Flughafen Barcelona (Foto: Robert Spohr).
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Europäischer Luftverkehr im Mai 2025: Starkes Passagierwachstum mit regionalen Unterschieden

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Der europäische Luftverkehr zeigt im Mai 2025 ein zweigeteiltes Bild: Während das Passagieraufkommen weiter kräftig zulegt und das Vor-Pandemie-Niveau deutlich übertrifft, verzeichnet der Frachtverkehr einen spürbaren Rückgang. Dies geht aus dem jüngsten Luftverkehrsbericht des europäischen Flughafenverbandes ACI Europe hervor, der am heutigen Tage veröffentlicht wurde.

Das Passagierwachstum ist primär dem internationalen Reiseverkehr zuzuschreiben, wobei Flughäfen außerhalb der EU+ Länder eine besonders dynamische Entwicklung zeigen. Innerhalb der Europäischen Union sind es vor allem die osteuropäischen Standorte, die durch hohe Zuwachsraten glänzen, während etablierte Märkte wie Deutschland und Frankreich aufgrund nationaler Luftverkehrssteuern unterdurchschnittlich abschneiden. Die Branche steht weiterhin vor Herausforderungen durch Kapazitätsengpässe bei Fluggesellschaften und im Flugverkehrsmanagement.

Passagieraufkommen: Reisefreude beflügelt internationalen Verkehr

Im Mai 2025 stieg das Passagieraufkommen im gesamten europäischen Flughafennetzwerk um 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Damit liegt das Volumen nun beeindruckende 8 Prozent über dem Niveau des Mai 2019, also vor Ausbruch der Pandemie. Dies unterstreicht die anhaltende Erholung und das Wiedererstarken der Reisefreude der Verbraucher, welche laut ACI Europe den Erlebniskonsum priorisieren.

Das Wachstum war dabei ausschließlich auf den internationalen Passagierverkehr zurückzuführen, der um 4,3 Prozent gegenüber Mai 2024 zulegte. Im Gegensatz dazu verzeichnete der inländische Passagierverkehr einen leichten Rückgang von 0,2 Prozent. Dieser Trend deutet darauf hin, daß die europäischen Bürger vermehrt über die Landesgrenzen hinaus reisen, während Inlandsflüge möglicherweise durch andere Verkehrsmittel, wie die Bahn, stärker konkurrenziert werden oder die Sättigungsgrenze erreicht ist.

Regionale Unterschiede: Osteuropa und Nicht-EU+-Länder als Wachstumsmotoren

Die detaillierte Analyse des ACI Europe Berichts offenbart erhebliche regionale Unterschiede im Passagierwachstum. Flughäfen außerhalb des sogenannten EU+-Marktes – einer Kategorie, die neben den Mitgliedstaaten der Europäischen Union auch Island, Liechtenstein, Norwegen, die Schweiz und das Vereinigte Königreich umfaßt – erzielten im Mai ein überdurchschnittliches Passagierwachstum von 6 Prozent. Dies ist ein Zeichen für die dynamische Entwicklung dieser Regionen und oft auf eine stärkere Öffnung nach der Pandemie, geringere Reisebeschränkungen oder eine aggressivere Expansion von Fluggesellschaften zurückzuführen.

Besonders hervorzuheben sind hier die Zuwachsraten der Flughäfen in Moldawien (+41,9 %), Bosnien und Herzegowina (+30,5 %), Georgien (+23,4 %), Israel (+17,5 %) und Kasachstan (+14,5 %). Diese Länder profitieren oftmals von einer starken Erholung des Tourismus und einer Ausweitung der Flugverbindungen durch internationale Fluggesellschaften, die neue Märkte erschließen. Die Türkei zeigte hingegen eine nachlassende Wachstumsdynamik von +1,8 Prozent, während die Flughäfen in Rußland einen deutlichen Rückgang der Passagierzahlen von 9,2 Prozent verzeichneten. Letzteres ist primär auf die anhaltenden geopolitischen Spannungen und die daraus resultierenden Reisebeschränkungen und Sanktionen zurückzuführen, welche den internationalen Flugverkehr von und nach Rußland erheblich einschränken.

Innerhalb des EU+-Marktes wurde ein Passagierwachstum von 2,9 Prozent registriert. Hier zeigten Flughäfen im östlichen Teil der EU die besten Ergebnisse: die Slowakei (+33 %), Ungarn (+15,3 %), Polen (+13,7 %) und Slowenien (+13,5 %) – sowie Zypern (+10,9 %). Diese Länder profitieren oft von der Attraktivität für den Tourismus, der Expansion von Billigfluggesellschaften und einem Nachholbedarf nach der Pandemie. Demgegenüber verzeichneten Estland (-6,2 %), Luxemburg (-3,6 %), Schweden (-2 %), die Schweiz (-1,4 %) und Norwegen (-0,4 %) rückläufige Zahlen. Die Gründe hierfür können vielfältig sein, von konjunkturellen Schwächen bis hin zu spezifischen Marktbedingungen oder einer verstärkten Konkurrenz durch andere Verkehrsträger.

Unter den größten EU+-Märkten erzielten Italien (+4,4 %) und Spanien (+3,3 %) die besten Ergebnisse, was ihre Rolle als wichtige Tourismusdestinationen unterstreicht. Auch Großbritannien (+1,7 %) zeigte ein positives Wachstum. Auffällig ist jedoch, daß Deutschland (+0,8 %) und Frankreich (+0,7 %) deutlich unterdurchschnittlich abschnitten. Dies ist laut ACI Europe auf die hohen nationalen Luftverkehrssteuern zurückzuführen. Diese Steuern erhöhen die Ticketpreise und können die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen und französischen Flughäfen im Vergleich zu Nachbarländern ohne oder mit geringeren Abgaben beeinträchtigen. Experten warnen seit langem, daß solche Abgaben nicht nur die Reisemotivation dämpfen, sondern auch Fluggesellschaften dazu veranlassen könnten, Routen zu verlagern oder weniger Flüge anzubieten.

Herausforderungen für die Branche: Von Flugzeugmangel bis Strafsteuern

Olivier Jankovec, Generaldirektor von ACI Europe, betonte, daß der Passagierverkehr im Mai stabil geblieben sei, da die Verbraucher weiterhin Reisen und Freizeit priorisieren. Dies sei ein gutes Vorzeichen für die bevorstehende Hochsaison im Sommer. Dennoch wies er auf mehrere Faktoren hin, welche die Leistung vieler Flughäfen weiterhin beeinträchtigen. Dazu gehören der Flugzeugmangel und Wartungsprobleme bei den Fluggesellschaften. Viele Fluggesellschaften stehen vor der Herausforderung, ihre Flotten nach der Pandemie wieder auf volle Kapazität zu bringen, wobei es zu Engpässen bei der Auslieferung neuer Flugzeuge und bei der Verfügbarkeit von Ersatzteilen für die Wartung kommt. Dies führt zu einer geringeren Verfügbarkeit von Flugzeugen und damit zu einer eingeschränkten Kapazität für neue Flüge.

Ein weiterer kritischer Punkt sind Störungen des Flugverkehrsmanagements. Engpässe im europäischen Luftraum, beispielsweiße durch Personalmangel bei der Flugsicherung, Streiks oder technische Probleme, können zu erheblichen Verspätungen und Flugausfällen führen. Die Koordination des immer dichter werdenden Flugverkehrs stellt eine immense Herausforderung dar.

Schließlich belasten auch die bereits erwähnten Strafsteuern (Luftverkehrssteuern) die Flugverbindungen und die Wettbewerbsfähigkeit einiger Länder. Olivier Jankovec hob zudem hervor, daß es abzuwarten bleibe, wie sich Geopolitik und Geoökonomie künftig auf das Verbraucher- und Geschäftsvertrauen auswirken werden. Geopolitische Ereignisse hatten bereits unterschiedliche Auswirkungen auf das Verkehrsaufkommen der Flughäfen – für einige negativ, für einige wenige positiv. Die Geoökonomie habe bisher hauptsächlich den Frachtverkehr beeinträchtigt, nicht aber den Passagierverkehr insgesamt. Dies könnte sich jedoch ändern, wenn sich die globalen Handelsbeziehungen weiter verschieben oder konjunkturelle Schwächen auftreten.

Leistungslücken und Flughafenmarktsegmente: Kleine Flughäfen im Aufwind

Der Bericht von ACI Europe gliedert die Flughäfen in verschiedene Marktsegmente, basierend auf ihrem jährlichen Passagieraufkommen, und zeigt dabei unterschiedliche Wachstumstrends auf.

Die großen Flughäfen (mit über 40 Millionen Passagieren jährlich), darunter die größten Drehkreuze Europas, verzeichneten im Mai weiterhin das langsamste Wachstum mit einem Anstieg des Passagieraufkommens um 2,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Dies liegt oft an ihrer bereits hohen Auslastung und den Kapazitätsgrenzen, die erreicht werden. Die stärksten Leistungen in diesem Segment erzielten Istanbul Sabiha Gökçen (+14,9 %), Rom Fiumicino (+4,1 %), Barcelona (+3,6 %) und München (+3,2 %). London-Heathrow blieb mit 7,2 Millionen Passagieren der verkehrsreichste europäische Flughafen, verzeichnete jedoch nur ein bescheidenes Wachstum von 0,4 Prozent. Ihm folgten Istanbul (+2,6 %) mit 7 Millionen Passagieren und Paris CDG (+1,7 %) mit 6,2 Millionen Passagieren. Diese Drehkreuze kämpfen oft mit Überlastung und müssen ihre Infrastruktur ständig anpassen, um das Wachstum zu bewältigen.

Besonders hervorzuheben ist das Wachstum der kleinen Flughäfen (weniger als 1 Million Passagiere), welche alle anderen Segmente der Flughafenbranche übertrafen und einen Anstieg des Passagieraufkommens um 11 Prozent verzeichneten. Diese Flughäfen profitieren oft von neuen Direktverbindungen, dem Wachstum regionaler Billigfluggesellschaften und der Erschließung neuer Tourismusmärkte. Sie blieben jedoch auch das einzige Segment, dessen Volumen das Niveau vor der Pandemie (Mai 2019) noch nicht wieder erreicht hat (minus 26,7 Prozent). Dies deutet darauf hin, daß viele dieser kleineren Flughäfen während der Pandemie schwer getroffen wurden und noch einen längeren Weg zur vollständigen Erholung vor sich haben.

Größere Regionalflughäfen, die beliebte Tourismusziele bedienen oder auf die Nachfrage nach „Visit Friends and Relatives“ (VFR) angewiesen sind, zeigten im Allgemeinen weiterhin gute Ergebnisse. Dazu gehören beispielsweiße Varna (+40,1 %), Tivat (+21,9 %), Cork (+17,5 %), Breslau (+17 %), Girona (+15,3 %), Funchal (+14,9 %), Cluj (+12,8 %), Split (+11,5 %) und Florenz (+10,5 %). Diese Flughäfen profitieren stark vom individuellen Tourismus und der verstärkten Rückkehr von Besuchern zu Familien und Freunden nach der Pandemie.

Die wichtigsten kontinentalen Low-Cost-Carrier-Basen zeigten im Mai gemischte Ergebnisse, was eine Abweichung von den bisherigen exponentiellen Wachstumstrends nach Covid darstellt: Bergamo (-0,8 %), Beauvais (+3,6 %) und Charleroi (+5,7 %). Dies könnte auf eine Sättigung des Marktes, verstärkten Wettbewerb oder die Verlagerung von Kapazitäten durch die Billigfluggesellschaften hindeuten.

Frachtverkehr im Rückwärtsgang: Geoökonomie als Bremse

Im Gegensatz zum Passagierverkehr zeigte der Frachtverkehr an den europäischen Flughäfen im Mai einen Rückgang von 6,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dabei war der Rückgang in der EU+-Region mit minus 7,6 Prozent deutlich stärker als in den Nicht-EU+-Ländern, die sogar ein leichtes Wachstum von plus 1,1 Prozent verzeichneten. Im Vergleich zum Niveau vor der Pandemie (Mai 2019) lag das Frachtaufkommen bei minus 0,7 Prozent.

Dieser Rückgang im Luftfrachtverkehr spiegelt die Auswirkungen globaler geoökonomischer Entwicklungen wider. Eine nachlassende Weltkonjunktur, Inflationsdruck, hohe Energiekosten und veränderte Konsumgewohnheiten, beispielsweiße eine Verschiebung von Waren zu Dienstleistungen, könnten hier als Ursachen genannt werden. Zudem haben einige Unternehmen ihre Lieferketten diversifiziert oder auf günstigere Transportmittel wie die Seefracht umgestellt, um Kosten zu senken. Der ACI Europe Generaldirektor Olivier Jankovec bestätigt, daß die Geoökonomie bisher hauptsächlich den Frachtverkehr beeinträchtigt hat.

Dennoch gab es auch positive Ausnahmen unter den zehn größten europäischen Flughäfen im Frachtverkehr. Lüttich (+18,1 %), Brüssel (+15,7 %), East Midlands (+9,5 %), London Heathrow (+7,1 %) und Frankfurt (+4,9 %) erzielten die besten Ergebnisse im Vergleich zum Vorjahr. Diese Flughäfen sind oft wichtige Hubs für spezialisierte Fracht oder E-Commerce, welche möglicherweise weniger stark von den allgemeinen Rückgängen betroffen sind.

Die Flugbewegungen insgesamt stiegen im Mai um 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und lagen knapp über dem Niveau vor der Pandemie (Mai 2019) (+0,1 Prozent). Dies deutet darauf hin, daß die Flugzeuge im Durchschnitt besser ausgelastet sind, da das Passagierwachstum stärker war als der Anstieg der Flugbewegungen.

Ein komplexes Bild der Luftfahrtlandschaft

Der aktuelle Luftverkehrsbericht des ACI Europe zeichnet ein komplexes Bild des europäischen Flughafenmarktes im Mai 2025. Das robuste Passagierwachstum, angetrieben vom internationalen Reiseverkehr und einer starken Konsumneigung zu Erlebnissen, ist ein positives Zeichen für die Sommerhochsaison.

Doch die regionalen Unterschiede, die Belastungen durch Kapazitätsengpässe bei Fluggesellschaften, Störungen im Flugverkehrsmanagement und nationale Luftverkehrssteuern zeigen, daß die Erholung des Sektors noch fragil ist. Der deutliche Rückgang im Frachtverkehr ist ein weiterer Indikator für die Herausforderungen, denen sich die Branche durch globale geoökonomische Verschiebungen gegenübersieht. Die europäischen Flughäfen müssen weiterhin flexibel auf diese Dynamiken reagieren und ihre Infrastruktur und Dienstleistungen anpassen, um sowohl das Passagierwachstum zu unterstützen als auch die Stabilität des Frachtgeschäfts zu sichern.

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