Die österreichischen Verkehrsflughäfen verzeichnen im ersten Halbjahr 2025 eine positive Entwicklung des Flugverkehrs. Insgesamt wurden von Jänner bis Juni rund 16,9 Millionen Passagiere an den sechs Verkehrsflughäfen des Landes gezählt, was einem Wachstum von 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Noch deutlicher fiel der Zuwachs im Frachtaufkommen aus, das um 3,0 Prozent auf 181.132 Tonnen anstieg. Diese Zahlen signalisieren eine anhaltende Erholung und Stärkung des Luftverkehrs in Österreich, der als „Rückgrat der Mobilität“ für Tourismus und Wirtschaft gilt. Trotz regionaler Unterschiede blicken die Flughäfen optimistisch auf die bevorstehende Hauptreisesaison und fordern faire Rahmenbedingungen sowie gezielte Investitionen, um diese positive Entwicklung nachhaltig zu sichern.
Positive Bilanz im ersten Halbjahr 2025
Die Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Verkehrsflughäfen (AÖV) hat die aktuellen Verkehrszahlen für das erste Halbjahr 2025 (Jänner bis Juni) veröffentlicht, die ein klares Bild des Aufschwungs zeichnen. Insgesamt passierten 16.858.726 Passagiere die Terminals der sechs österreichischen Verkehrsflughäfen in Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Linz, Salzburg und Wien. Dies entspricht einem Plus von 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Besonders erfreulich ist auch die Entwicklung im Frachtgeschäft. Das Frachtaufkommen stieg im ersten Halbjahr 2025 um 3,0 Prozent auf insgesamt 181.132 Tonnen. Dies ist ein wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Aktivität und die Rolle der Flughäfen als Logistikzentren. Die Flugbewegungen im Linien- und Charterverkehr nahmen ebenfalls zu: Mit 134.066 Starts und Landungen wurde ein Anstieg von 3,3 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2024 verzeichnet.
Mag. Norbert Draskovits, Präsident der AÖV und Geschäftsführer des Linz Airport, kommentierte die Zahlen mit Zuversicht: „Das Passagierwachstum der letzten Jahre setzt sich auch im 1. Halbjahr 2025 fort. Die Urlaubssaison hat sehr erfolgsversprechend begonnen und wir erwarten an allen Flughäfen einen reibungslosen Ablauf mit sehr guten Passagierzahlen für die Sommermonate.“ Diese Einschätzung wird durch die allgemeine Erholung der Tourismusbranche und die wiedererlangte Reiselust der Bevölkerung gestützt.
Regionale Unterschiede: Gewinner und Verlierer des Wachstums
Während die Gesamtzahlen für Österreichs Flughäfen positiv ausfallen, zeigen sich bei einer detaillierten Betrachtung der einzelnen Standorte deutliche Unterschiede in der Passagierentwicklung:
- Flughafen Wien (VIE): Als größter Flughafen des Landes und wichtigstes internationales Drehkreuz Österreichs verzeichnete Wien im ersten Halbjahr 2025 einen Passagieranstieg auf 14.736.470 Reisende, was einem Plus von 2,4 Prozent gegenüber 2024 entspricht. Die Flugbewegungen in Wien stiegen um 3,0 Prozent auf 112.956 Starts und Landungen. Diese Zahlen unterstreichen die Dominanz Wiens im österreichischen Luftverkehr und seine Rolle als Gateway zu Ost- und Südosteuropa sowie im interkontinentalen Verkehr.
- Flughafen Linz (LNZ): Der Linz Airport sticht mit einem außergewöhnlich hohen Wachstum hervor. Das Passagieraufkommen stieg hier um beeindruckende 61,5 Prozent auf 110.678 Passagiere. Auch die Flugbewegungen nahmen stark zu (+47,7% auf 2.254). Dieses phänomenale Wachstum könnte auf neue Flugverbindungen, eine verstärkte Nachfrage nach Urlaubsreisen aus der Region oder eine Konsolidierung von Flugangeboten zurückzuführen sein.
- Flughafen Klagenfurt (KLU): Klagenfurt verbuchte ebenfalls einen bemerkenswerten Zuwachs von 27,8 Prozent auf 78.593 Flugreisende. Die Flugbewegungen erhöhten sich um 22,0 Prozent auf 965 Starts und Landungen. Auch hier deuten die Zahlen auf eine erfolgreiche Entwicklung des Streckennetzes oder eine steigende Attraktivität der Region als Reiseziel hin.
- Flughafen Innsbruck (INN): Innsbruck, bekannt als Tor zu den Alpen, verzeichnete 630.546 Passagiere (+2,1%). Die Flugbewegungen blieben mit 5.121 fast unverändert (-0,2%). Trotz des eher geringen Wachstums bleibt Innsbruck ein wichtiger Flughafen, insbesondere im Wintertourismus und für Charterflüge.
- Flughafen Graz (GRZ): Der Flughafen Graz erlebte im ersten Halbjahr 2025 einen leichten Rückgang des Passagieraufkommens um 1,9 Prozent auf 366.292 Flugreisende. Die Flugbewegungen stiegen jedoch leicht um 3,1 Prozent auf 4.902 Bewegungen. Dies könnte auf eine Verschiebung der Flugangebote oder eine erhöhte Auslastung der bestehenden Flüge hindeuten.
- Flughafen Salzburg (SZG): Salzburg verzeichnete als einziger größerer Flughafen einen Rückgang der Passagierzahlen um 3,6 Prozent auf 936.147. Die Flugbewegungen stiegen leicht um 1,0 Prozent auf 7.868. Trotz des Rückgangs bleibt Salzburg ein bedeutender Flughafen, der vor allem im Winter touristisch stark frequentiert wird. Mögliche Gründe für den Rückgang könnten eine reduzierte Anzahl von Charterflügen oder eine Verlagerung von touristischen Strömen sein.
Diese regionalen Unterschiede zeigen die Dynamik des österreichischen Luftverkehrsmarktes. Während einige Flughäfen von neuen Verbindungen und einer starken Nachfrage profitieren, stehen andere vor der Herausforderung, ihre Position zu behaupten oder neue Wachstumsmöglichkeiten zu erschließen.
Bedeutung der Flughäfen für Tourismus und Wirtschaft
Mag. Julian Jäger, Vizepräsident der AÖV und Vorstand der Flughafen Wien AG, betonte die zentrale Rolle der Flughäfen für das Land: „Der Sommer zeigt: Unsere Flughäfen sind Rückgrat der Mobilität und unverzichtbar für Tourismus und Wirtschaft.“ Diese Aussage wird durch eine kürzlich durchgeführte Befragung untermauert, derzufolge 78 Prozent der Passagiere Bestnoten für Österreichs Flughäfen vergeben und 40 Prozent der Reisenden aus dem Ausland anreisen. Dies verdeutlicht die Attraktivität Österreichs als Reiseziel und die Bedeutung der Flughäfen als erste Anlaufstelle für internationale Besucher.
Die Flughäfen sind nicht nur Tore für Touristen, sondern auch entscheidende Knotenpunkte für die heimische Wirtschaft. Sie ermöglichen Geschäftsreisen, den Export und Import von Gütern (was sich im starken Frachtwachstum widerspiegelt) und schaffen zahlreiche Arbeitsplätze, sowohl direkt an den Flughäfen als auch indirekt in der Tourismus- und Logistikbranche. Eine gut funktionierende Luftverkehrsinfrastruktur ist daher ein Standortfaktor und trägt maßgeblich zur Wettbewerbsfähigkeit Österreichs bei.
Um diese Stärke langfristig zu sichern, formulierte Jäger klare Forderungen: Es brauche „faire Rahmenbedingungen, gezielte Investitionen und eine bessere Anbindung der Regionen.“ Dies umfaßt möglicherweise Investitionen in die Infrastruktur der Flughäfen selbst, wie Terminalerweiterungen oder die Modernisierung von Start- und Landebahnen, aber auch eine verbesserte Anbindung der Flughäfen an das regionale Verkehrsnetz, um die Erreichbarkeit zu optimieren. Faire Rahmenbedingungen könnten sich auf regulatorische Aspekte, Gebührenstrukturen oder die Wettbewerbsfähigkeit im europäischen Kontext beziehen.
Die Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Verkehrsflughäfen (AÖV)
Die AÖV, gegründet im Jahr 1956, ist die Interessensvertretung der sechs Bundesländer-Flughäfen in Österreich. Ihre Mitglieder sind die Flughäfen Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Linz, Salzburg und Wien. Die Arbeitsgemeinschaft dient als Plattform für die Förderung der unternehmensübergreifenden Zusammenarbeit, den regelmäßigen Know-how-Austausch zu betrieblichen Abläufen und die Vertretung gemeinsamer Anliegen bei nationalen und internationalen luftfahrt- und flughafenrelevanten Entscheidungen.
Die AÖV steht dabei in intensivem Austausch mit ihren Schwesterverbänden in Deutschland (ADV – Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen) und der Schweiz (SIAA – Swiss International Airports Association). Diese Zusammenarbeit ermöglicht es den österreichischen Flughäfen, sich auf internationaler Ebene zu vernetzen, bewährte Verfahren auszutauschen und gemeinsame Interessen wirkungsvoll zu vertreten.
Ausblick und Herausforderungen für die zweite Jahreshälfte
Die positive Entwicklung im ersten Halbjahr 2025 gibt Anlaß zu Optimismus für die kommenden Monate. Die Sommermonate sind traditionell die verkehrsreichste Zeit für die meisten europäischen Flughäfen, angetrieben durch den Urlaubsreiseverkehr. Die Erwartung „sehr guter Passagierzahlen“ deutet darauf hin, daß die Branche die positiven Trends fortsetzen kann.
Dennoch stehen die Flughäfen weiterhin vor Herausforderungen. Dazu gehören neben den bereits genannten Forderungen nach Investitionen und fairen Rahmenbedingungen auch operative Aspekte wie die Sicherstellung eines reibungslosen Betriebs bei hoher Auslastung, die Verfügbarkeit von ausreichend Personal und die Anpassung an sich ändernde Reisebedürfnisse und -vorschriften. Die Fähigkeit, flexibel auf Marktentwicklungen zu reagieren und das Angebot an Flugverbindungen kontinuierlich zu optimieren, wird entscheidend sein, um das Wachstum der österreichischen Flughäfen auch in Zukunft zu sichern. Die globalen Lieferketten und die Weltwirtschaft bleiben ebenfalls wichtige Faktoren, die das Frachtaufkommen beeinflussen können.
Österreichs Verkehrsflughäfen haben ein erfolgreiches erstes Halbjahr 2025 hinter sich, geprägt von einem spürbaren Passagierwachstum und einem kräftigen Zuwachs im Frachtgeschäft. Während der Flughafen Wien seine führende Rolle festigte, sorgten Linz und Klagenfurt für beeindruckende Wachstumsraten, während Graz und Salzburg leichte Rückgänge hinnehmen mußten. Diese Dynamik unterstreicht die fundamentale Bedeutung der Flughäfen als Treiber für Tourismus und Wirtschaft. Die Forderungen der AÖV nach gezielten Investitionen und besseren Rahmenbedingungen sind daher entscheidend, um die positive Entwicklung fortzusetzen und die Wettbewerbsfähigkeit des österreichischen Luftverkehrs in einem sich ständig wandelnden globalen Umfeld zu gewährleisten.