Die Scandinavian Airlines (SAS) läutet eine neue Phase ihrer Unternehmensentwicklung ein. Am Dienstag verkündete SAS-Chef Anko van der Werff auf einer Pressekonferenz in Kopenhagen eine Flottenerweiterung: Die Fluggesellschaft bestellt bis zu 55 Embraer E-195 E2 Flugzeuge, darunter 45 Festbestellungen und 10 Optionen.
Diese Entscheidung, getroffen im Beisein von Francisco Gomes Neto, Group President und CEO von Embraer, sowie Arjan Meijer, President und CEO für Commercial Aircraft, markiert einen entscheidenden Schritt in der Transformation und Wachstumsstrategie der skandinavischen Airline. Nach einer Phase der Stabilisierung will SAS nun ihr nordisches Netzwerk stärken und die Anbindung zwischen den skandinavischen Hauptstädten und den Sekundärstädten verbessern.
Eine strategische Investition in die Zukunft: Leistung und Effizienz im Fokus
Die Akquisition der Embraer E-195 E2-Flugzeuge stellt für die Scandinavian Airlines eine „kühne Investition in die Zukunft und einen großen Schritt vorwärts in unserer Transformation“ dar, wie Anko van der Werff auf der heutigen Pressekonferenz betonte. Er bezeichnete die E2-Maschinen als eine „nahtlose Ergänzung“ für die bestehende Flotte und das Streckennetz der SAS. Diese Aussage deutet darauf hin, daß die neuen Flugzeuge nicht nur die Kapazität erhöhen, sondern auch operationell und strategisch gut in die langfristigen Pläne der Fluggesellschaft passen.
Zwei Hauptfaktoren waren entscheidend für die Wahl der Embraer E2-Familie: die überzeugende Leistungsfähigkeit und die bemerkenswerte Treibstoffeffizienz der Flugzeuge. In einer Branche, in der Betriebskosten und die Fähigkeit, Routen profitabel zu bedienen, von größter Bedeutung sind, stellen diese Attribute einen erheblichen Vorteil dar. Die E2-Jets sind bekannt für ihre moderne Aerodynamik und fortschrittlichen Triebwerke, welche eine Reduzierung des Verbrauches ermöglichen.
Ein weiterer wichtiger Punkt, den van der Werff hervorhob, ist die Geräuschreduktion der E2-Modelle. Im Vergleiche zu Flugzeugen der vorherigen Generationen können die E2-Jets eine Lärmminderung von bis zu 65 Prozent erzielen. Dieser Aspekt ist insbesondere für Flughäfen von Bedeutung, die wie Kopenhagen sehr nahe an städtischen Ballungsräumen liegen. Geringere Lärmemissionen können zu einer besseren Akzeptanz bei den Anwohnern führen und ermöglichen es der Fluggesellschaft, auch in lärmsensiblen Zeiten oder zu Tageszeiten zu operieren, die mit älteren Flugzeugen problematischer wären. Diese technischen Merkmale tragen dazu bei, die Operationen von SAS nicht nur wirtschaftlicher, sondern auch verträglicher für die betroffenen Gemeinden zu gestalten. Die Fokussierung auf diese Leistungsindikatoren spiegelt die Notwendigkeit wider, im kompetitiven Luftfahrtmarkte bestehen zu können.
Wachstum im Kernnetzwerk: Stärkung der skandinavischen Drehkreuze
Die Bestellung der Embraer E2-Flugzeuge ist ein klares Signal für die Wachstumsambitionen der SAS, insbesondere im skandinavischen Kernmarkt. „Wir müssen das Kopenhagener Drehkreuz (CPH) weiterentwickeln und auch die Märkte von Stockholm (ARN) und Oslo (OSL) erschließen“, erklärte van der Werff. „Die E2s werden uns helfen, in allen drei Ländern zu wachsen und unser skandinavisches Netzwerk zu entwickeln.“ Diese Aussage unterstreicht die strategische Bedeutung der drei skandinavischen Hauptstädte als zentrale Knotenpunkte für die Airline. Kopenhagen, Stockholm und Oslo bilden das Rückgrat des SAS-Netzwerkes und dienen als Tore für internationale und regionale Verbindungen.
Nach einer herausfordernden Periode der Restrukturierung und Stabilisierung, die das Unternehmen nach eigenen Angaben erfolgreich gemeistert hat, sieht sich SAS nun in der Lage, eine Wachstumsphase einzuleiten. Die neuen Flugzeuge sollen hierbei eine Schlüsselrolle spielen. Van der Werff betonte: „Wir mußten zuerst sicherstellen, daß das Unternehmen funktioniert, es stabilisieren. Und jetzt ist es Zeit, in eine Wachstumsphase einzutreten.“ Diese Wachstumsstrategie beschränkt sich nicht nur auf die Ankündigung neuer internationaler Routen, wie der kürzlich bekanntgegebenen Verbindung zwischen Kopenhagen und Mumbai (BOM), sondern zielt auch explizit auf die Stärkung des inner-skandinavischen Flugnetzes ab.
Die E2-Flugzeuge bieten der SAS die notwendige Flexibilität, um eine verbesserte Konnektivität zwischen Sekundärstädten in den nordischen Ländern und den drei Hauptstädten Kopenhagen, Stockholm und Oslo anzubieten. Dies ist ein entscheidender Vorteil, da viele Reisende aus kleineren Städten derzeit möglicherweise Drehkreuze außerhalb Skandinaviens nutzen müssen, um ihre Ziele zu erreichen. Indem SAS diese direkteren und häufigeren Verbindungen anbietet, erwartet die Fluggesellschaft, einen Teil dieses Verkehrs zurückzugewinnen und die Loyalität der nordischen Passagiere zu stärken. Eine verbesserte regionale Anbindung fördert nicht nur den inner-skandinavischen Reiseverkehr, sondern macht die Region auch attraktiver für internationale Besucher, die eine bessere Erreichbarkeit von verschiedenen Zielen in den nordischen Ländern schätzen.
Marktpositionierung und touristisches Potential der nordischen Region
Die Investition in die Embraer E2-Flotte und die damit verbundene Stärkung des skandinavischen Netzwerkes sind eng verknüpft mit dem wachsenden Interesse internationaler Besucher an nordischen Reisezielen. Diese Verkehrsstrome können in beide Richtungen wirken: Während nordische Reisende von besseren Verbindungen zu internationalen Zielen profitieren, zieht die Region selbst zunehmend Aufmerksamkeit von Reisenden aus aller Welt auf sich. Dies gilt insbesondere für den Erlebniss- und Naturtourismus.
Die nordischen Länder haben sich in den letzten Jahren als attraktive Destinationen für Reisende etabliert, die authentische Erlebnisse und einzigartige Landschaften suchen. Van der Werff betonte, daß die nordischen Destinationen genau das bieten, was die Welt derzeit sucht: „Authentizität, einzigartige Orte, ein Gefühl von Weite und auch die Gewißheit über gute Produkte.“ Diese Eigenschaften sind tief in der Kultur und Geographie Skandinaviens verwurzelt und ziehen Reisende an, die abseits der Massen den Reiz der unberührten Natur, die klare Luft und die besondere Atmosphäre der nordischen Länder erleben möchten. Von den Fjorden Norwegens über die Schärenlandschaften Schwedens bis zu den historischen Städten Dänemarks bieten die Destinationen innerhalb des SAS-Netzwerkes eine breite Palette an touristischen Angeboten, die sowohl Erholung als auch Abenteuer versprechen.
Die verbesserte Konnektivität durch die neuen Embraer-Jets wird es SAS ermöglichen, diese touristischen Potentiale noch besser auszuschöpfen. Kleinere Flughäfen in den Regionen können nun effizienter mit den großen Drehkreuzen verbunden werden, was den Zugang zu abgelegeneren, aber touristisch reizvollen Orten erleichtert. Dies unterstützt nicht nur den Tourismus, sondern auch die regionale Wirtschaft in den nordischen Ländern. Die Attraktivität der Region als Ganzes wird durch eine verbesserte Fluganbindung gesteigert, was wiederum die Nachfrage nach Flügen und damit das Wachstumspotential der SAS befeuert.
Ein wichtiger Erfolg für Embraer: Wettbewerb auf dem Regionaljet-Markt
Die heutige Bestellung der bis zu 55 Embraer E-195 E2-Flugzeuge durch SAS stellt einen wichtigen Erfolg für den brasilianischen Flugzeughersteller Embraer dar. Dies ist insbesondere bemerkenswert, da Embraer auf dem Regionaljet-Markt einem intensiven Wettbewerb ausgesetzt ist. Erst kürzlich, während der Pariser Luftfahrtschau 2025, mußte Embraer eine bedeutende Niederlage hinnehmen, als die polnische Fluggesellschaft LOT, einer ihrer großen europäischen Kunden, sich entschied, ihre Regionaljet-Flotte stattdessen mit Flugzeugen des europäischen Konkurrenten Airbus zu erneuern. Dies zeigte die Dynamik und die Herausforderungen im Segment der Regionalflugzeuge, wo Hersteller wie Embraer, Airbus (mit der A220-Familie) und auch ATR (im Propellerbereich) um Marktanteile kämpfen.
Der Gewinn des SAS-Auftrages ist somit nicht nur ein willkommener Zuwachs in den Auftragsbüchern von Embraer, sondern auch eine wichtige Bestätigung für die E2-Familie als wettbewerbsfähiges Produkt. Die E2-Jets, insbesondere die E-195 E2 als größtes Mitglied der Familie, sind für ihre Wirtschaftlichkeit und Leistungsfähigkeit bekannt. Sie werden von Embraer als „Profit Hunter“ vermarktet, was ihre Fähigkeit unterstreichen soll, Routen profitabel zu machen und Betriebskosten zu senken. Die Tatsache, daß SAS die E2s als „seamless fit“ und entscheidend für ihre Wachstumsstrategie betrachtet, spricht für die technische und betriebliche Eignung dieser Flugzeuge für die Anforderungen einer modernen Fluggesellschaft im Regionalverkehr.
Mit SAS wird Embraer den 22. Betreiber der E2-Flugzeugfamilie begrüßen dürfen. Dies zeigt die wachsende Akzeptanz und Verbreitung dieses Flugzeugtyps auf dem globalen Markt. Die Zusammenarbeit mit einer renommierten skandinavischen Fluggesellschaft wie SAS, die für ihre hohen Standards und ihre strategische Bedeutung im nordeuropäischen Luftraum bekannt ist, kann Embraer weitere Türen für zukünftige Aufträge und Partnerschaften öffnen. Der heutige Tag markiert somit nicht nur einen Meilenstein für SAS, sondern auch einen bedeutenden Erfolg für Embraer im anhaltenden Ringen um die Vorherrschaft im Segment der Regionaljets.