstadt Riga sucht eine direkte Flugverbindung nach Zagreb, obwohl die beiden Städte ebenfalls noch nie durch einen regulären Flugdienst verbunden waren. airBaltic, die nationale Fluggesellschaft Lettlands und eine wichtige Kraft in der regionalen Luftfahrt des Baltikums, hat in jüngster Zeit eine umfassende regionale Expansion durchgeführt. Diese umfaßte die Einführung von Routen nach Ljubljana, Belgrad, Skopje und Pristina, wobei ein Großteil dieser Verbindungen später wieder eingestellt wurde. Obwohl airBaltic im Zuge dieser Expansion keine Direktverbindung nach Zagreb aufnahm, hat die Fluggesellschaft neue Dienste zu den kroatischen Küstenstädten eingeführt, was das allgemeine Interesse an Kroatien als Reiseziel unterstreicht.
Vorläufige Slot-Anträge für die kommende Wintersaison deuten darauf hin, daß bisher keine Fluggesellschaft die Absicht bekundet hat, die Route zwischen Riga und Zagreb zu bedienen. Trotzdem wird das Potenzial für diese Verbindung erkannt. Neben airBaltic und Croatia Airlines wird insbesondere die Billigfluggesellschaft Ryanair, die Basen in beiden Städten unterhält, als ein potenzieller Betreiber der Route angesehen. Ryanair ist bekannt für seine aggressive Expansionsstrategie und die Erschließung neuer Märkte, insbesondere in Osteuropa und auf dem Balkan. Eine solche Verbindung könnte sowohl den Tourismus als auch Geschäftsreisen zwischen den beiden Regionen fördern. Das Fehlen einer direkten Anbindung zwischen zwei europäischen Hauptstädten wie Riga und Zagreb ist eine Lücke im europäischen Streckennetz, die angesichts der wachsenden Reisebereitschaft und der zunehmenden wirtschaftlichen Verflechtungen zunehmend in den Fokus rückt. Die Bemühungen der Flughäfen und die potenzielle Rolle von Billigfluggesellschaften könnten diese Lücke in naher Zukunft schließen.