Die Pariser Luftschau des Jahres 2025 war überschattet von einem tragischen Unfall der Air India, der die Feierlichkeiten dämpfte und Boeing dazu veranlasste, seine Präsenz und seine Pläne deutlich zu reduzieren. Trotz dieser gedrückten Stimmung hielt der Flugzeughersteller eine entscheidende Präsentation über das Innere und die Spezifikationen des Boeing 777X ab, geleitet von Justin Hale, dem Kundenverantwortlichen für 777X und Frachter.
Das Flugzeug, dessen Indienststellung in den letzten zehn Jahren wiederholt verschoben wurde, sieht sich weiterhin mit Skepsis seitens einiger Fluggesellschaften bezüglich des aktuellen Zeitplans konfrontiert. Eine kurze Unterredung mit Herrn Hale am Rande der Präsentation beleuchtete den Status des 777X-Programms und seine Perspektiven für die Zukunft.
Die Positionierung der Boeing 777X im Markt
Justin Hale betonte in seiner Präsentation die einzigartige Positionierung der Boeing 777X in einer sich wandelnden Langstreckenflugzeug-Landschaft. Sie sei dazu prädestiniert, die Lücke zu füllen, welche durch das sukzessive Verschwinden der Boeing 747 und des Airbus A380 entsteht. Insbesondere die Variante -9 des 777X biete mit bis zu 426 Sitzplätzen die höchste Kapazität unter allen derzeitigen Flugzeugen der neuen Generation. Im Vergleich dazu konnten frühere Flugzeuge wie der A380 bis zu 586 Passagiere aufnehmen. Die 777X zielt darauf ab, den Bedarf an Flugzeugen mit hoher Kapazität und langer Reichweite zu decken. Ihr engster Konkurrent in Bezug auf die Kapazität ist der Airbus A350-1000, der bis zu 376 Personen befördern kann. Diese Marktnische ist von entscheidender Bedeutung, da Fluggesellschaften nach effizienteren und kapazitätsstärkeren Alternativen suchen, um ihre wachsenden Passagierzahlen auf Langstrecken zu bewältigen. Die Entwicklung von Flugzeugen, die sowohl große Passagiermengen transportieren als auch lange Distanzen ohne Zwischenlandung zurücklegen können, ist ein zentraler Aspekt der modernen Luftfahrtstrategie.
Herausforderungen und Verzögerungen: Ein Blick hinter die Kulissen
Die Entwicklung des Boeing 777X-Programms war von zahlreichen Herausforderungen und Verzögerungen geprägt, die die Geduld der Kunden auf eine harte Probe stellten. Obwohl die Indienststellung des Flugzeugs mehrfach verschoben wurde, äußerte sich Justin Hale zuversichtlich bezüglich eines Starts im Jahre 2026. Seine Überzeugung speist sich aus täglichen Interaktionen mit dem Entwicklungsprogramm, die ihm eine positive Einschätzung der Fortschritte ermöglichen. Diese Zuversicht steht jedoch im Kontrast zu den Äußerungen einiger Kunden, wie beispielsweise Emirates, die eine Auslieferung erst ab 2027 erwarten. Hale stellte klar, dass Emirates nicht der erste Kunde sein werde, der die 777X erhält, und dass die Positionierung der Fluggesellschaft in der Lieferkette auf deren eigene Wahl zurückzuführen sei. Er betonte die regelmäßigen und transparenten Gespräche, die Boeing mit all seinen Kunden führe, um sie über den Fortschritt der Entwicklung und den Status der Zertifizierungsarbeiten zu informieren. Dies schließt zweiwöchentliche Telefonkonferenzen und fortlaufende individuelle Treffen ein, welche die Kommunikation und das Vertrauen zwischen Hersteller und Fluggesellschaften stärken sollen. Die Geschichte der 777X-Entwicklung ist ein Lehrstück in Bezug auf die Komplexität und die hohen Anforderungen im Bau moderner Großraumflugzeuge, bei denen selbst kleinste technische Hürden weitreichende Auswirkungen auf Zeitpläne und Lieferungen haben können.
Kunden und Auftragsbücher: Wer wartet auf die 777X?
Emirates ist zwar die Fluggesellschaft mit den bei weitem meisten Bestellungen für die 777X, wird aber nicht der Erstkunde sein. Diese Ehre gebührt der Lufthansa, welche 20 Boeing 777-9 und sieben 777-8F bestellt hat. Boeing bestätigte bereits zu Beginn des Jahres in einem Finanzbericht, dass die Lufthansa die erste 777X-Auslieferung erhalten werde. Die Boeing 777X-Familie umfasst drei Varianten: die kleinere -8, die größere -9 sowie eine Frachtversion, die 777-8F. Die 777-9 wird die erste der drei Varianten sein, die in Dienst gestellt wird. Die 777-8F soll im Jahre 2028 folgen, während für die 777-8 noch kein spezifisches Jahr genannt wurde, jedoch nach der Frachtversion erwartet wird.
Die Auftragsbücher der 777X zeigen eine breite Verteilung unter führenden Fluggesellschaften weltweit. Insgesamt wurden über 500 Flugzeuge von 14 Fluggesellschaften bestellt, zuzüglich einiger weiterer, bisher nicht genannter Kunden. Emirates führt die Liste mit 35 Boeing 777-8 und 170 Boeing 777-9 an, was einer Gesamtzahl von 205 Flugzeugen entspricht. Es folgen Qatar Airways mit 90 777-8 und 34 777-9, insgesamt 124 Flugzeuge. Singapore Airlines hat 31 777-9 bestellt, Lufthansa 20 777-9 und 7 777-8F, was 27 Flugzeuge ergibt. Etihad Airways mit 8 777-8 und 17 777-9 (25 Flugzeuge), British Airways mit 24 777-9, Cathay Pacific mit 21 777-9 und Korean Air mit 20 777-9 sind weitere bedeutende Kunden. All Nippon Airways hat 16 777-9 und 2 777-8F bestellt (18 Flugzeuge), während China Airlines 10 777-9 und 4 777-8F bestellt hat (14 Flugzeuge). Frachtfluggesellschaften wie Cargolux (10 777-8F), Ethiopian Airlines (8 777-8F) und Silk Way West Airlines (2 777-8F) tragen ebenfalls zu den Bestellungen bei. Zwölf weitere Flugzeuge sind von nicht genannten Kunden bestellt worden, was die Gesamtbestellzahl auf 551 erhöht. Diese umfangreiche Liste unterstreicht das Vertrauen großer internationaler Fluggesellschaften in die zukünftige Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit der 777X. Die Bestellungen spiegeln auch die strategische Ausrichtung der Fluggesellschaften wider, die ihre Langstreckenflotten mit modernen, effizienten und kapazitätsstarken Flugzeugen erneuern und erweitern wollen.
Der Weg zur Zertifizierung: Technische Fortschritte und Geduld der Kunden
Boeing ist zuversichtlicher bezüglich des Zeitplans für die Indienststellung der -9 Variante, nachdem kürzlich eine Lösung für Probleme mit den Schubstreben gefunden wurde. Das Unternehmen kündigte im Vormonat an, neue, überarbeitete Triebwerksschubstreben einzuführen. Diese sind dafür verantwortlich, den Schub vom Triebwerk auf die Flugzeugstruktur zu übertragen. Zuvor war Boeing gezwungen, die Tests des Flugzeugs auszusetzen, nachdem Risse in den ursprünglichen Schubstreben entdeckt worden waren. Die neu gestalteten Streben sollen keine „Vibrationsreaktion“ mehr aufweisen, wodurch die Möglichkeit von Rissen eliminiert wird. Diese technische Lösung ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur Zertifizierung und letztendlichen Indienststellung des Flugzeugs.
Boeing hofft, dass diese jüngste Behebung des Problems das Unternehmen näher an die Zertifizierung und damit an die Indienststellung bringt. Die Fluggesellschaften, darunter auch Lufthansa, warten gespannt auf die Auslieferungen, da die Verzögerungen sie zwingen, ältere Flugzeuge länger in Betrieb zu halten, die ansonsten bereits ausgemustert worden wären. Die Uhr tickt, und die Geduld der Kunden wird auf die Probe gestellt. Die Entwicklung und Zertifizierung eines neuen Großraumflugzeugs ist ein langwieriger und komplexer Prozess, der höchste Präzision und Sicherheit erfordert. Jede technische Herausforderung, wie die der Schubstreben, kann zu erheblichen Verzögerungen führen, die wiederum weitreichende Auswirkungen auf die Flottenplanung und die Geschäftstätigkeit der Fluggesellschaften haben. Der Erfolg der 777X hängt maßgeblich davon ab, wie schnell und effizient Boeing die verbleibenden Hürden auf dem Weg zur vollständigen Zertifizierung überwinden kann, um die Erwartungen seiner Kunden zu erfüllen.