Sternenhimmel im Naturpark Sölktäler (Foto: Zoltán Kolláth).
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Die Rückkehr der Sterne: Schladming-Dachstein schafft „Sternenplätze“ gegen das Verschwinden des Nachthimmels

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In einer Welt, in der ein klarer, dunkler Nachthimmel mit sichtbaren Sternen für viele Menschen zur Seltenheit geworden ist, setzt die steirische Tourismusregion Schladming-Dachstein ein innovatives Zeichen.

Während eine internationale Studie eine jährliche Zunahme der Lichtverschmutzung in Europa um etwa sechs Prozent konstatiert, widmet sich der Naturpark Sölktäler diesem Phänomen mit besonderem Engagement. Sechs eigens eingerichtete „Sternenplätze“ sollen Besuchern und Einheimischen gleichermaßen die Möglichkeit bieten, in die faszinierende Welt des nächtlichen Firmaments einzutauchen. Dieses Projekt zielt darauf ab, ein einzigartiges Erlebnis zu schaffen, das die Attraktivität der Region steigert und das Bewußtsein für die Schönheit und Bedeutung eines ungestörten Nachthimmels schärft.

Die zunehmende Helligkeit der Nacht: Eine globale Herausforderung

Die Problematik der Lichtverschmutzung ist ein weltweit wachsendes Anliegen. Der natürliche, dunkle Nachthimmel, der einst überall selbstverständlich war, ist in vielen dicht besiedelten Gebieten, aber auch zunehmend in ländlichen Regionen, nicht mehr zu finden. Künstliche Lichtquellen von Städten, Straßenbeleuchtungen, Industrieanlagen und Werbeflächen strahlen unkontrolliert in den Himmel ab und überlagern das schwache Licht der Sterne. Dies führt dazu, daß immer weniger Himmelskörper mit bloßem Auge sichtbar sind.

Internationale Studien untermauern diese Entwicklung mit beunruhigenden Zahlen. So nimmt die Lichtverschmutzung in Europa jährlich um etwa sechs Prozent zu. Dies bedeutet, daß der Sternenhimmel in immer größeren Gebieten an Leuchtkraft verliert und damit für die menschliche Wahrnehmung verschwindet. Die Folgen sind vielfältig und reichen von der Beeinträchtigung astronomischer Forschung bis hin zu subtilen, aber signifikanten Auswirkungen auf das menschliche Wohlbefinden und die Kultur. Ein klarer Sternenhimmel ist seit jeher eine Quelle der Inspiration, der Orientierung und der Kontemplation. Sein Verschwinden bedeutet einen Verlust an Lebensqualität und einem Stück Naturerbe.

Schladming-Dachstein als Leuchtturm der Nachthimmelbewahrung

Inmitten dieser globalen Entwicklung positioniert sich die Tourismusregion Schladming-Dachstein als Vorreiter in der Bewahrung des natürlichen Nachthimmels. Der Naturpark Sölktäler, ein Gebiet, das noch vergleichsweise gering von Lichtverschmutzung betroffen ist, hat sich dieser Aufgabe mit besonderem Engagement angenommen. Das Projekt der „Sternenplätze“ ist ein zentraler Baustein dieser Initiative.

An sechs ausgewählten Orten in der Region wurden diese einzigartigen Plätze geschaffen, die darauf abzielen, das Erlebnis des Nachthimmels zu maximieren. Jeder dieser Orte bietet eine andere Perspektive auf das Universum und ermöglicht es den Besuchern, Dinge sichtbar zu machen, die im Licht der Städte normalerweise verborgen bleiben. Um das Erlebnis noch zu vertiefen, sind alle Sternenplätze mit astronomischen Karten ausgestattet, die den jeweiligen Nachthimmel zeigen und die Orientierung erleichtern. Ergänzt werden diese durch drehbare Sternenkarten, die es den Besuchern ermöglichen, die Position der Sterne je nach Datum und Uhrzeit nachzuvollziehen.

Gabriele Trinker, Geschäftsführerin des Naturparks Sölktäler, erläutert die Konzeption: „Diese Plätze sollen gezielt zur Sternenbeobachtung genutzt werden, ohne Wildtiere und andere Lebewesen in der Natur zu stören. Unser Ziel ist es, daß Besucherinnen und Besucher an ausgewählten Plätzen den Sternenhimmel erleben können, ohne unkoordiniert im Gelände unterwegs zu sein.“ Dies unterstreicht den verantwortungsvollen Ansatz, der die Beobachtung des Nachthimmels mit dem Schutz der natürlichen Umgebung in Einklang bringt. Die bewußte Lenkung der Besucherströme hilft, empfindliche Ökosysteme zu schützen und Störungen der heimischen Tierwelt zu minimieren.

Sternenplatz in St. Nikolai (Foto: Gerald Grünwald).

Einzigartiges Erlebnis für Gäste und Einheimische

Die Initiative der Sternenplätze wird auch von der regionalen Tourismuswirtschaft begeistert aufgenommen. Mathias Schattleitner, Geschäftsführer der Tourismusregion Schladming-Dachstein, zeigt sich vom Projekt überzeugt: „Die Sternenplätze sind eine echte Bereicherung für unsere Region. Sie bieten ein besonderes Erlebnis für Gäste und Einheimische, das es in der Form in der Großstadt einfach nicht gibt, und so tragen sie dazu bei, die Attraktivität unserer Region noch weiter zu erhöhen.“

Tatsächlich bietet ein ungestörter Blick auf den Nachthimmel ein Erlebnis, das in urbanen Ballungsräumen, wo Millionen von Lichtern den Blick auf die Milchstraße und die meisten Sterne verstellen, kaum noch möglich ist. Für Städter stellt dies oft eine völlig neue und faszinierende Erfahrung dar, die einen starken Kontrast zu ihrem Alltag bildet. Es ist ein Angebot, das Ruhe und Besinnung fördert und die Faszination für das Universum neu entfacht. Dies kann eine wertvolle Ergänzung zum bestehenden touristischen Angebot der Region sein, die bisher vor allem für ihre Wintersportmöglichkeiten und ihre alpinen Landschaften bekannt ist. Das Projekt ermöglicht es der Region, sich als Ganzjahresdestination mit einem breiteren Spektrum an Aktivitäten zu positionieren.

Die Sternenplätze befinden sich an strategisch ausgewählten Orten, die sowohl eine gute Erreichbarkeit als auch eine minimale Lichtverschmutzung gewährleisten. Zu diesen Orten zählen:

  • St. Nikolai beim Mesnerhaus
  • Stein/Enns bei der Rosenkranzkirche
  • Mitterberg beim Pürcherhof
  • Im Ortszentrum von Aich
  • Haus im Ennstal beim Birnberg
  • Ramsau am Dachstein beim Walcherhof

Fachkundige Begleitung und Veranstaltungen zur Vertiefung

Um das Erlebnis der Sternenbeobachtung noch zu vertiefen und den Besuchern fachkundiges Wissen zu vermitteln, werden in Zusammenarbeit mit Experten spezielle Veranstaltungen angeboten. Eine wichtige Rolle spielt dabei Stefan Wallner, einer der führenden Experten zum Thema Lichtverschmutzung in Österreich. Seine Expertise ermöglicht es den Besuchern, unter professioneller Anleitung den Sternenhimmel zu erkunden und mehr über die Phänomene des Universums zu erfahren.

Geplant sind derzeit zwei Termine, die Interessierten die Möglichkeit geben, tiefer in das Thema einzutauchen:

  • 19. September 2025: Im Rahmen der „Langen Nacht der Naturparke“ findet eine Veranstaltung im Schloß Großsölk statt.
  • 04. Dezember 2025: Eine „Himmelsnachtbesichtigung“ wird an der Kirche Stein/Enns angeboten.

Für beide Veranstaltungen ist eine Anmeldung erforderlich, der Eintritt ist jedoch frei. Diese Angebote tragen nicht nur zur Wissensvermittlung bei, sondern fördern auch das Gemeinschaftserlebnis und die Wertschätzung für den natürlichen Nachthimmel. Solche Bildungsangebote sind entscheidend, um das Bewußtsein für die Problematik der Lichtverschmutzung zu schärfen und langfristig Verhaltensänderungen anzustoßen.

Die Bedeutung des dunklen Nachthimmels jenseits der Astronomie

Der natürliche Nachthimmel ist nicht nur für die Astronomie von Bedeutung. Ein ungestörter Wechsel von Tag und Nacht ist auch für viele Lebewesen, einschließlich des Menschen, von fundamentaler Bedeutung. Der Biorhythmus vieler Tiere wird durch den natürlichen Hell-Dunkel-Zyklus gesteuert. Eine zu starke Aufhellung der Nacht kann zu Störungen in der Fortpflanzung, Nahrungssuche und Migration führen. Auch beim Menschen spielt der ungestörte Schlaf-Wach-Rhythmus eine wichtige Rolle für die Gesundheit und das Wohlbefinden.

Darüber hinaus birgt der Schutz des Nachthimmels ein erhebliches touristisches Potenzial. Immer mehr Regionen weltweit erkennen den Wert eines dunklen Himmels und entwickeln Angebote wie „Sternenparks“ oder „Dark Sky Destinations“. Diese ziehen eine spezifische Klientel an, die nach Erlebnissen abseits des Massentourismus sucht und bereit ist, für Authentizität und Ruhe zu reisen. Schladming-Dachstein positioniert sich mit seinen Sternenplätzen in diesem wachsenden Segment und kann damit neue Gästeschichten erschließen.

Die Initiative ist somit ein Beispiel dafür, wie eine Tourismusregion durch die Betonung ihrer natürlichen Gegebenheiten und durch innovative Angebote sowohl ihren Gästen einen Mehrwert bieten als auch einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung eines wertvollen Naturphänomens leisten kann.

Das Projekt der „Sternenplätze“ in der Tourismusregion Schladming-Dachstein stellt eine bemerkenswerte Antwort auf die global zunehmende Lichtverschmutzung dar. Indem es Besuchern und Einheimischen gleichermaßen den Zugang zu einem ungestörten Blick auf den Nachthimmel ermöglicht, schafft es nicht nur ein einzigartiges touristisches Erlebnis, sondern trägt auch zur Bewahrung eines essentiellen Naturphänomens bei. Die Kombination aus zugänglichen Beobachtungsorten, informativen Hilfsmitteln und fachkundig begleiteten Veranstaltungen positioniert Schladming-Dachstein als Vorreiter in der Nachthimmelbewahrung. Dieses Engagement unterstreicht die wachsende Bedeutung des ungestörten Nachthimmels als wertvolle Ressource und als Alleinstellungsmerkmal für Destinationen, die Authentizität und Naturerlebnisse in den Vordergrund stellen.

Übersichtskarte (Foto: Gerald Grünwald).
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