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Spannungen im Luftverkehr: USA verhängen neue Beschränkungen für Flüge aus Mexiko

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Die Vereinigten Staaten haben am 19. Juli 2025 neue und umfassende Beschränkungen für Flüge aus Mexiko angekündigt, was die Spannungen zwischen den beiden Ländern in der Luftfahrtpolitik weiter verschärft. US-Beamte begründen diesen Schritt mit der Behauptung, die von der mexikanischen Regierung auferlegten Richtlinien verstießen gegen bestehende Handelsabkommen und benachteiligten US-amerikanische Fluggesellschaften in unfairer Weise.

Die Maßnahmen, die im Oktober 2025 in Kraft treten, beinhalten die Pflicht für alle mexikanischen Fluggesellschaften, ihre Flugpläne zur Genehmigung durch die US-Regierung einzureichen. Diese Eskalation betrifft auch das etablierte Joint Venture zwischen Delta Air Lines und Aeromexico und droht, die Konnektivität und die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Handelspartnern zu beeinträchtigen.

Hintergrund der Eskalation: Streit über mexikanische Luftfahrtpolitik

Der Kern der aktuellen Auseinandersetzung liegt in den jüngsten Entscheidungen der mexikanischen Regierung bezüglich der Verwaltung ihres Luftraums und ihrer Flughäfen. Insbesondere die kontroverse Entscheidung, Flüge vom überlasteten Benito Juarez International Airport (MEX) in Mexiko-Stadt zum weiter entfernten Felipe Angeles International Airport (NLU) zu verlagern, der etwa 50 Kilometer entfernt liegt, hat in den Vereinigten Staaten für große Besorgnis gesorgt. US-Beamte argumentieren, daß diese Entscheidung nicht nur gegen bilaterale Abkommen verstoße, sondern auch mexikanische Fluggesellschaften begünstige und somit den fairen Wettbewerb verzerre.

Das Problem mit dem neuen Flughafen Felipe Angeles (NLU) geht über die bloße Distanz hinaus. Viele Fluggesellschaften und Passagiere äußerten Bedenken hinsichtlich der Infrastruktur, der Erreichbarkeit und der allgemeinen Effizienz des neuen Flughafens im Vergleich zum etablierten Benito Juarez International Airport, der als zentrales Drehkreuz für Flüge nach und von Mexiko dient. Eine erzwungene Verlagerung von Flügen bedeutet für Fluggesellschaften und deren Passagiere zusätzliche logistische Herausforderungen, längere Reisezeiten und möglicherweise höhere Betriebskosten.

Das US-Verkehrsministerium kritisierte in seiner formellen Anordnung an Delta Air Lines auch das mexikanische System zur Zuteilung von Start- und Landerechten (Slots) als „Mangel an Transparenz und Konsistenz“ an den Flughäfen des Landes. Ein kohärentes und faires Slot-Zuteilungssystem ist entscheidend für den reibungslosen Betrieb und den fairen Wettbewerb im Luftverkehr. Die USA befürchten, daß die undurchsichtigen Praktiken Mexikos die langfristige Wettbewerbsfähigkeit im wichtigen US-Mexiko-Markt untergraben könnten. Die Anordnung des Ministeriums warnte explizit davor, daß Mexikos Politik „neuen Marktteilnehmern, bestehenden Wettbewerbern, Passagieren und Unternehmen, die auf zeitkritische Luftfracht zwischen den beiden Ländern angewiesen sind,“ schade. Dies zeigt, daß die Bedenken über die Auswirkungen der mexikanischen Politik weit über die großen Fluggesellschaften hinausgehen und auch Frachtunternehmen und die gesamte Handelsbeziehung betreffen.

Die neuen US-Beschränkungen: Eine Warnung an Mexiko

Als Reaktion auf diese perceiveden Vertragsbrüche hat die US-Regierung unter der Trump-Administration harte Maßnahmen ergriffen. In einer am 19. Juli 2025 veröffentlichten Erklärung kündigte US-Verkehrsminister Sean Duffy an, daß unter der neuen Anordnung alle mexikanischen Fluggesellschaften – einschließlich Passagier-, Fracht- und Charterbetreiber – zukünftig verpflichtet sein werden, ihre Flugpläne für US-Regierungszwecke zur Genehmigung einzureichen.

Diese Beschränkungen werden im Oktober 2025 in Kraft treten und so lange bestehen bleiben, bis die Vereinigten Staaten feststellen, daß die mexikanischen Behörden amerikanische Fluggesellschaften fair behandeln. Dies ist eine direkte Maßnahme, um Druck auf Mexiko auszuüben und eine Änderung der Luftfahrtpolitik zu erzwingen. Sean Duffy, der auch eine klare politische Botschaft sendete, kritisierte die frühere Administration scharf: „Joe Biden und Pete Buttigieg haben Mexiko bewußt erlaubt, unser bilaterales Luftfahrtabkommen zu brechen.9 Das endet heute.“ Er schloß mit einer deutlichen Warnung: „Diese Maßnahmen sollen jedem Land als Warnung dienen, das glaubt, es könne die USA, unsere Fluggesellschaften und unseren Markt ausnutzen.“

Die Rhetorik des Verkehrsministers deutet auf eine aggressive Haltung der US-Regierung hin, die bereit ist, ihre wirtschaftliche und politische Macht einzusetzen, um ihre Interessen durchzusetzen. Die Forderung nach Genehmigung der Flugpläne ist eine signifikante Einschränkung der Souveränität mexikanischer Fluggesellschaften und ein massiver bürokratischer Aufwand, der ihren Betrieb zwischen den beiden Ländern erheblich erschweren könnte. Solche Maßnahmen können auch als Präzedenzfall für andere Länder dienen, die möglicherweise ähnliche bilaterale Luftverkehrsabkommen mit den USA haben.

Auswirkungen auf das Joint Venture Delta Air Lines und Aeromexico

Ein besonders kritischer Aspekt der neuen US-Anordnung ist ihre Auswirkung auf das Joint Venture zwischen Delta Air Lines und Aeromexico. Diese Vereinbarung, die im Jahre 2016 ins Leben gerufen wurde, hat es den beiden Fluggesellschaften ermöglicht, Flugpläne zu koordinieren und Einnahmen auf Routen zwischen den USA und Mexiko zu teilen. Solche Joint Ventures sind in der Luftfahrtindustrie üblich und dienen dazu, Effizienzen zu schaffen, die Konnektivität zu verbessern und Passagieren ein nahtloses Reiseerlebnis zu bieten. Sie ermöglichen es den Partnern, über das hinauszuwachsen, was eine einzelne Fluggesellschaft allein erreichen könnte.

Das US-Verkehrsministerium hat nun eine vorläufige Anordnung erlassen, um „angemessene Korrekturmaßnahmen“ in Bezug auf dieses Joint Venture zu ergreifen. Die genauen Implikationen dieser „Korrekturmaßnahmen“ sind noch unklar, könnten aber eine erhebliche Einschränkung der Kooperation oder sogar deren Aufhebung bedeuten. Dies hätte weitreichende Konsequenzen für beide Fluggesellschaften und die Passagiere, die von diesen Verbindungen profitiert haben.

Delta Air Lines hat die Entscheidung des Verkehrsministeriums scharf kritisiert und sie als „beispiellos“ bezeichnet. Die Fluggesellschaft warnte vor negativen Auswirkungen auf Verbraucher und Unternehmen gleichermaßen. Delta betonte, daß das Joint Venture die Einführung von 15 neuen Routen zwischen den USA und Mexiko ermöglicht und die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Nationen maßgeblich unterstützt habe. In einer Stellungnahme erklärte Delta: „Delta ist zutiefst enttäuscht über die vorläufige Entscheidung des US-Verkehrsministeriums. Mexiko ist der zweitgrößte Handelspartner unseres Landes, und das Delta/Aeromexico Joint Cooperation Agreement hat eine entscheidende Rolle bei der Verbindung von Gemeinschaften und Unternehmen in beiden Ländern gespielt.“ Delta kündigte an, „alle notwendigen Schritte zu unternehmen, um die Millionen von Verbrauchern zu schützen“, die von der Partnerschaft profitiert haben, und versprach, weiterhin Zugang und wirtschaftliche Vorteile im grenzüberschreitenden Markt zu gewährleisten.

Weder Aeromexico noch die mexikanische Regierung haben bisher eine formelle Antwort auf die neue US-Anordnung veröffentlicht, was auf eine Phase der internen Beratung und Bewertung der möglichen Reaktionen hindeutet.

Die breiteren Implikationen für die US-mexikanischen Beziehungen

Diese jüngste Eskalation im Luftfahrtsektor ist nicht nur ein Streit über Flugrechte und Flughafeninfrastruktur, sondern spiegelt auch breitere Spannungen in den Beziehungen zwischen den USA und Mexiko wider. Handelsbeziehungen, Grenzmanagement und die Zusammenarbeit in verschiedenen Politikbereichen sind immer wieder Gegenstand von Diskussionen und manchmal auch von Auseinandersetzungen zwischen den beiden Nachbarn.

Das Vorgehen der USA kann als Versuch gesehen werden, Mexiko unter Druck zu setzen, seine Politik in einer Weise zu ändern, die den amerikanischen Interessen entspricht. Solche Maßnahmen können jedoch auch zu Vergeltungsmaßnahmen seitens Mexikos führen, was die wirtschaftlichen Beziehungen weiter belasten könnte. Der Luftverkehr ist ein vitaler Sektor für beide Volkswirtschaften, da er den Handel, den Tourismus und die persönliche Mobilität ermöglicht. Eine Beeinträchtigung der Flugverbindungen kann somit weitreichende Folgen für ganze Branchen haben.

Die bilateralen Luftverkehrsabkommen sind oft das Rückgrat dieser Verbindungen und sollen einen Rahmen für fairen Wettbewerb und reibungslosen Betrieb bieten. Wenn solche Abkommen von einer Seite als verletzt angesehen werden, kann dies das Vertrauen in die internationale Zusammenarbeit untergraben. Die Entwicklung dieses Konflikts wird aufmerksam von anderen Ländern verfolgt, die ähnliche Beziehungen zu den USA pflegen, da sie Aufschlüsse über die zukünftige Handhabung von Handelsstreitigkeiten geben könnte.

Die Verhängung neuer Flugbeschränkungen durch die Trump-Administration gegenüber Mexiko signalisiert eine deutliche Verschärfung der Spannungen in der bilateralen Luftfahrtpolitik. Die Forderung nach Genehmigung von Flugplänen für alle mexikanischen Fluggesellschaften und die vorläufige Anordnung gegen das Joint Venture von Delta Air Lines und Aeromexico sind harte Maßnahmen, die Mexikos Luftfahrtpolitik, insbesondere die Verlagerung von Flügen am Flughafen Mexiko-Stadt, direkt adressieren. Während die US-Regierung eine Verletzung bestehender Handelsabkommen und eine Benachteiligung ihrer Fluggesellschaften beklagt, warnt Delta Air Lines vor negativen Folgen für Passagiere und Wirtschaft. Die ausstehende offizielle Reaktion Mexikos wird entscheidend sein für die weitere Entwicklung dieses Konflikts, der weitreichende Auswirkungen auf die Wirtschaftsbeziehungen und die Reisefreiheit zwischen den beiden Ländern haben könnte.

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