McDonnell Douglas MD-90 (Foto: Aero Icarus).
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Das kurze Kapitel von Hello Airlines: Aufstieg und Fall eines schweizerischen Ferienfliegers

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Die schweizerische Fluggesellschaft Hello, die einst als ambitionierter Ferienflieger den Markt betrat, schrieb ein kurzes, aber ereignisreiches Kapitel in der europäischen Luftfahrtgeschichte. Im Frühjahr 2004 aus den Überresten der insolventen Balair ins Leben gerufen, versprach Hello, den schweizerischen Passagieren kostengünstige und komfortable Reisen zu beliebten Urlaubsdestinationen zu ermöglichen.

Mit einer modernen Flotte von Airbus A320-Flugzeugen und dem Fokus auf Charterflüge schien Hello zunächst vielversprechend positioniert zu sein. Doch trotz anfänglicher Erfolge und einer raschen Expansion sah sich die Airline zunehmend mit einem harten Wettbewerb, operativen Herausforderungen und einer sich wandelnden Marktdynamik konfrontiert. Am 21. Oktober 2012 mußte Hello Airlines den Flugbetrieb abrupt einstellen und Insolvenz anmelden, ein Scheitern, das tiefe Einblicke in die Fallstricke des europäischen Charterfluggeschäfts bietet.

Die Geburt aus der Asche: Firmengeschichte und Gründungsidee

Die Geschichte von Hello Airlines ist untrennbar mit dem Schicksal der schweizerischen Fluggesellschaft Balair verbunden. Balair, eine traditionelle Charterfluggesellschaft und Tochtergesellschaft der Swissair, geriet in den Strudel der Luftfahrtkrise nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und der darauffolgenden Insolvenz der Swissair im Jahre 2002. Als Balair im Jahre 2004 ihren Betrieb einstellte, entstand eine Lücke im schweizerischen Charterflugmarkt.

Diese Lücke sollte die neu gegründete Hello Airlines füllen. Zwar wurde aus Balair dann Belair, die später von Air Berlin übernommen wurde und mit dieser untergegangen ist, jedoch waren die Flotten unterschiedlich. Die Fluggesellschaft wurde im Frühjahr 2004 von Moritz Suter ins Leben gerufen, einem bekannten Namen in der schweizerischen Luftfahrt, der bereits die Crossair erfolgreich aufgebaut hatte. Suters Vision war es, einen effizienten und kundenorientierten Ferienflieger zu etablieren, der die Reisenden aus der Schweiz zuverlässig an ihre Urlaubsziele bringt. Der Name „Hello“ sollte dabei Freundlichkeit und Offenheit signalisieren. Der Hauptsitz der Fluggesellschaft befand sich in Basel, während der operationelle Dreh- und Angelpunkt der Flughafen Zürich war.

Die Gründung erfolgte unter der Dachgesellschaft Hello AG. Das Konzept sah vor, eng mit Reiseveranstaltern zusammenzuarbeiten, um deren Kontingente zu fliegen und somit eine hohe Auslastung der Flugzeuge zu gewährleisten. Man wollte sich auf die beliebtesten Feriendestinationen rund um das Mittelmeer konzentrieren und gleichzeitig ein hohes Maß an Service und Pünktlichkeit bieten. Die anfängliche Euphorie war groß, und viele in der Branche sahen in Hello eine vielversprechende Ergänzung des schweizerischen Luftverkehrs.

Das eingesetzte Fluggerät und die bedienten Strecken

Hello Airlines setzte von Beginn an auf eine homogene Flotte von McDonnell Douglas MD-90 und später für eine eher kurze Zeit auf Airbus A320-Flugzeuge. Diese Wahl war strategisch klug, da der Airbus A320 ein bewährtes, zuverlässiges und vielseitiges Kurz- und Mittelstreckenflugzeug ist, das in der europäischen Luftfahrt weit verbreitet ist. Die Standardisierung der Flotte ermöglichte es Hello, Wartungskosten zu senken, die Ersatzteilhaltung zu vereinfachen und das Personal effizient zu schulen. Die Flugzeuge boten in der Regel Platz für etwa 170 bis 180 Passagiere, je nach Kabinenkonfiguration. Im Laufe ihrer Existenz betrieb Hello Airlines bis zu fünf Flugzeuge dieses Typs.

Die bedienten Strecken und Flughäfen von Hello Airlines konzentrierten sich primär auf die klassischen Urlaubsregionen im Mittelmeerraum und in Nordafrika. Von ihrem Hauptdrehkreuz am Flughafen Zürich (ZRH) aus bot Hello Flüge zu beliebten Destinationen wie:

  • Spanien (insbesondere Mallorca, Gran Canaria, Teneriffa, Ibiza)
  • Griechenland (Kreta, Rhodos, Kos)
  • Türkei (Antalya)
  • Ägypten (Hurghada, Scharm asch-Schaich)
  • Tunesien (Djerba)
  • Zypern (Larnaka)

Gelegentlich wurden auch Flüge von anderen schweizerischen Flughäfen wie Basel (BSL) oder Genf (GVA) durchgeführt, um das Einzugsgebiet zu erweitern und Reisenden aus verschiedenen Regionen der Schweiz den Zugang zu ermöglichen. Über die reinen Charterflüge für Reiseveranstalter hinaus bot Hello Airlines auch einen begrenzten Teil ihrer Kapazitäten im Direktvertrieb an, um zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen und die Auslastung zu optimieren. Der Fokus lag jedoch stets auf dem Chartergeschäft, das als stabiler angesehen wurde.

Airbus A320 (Foto: Andre Wadman).

Besonderheiten und Alleinstellungsmerkmale

Hello Airlines versuchte, sich in einem umkämpften Markt durch einige Besonderheiten abzuheben. Obwohl sie als Ferienflieger primär auf Charterflüge setzte, legte sie Wert auf ein gewisses Maß an Service, das über das bloße Transportieren von A nach B hinausging. Man wollte sich nicht als reiner Billigflieger positionieren, sondern als eine Fluggesellschaft, die ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und ein angenehmeres Reiseerlebnis bietet. Dazu gehörte unter anderem:

  • Schweizer Qualität: Als schweizerische Airline versuchte Hello, das Image von Präzision, Zuverlässigkeit und hoher Servicequalität, das mit der Schweiz verbunden ist, auf den Flugbetrieb zu übertragen. Dies sollte sich in Pünktlichkeit, Sauberkeit der Flugzeuge und freundlichem Kabinenpersonal widerspiegeln.
  • Fokus auf Reiseveranstalter: Die enge Zusammenarbeit mit großen schweizerischen und deutschen Reiseveranstaltern wie TUI und Hotelplan war eine Kernstrategie. Dies garantierte eine Grundauslastung der Flüge und minimierte das Risiko leerer Sitze.
  • Moderne Flotte: Die Entscheidung für den Airbus A320 und die Pflege einer relativ jungen Flotte sollte nicht nur die Betriebskosten niedrig halten, sondern auch ein Gefühl von Sicherheit und Komfort vermitteln.
  • Persönlicher Touch: Trotz des Chartergeschäfts versuchte Hello, eine persönlichere Atmosphäre zu schaffen, was sich im Slogan „Hello – we treat you well“ widerspiegelte.

Im Vergleich zu einigen der reinen Billigfluggesellschaften, die sich auf das absolute Minimum beschränkten, bot Hello oft kostenfreie Verpflegung an Bord oder zumindest die Option, Mahlzeiten und Getränke zu moderaten Preisen zu erwerben. Man wollte nicht nur den Preis, sondern auch den Service als Wettbewerbsvorteil nutzen. Diese Strategie war jedoch eine Gratwanderung in einem Segment, das zunehmend von Preiskämpfen dominiert wurde.

Das Scheitern: Wann und unter welchen Umständen die Airline aufgelöst werden mußte

Der anfängliche Optimismus und die strategischen Ansätze von Hello Airlines konnten das Unternehmen auf Dauer nicht vor den Widrigkeiten des Luftverkehrsmarktes schützen. Die Airline mußte ihren Flugbetrieb abrupt am 21. Oktober 2012 einstellen und Insolvenz anmelden. Die Umstände, die zu diesem dramatischen Ende führten, waren vielfältig und spiegeln die Herausforderungen wider, denen sich viele mittelgroße Charterfluggesellschaften in Europa zu dieser Zeit gegenübersahen.

Mehrere Faktoren trugen zum Scheitern von Hello Airlines bei:

  1. Harter Wettbewerb und Preiskampf: Der europäische Luftfahrtmarkt wurde in den 2000er Jahren zunehmend von aggressiven Billigfluggesellschaften wie Ryanair, easyJet und später auch der deutschen Germanwings dominiert. Diese Airlines setzten auf extreme Kostensenkung, Direktvertrieb über das Internet und oft auch auf sekundäre Flughäfen. Hello, mit ihrem Hybridmodell aus Charter und limitiertem Direktvertrieb, geriet in einen Preiskampf, dem sie auf Dauer nicht standhalten konnte. Die Gewinnmargen im Chartergeschäft waren ohnehin gering, und jeder Preiskampf zehrte an der Substanz.
  2. Abhängigkeit von Reiseveranstaltern: Obwohl die Zusammenarbeit mit Reiseveranstaltern eine Grundauslastung sicherte, machte sie Hello auch stark abhängig von deren Buchungsverhalten und Konditionen. Wenn Reiseveranstalter aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten oder einer geringeren Nachfrage weniger Kapazitäten buchten oder Druck auf die Preise ausübten, wirkte sich das unmittelbar auf die Einnahmen von Hello aus. Die langfristigen Verträge mit Reiseveranstaltern konnten zudem in einem sich schnell wandelnden Markt auch eine Belastung darstellen, da sie wenig Flexibilität erlaubten.
  3. Wirtschaftliche Schwäche im Euro-Raum: Die globale Finanzkrise ab 2008 und die darauffolgende Euro-Krise hatten auch Auswirkungen auf die Reisebranche. Die Kaufkraft der Konsumenten, insbesondere in Südeuropa, sank, und die Bereitschaft, Geld für Reisen auszugeben, ließ nach. Dies führte zu einer geringeren Nachfrage nach Pauschalreisen und somit auch nach Charterflügen.
  4. Operative Schwierigkeiten und technische Probleme: Es gab Berichte über wiederholte technische Probleme und Verspätungen, die das Vertrauen der Kunden und Reiseveranstalter untergruben. Obwohl die Flotte modern war, können auch kleinere Defekte zu großen Störungen im Flugplan führen, insbesondere bei einer relativ kleinen Flotte, bei der Ausfälle schwerer zu kompensieren sind. Solche Störungen führten zu zusätzlichen Kosten und Entschädigungszahlungen, die das Unternehmen weiter belasteten.
  5. Finanzielle Engpässe: Trotz verschiedener Versuche, frisches Kapital zu generieren, gelang es Hello Airlines nicht, ihre Finanzlage ausreichend zu stabilisieren. Die operativen Verluste summierten sich, und die Liquidität wurde zu einem kritischen Problem. Am Ende waren die finanziellen Reserven aufgebraucht.

Die Entscheidung zur Einstellung des Betriebs erfolgte sehr abrupt. Passagiere, die bereits Flüge gebucht hatten, standen vor dem Nichts. Das Unternehmen war nicht in der Lage, die Gehälter seiner Mitarbeiter weiter zu zahlen, und die Flugzeuge blieben am Boden. Die Insolvenz von Hello Airlines war ein herber Schlag für die schweizerische Luftfahrt und zeigte einmal mehr die Brutalität des Wettbewerbs in dieser Branche.

Fehler aus heutiger Sicht

Aus heutiger Sicht lassen sich einige Fehler identifizieren, die Hello Airlines zum Verhängnis wurden:

  1. Unklare Positionierung im Markt: Hello versuchte ein Hybridmodell zwischen Charter und einem gewissen Servicelevel zu fahren. In einem Markt, der sich immer stärker in „reine Billigflieger“ und „Full-Service-Airlines“ aufteilte, war diese Zwischenposition schwierig zu halten. Die Billigfluggesellschaften waren in ihren Kostenstrukturen radikaler, während die Full-Service-Airlines ein umfassenderes Produkt anboten. Hello fand sich oft im Niemandsland wieder, wo sie weder die extrem niedrigen Preise der Billigkonkurrenz bieten konnte, noch den Premium-Service der etablierten Carrier.
  2. Unzureichende Skalierung und Kapitalausstattung: Mit einer Flotte von maximal fünf Flugzeugen war Hello zu klein, um die Vorteile von Skaleneffekten voll auszuschöpfen, die große Airlines genießen. Gleichzeitig reichte die Kapitalausstattung nicht aus, um längere Durststrecken oder unvorhergesehene operative Schwierigkeiten zu überbrücken. In der Luftfahrt ist eine robuste Finanzbasis entscheidend, um den hohen Investitionsbedarf und die Empfindlichkeit gegenüber externen Schocks (wie Wirtschaftskrisen oder Ölpreisschwankungen) zu bewältigen.
  3. Späte Reaktion auf Marktveränderungen: Die Airline reagierte offenbar zu langsam auf die fortschreitende Erosion der Gewinnmargen im Chartergeschäft und den Aufstieg des Direktvertriebs über das Internet. Die Abhängigkeit von Reiseveranstaltern blieb zu hoch, anstatt verstärkt eigene Vertriebskanäle aufzubauen und sich direkter an Endkunden zu richten.
  4. Operative Mängel: Häufige Verspätungen und technische Probleme, auch wenn sie manchmal außerhalb der direkten Kontrolle der Airline lagen, schadeten dem Ruf und der Zuverlässigkeit. In einer Branche, in der Pünktlichkeit und Sicherheit oberste Priorität haben, sind solche Probleme fatal.
  5. Mangelnde Flexibilität: Die oft starren Charterverträge und das Geschäftsmodell machten es schwierig, schnell auf veränderte Marktbedingungen zu reagieren. Die Fähigkeit, kurzfristig Kapazitäten anzupassen oder neue, lukrative Nischen zu besetzen, war eingeschränkt.

Das Scheitern von Hello Airlines ist ein Lehrstück in der modernen Luftfahrt. Es zeigt, daß selbst mit einer soliden Idee, erfahrenen Köpels und einer modernen Flotte der Erfolg in einem so dynamischen und wettbewerbsintensiven Umfeld nicht garantiert ist, wenn die strategische Ausrichtung nicht kontinuierlich an die sich wandelnden Marktbedingungen angepaßt wird und die finanzielle Robustheit fehlt. Die „Hello“-Ära war kurz, aber prägnant und hinterließ eine Lücke, die schnell von anderen Anbietern gefüllt wurde.

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