Die Halbjahresbilanz des weltweiten Flugverkehrs im Jahr 2025 offenbart eine besorgniserregende Entwicklung: Fast jeder vierte Passagier war in den ersten sechs Monaten des Jahres von Flugproblemen betroffen. Laut einer Analyse des Fluggastrechtsexperten AirHelp waren weltweit rund 490,3 Millionen Passagiere von Verspätungen oder Ausfällen betroffen.
In Europa lag die Zahl der beeinträchtigten Reisenden bei 80,4 Millionen. Deutschland belegt in diesem globalen Ranking den 26. Platz, wobei insbesondere die Sommermonate eine erhebliche Zunahme an Flugproblemen verzeichneten. Die Auswertung, die die Pünktlichkeit und Ausfallraten an Flughäfen in Europa und weltweit in den ersten sechs Monaten des Jahres 2025 untersuchte, unterstreicht die anhaltende Relevanz von Fluggastrechten und die Herausforderungen, mit denen die Luftfahrtindustrie konfrontiert ist.
Weltweite Störungen: Portugal und Griechenland an der Spitze des Negativ-Rankings
Die Untersuchung von AirHelp, die die Daten der ersten sechs Monate des Jahres 2025 zusammenfaßt, zeigt deutliche Unterschiede in der Pünktlichkeit des Flugverkehrs weltweit. Besonders betroffen waren die Passagiere, die von Flughäfen in Portugal abflogen. Hier waren 33,4 Prozent (5,3 Millionen Passagiere) aller Fluggäste von Flugproblemen betroffen, womit das südeuropäische Land den ersten Platz in diesem Negativ-Ranking belegt. Ein weiteres beliebtes europäisches Reiseziel, Griechenland, rangiert auf dem zweiten Platz mit einer Störungsquote von 31,1 Prozent (4,4 Millionen Passagiere).
Auf den weiteren Plätzen folgen Kanada, Südkorea und Indien, was verdeutlicht, daß Flugprobleme ein globales Phänomen sind, das weit über die Grenzen Europas hinausgeht. Kanada verzeichnete eine Quote von 29,8 Prozent (11,3 Millionen Passagiere) und liegt damit auf dem dritten Platz. Südkorea und Indien folgen mit 29,3 Prozent (8,1 Millionen Fluggäste) bzw. 28,5 Prozent (22,8 Millionen Passagiere) auf den Plätzen vier und fünf. Diese hohen Zahlen verdeutlichen die massiven Herausforderungen, mit denen Fluggesellschaften und Flughafenbetreiber in diesen Regionen konfrontiert sind.
Deutschland taucht in diesem globalen Vergleich auf Platz 26 auf. 22,7 Prozent der Fluggäste (11,1 Millionen Passagiere), die von oder nach Deutschland reisten, waren von Flugproblemen betroffen. Besonders auffällig ist hierbei der Trend: Während die Störungen zu Jahresbeginn noch moderat waren, nahmen sie ab Februar kontinuierlich zu und erreichten im Juni mit 30,7 Prozent ihren Höhepunkt. Bei den Flugausfällen im engeren Sinne rangiert Deutschland mit einer Quote von 1,8 Prozent auf Platz 41, was im internationalen Vergleich als relativ stabil angesehen werden kann, auch wenn dies für die betroffenen Passagiere eine erhebliche Belastung darstellt.
Panama als Spitzenreiter bei der Pünktlichkeit
Im Gegensatz zu den Ländern mit hohen Störungsquoten gibt es auch positive Beispiele, die zeigen, daß ein pünktlicher und reibungsloser Flugverkehr möglich ist. Angeführt wird die Liste der pünktlichsten Länder von Panama. Hier blieben die Fluggäste weitgehend von Problemen verschont, mit einer Störungsquote von nur 12 Prozent (624.900 Fluggäste) im ersten Halbjahr 2025.
Auch Ecuador und El Salvador schneiden in dieser Hinsicht gut ab. In Ecuador lag die Quote bei 12,7 Prozent (367.700 Passagiere), und El Salvador folgt mit ebenfalls 12,7 Prozent (184.300 Reisende). Knapp dahinter liegen Guatemala und Südafrika, wo ebenfalls ein verhältnismäßig pünktlicher Flugverkehr zu verzeichnen war. In Guatemala waren 13,4 Prozent der Passagiere von Störungen betroffen, in Südafrika 14 Prozent. Diese Länder zeigen, daß eine hohe Pünktlichkeit im Flugverkehr erreicht werden kann.
Die Gründe für die hohe Pünktlichkeit in diesen Ländern sind vielfältig. Sie können in einer weniger dichten Luftraumstruktur, einer geringeren Anzahl von Flugbewegungen im Vergleich zu den großen Drehkreuzen und effizienten Abläufen am Boden liegen.
Innereuropäischer Flugverkehr: Ein genauer Blick auf die Region
Betrachtet man ausschließlich die Flüge innerhalb Europas, so verschärft sich das Bild der Störungen. Erneut belegen Portugal und Griechenland die ersten beiden Plätze des Negativ-Rankings. In Portugal war fast jeder dritte Fluggast von Flugproblemen betroffen (32,5 Prozent), in Griechenland lag die Quote bei 31,3 Prozent. Dies verdeutlicht, daß die Probleme nicht nur bei Langstreckenflügen, sondern auch bei der Abwicklung des innerkontinentalen Flugverkehrs bestehen.
Auch die Schweiz reiht sich in die Liste der Länder mit hohem Störungspotenzial ein. Hier lag die Verspätungs- und Ausfallquote bei 26,2 Prozent, was rund 2,5 Millionen Passagieren entspricht, die ihre Reise nicht wie geplant antreten konnten. Die Schweiz, die für ihre Präzision bekannt ist, scheint im Luftverkehr mit ähnlichen Herausforderungen zu kämpfen wie ihre europäischen Nachbarn.
Auf den weiteren Plätzen folgen Malta und die Niederlande mit 25,6 Prozent bzw. 24,9 Prozent. Deutschland schneidet bei den inner-europäischen Flügen mit einer Quote von 20,4 Prozent etwas besser ab als im globalen Vergleich und landet auf Platz 21. Dies deutet darauf hin, daß die Hauptprobleme des deutschen Flugverkehrs nicht nur in den nationalen Abläufen, sondern auch in der Anbindung an die internationalen Drehkreuze und den globalen Flugverkehr liegen.
Entschädigungsansprüche: Millionen Fluggäste haben Anrecht auf Kompensation
Die Analyse von AirHelp widmet sich auch den Ansprüchen auf Entschädigungszahlungen, die den Fluggästen nach der EU-Verordnung 261/2004 zustehen. Weltweit haben im ersten Halbjahr 2025 mehr als 10,5 Millionen Menschen Anspruch auf eine Entschädigung. Dieser Anspruch besteht, wenn eine Verspätung von mehr als drei Stunden oder ein Flugausfall auf das Verschulden der Airline selbst zurückzuführen ist.
Hierbei führt ein Land im Nahen Osten das Negativ-Ranking an: In Saudi-Arabien haben 31,1 Prozent (1,6 Millionen Passagiere) der von Störungen betroffenen Fluggäste Anspruch auf eine Entschädigung. Dies deutet auf eine hohe Rate an internen Problemen bei den dortigen Fluggesellschaften hin. Mit großem Abstand folgt Brasilien mit einer Quote von 14 Prozent, was 1,2 Millionen entschädigungsberechtigten Reisenden entspricht. Auch in Finnland ist ein großer Teil der Verspätungen und Ausfälle auf die Fluggesellschaften zurückzuführen; hier liegt die Quote bei 12,3 Prozent (164.900 Passagiere).
In Deutschland haben im ersten Halbjahr 449.300 Passagiere Anspruch auf Entschädigung, was 4,1 Prozent aller von Flugproblemen betroffenen Fluggäste ausmacht. Diese Zahl, die im Vergleich zu anderen Ländern relativ niedrig ist, könnte darauf hindeuten, daß ein großer Teil der Flugprobleme in Deutschland auf höhere Gewalt oder externe Faktoren, wie beispielsweise Personalmangel bei der Flugsicherung, Streiks oder Wetterereignisse, zurückzuführen ist, für die die Airlines nicht direkt haftbar gemacht werden können.
Julian Navas, Fluggastrechtsexperte bei AirHelp, ordnet die Zahlen ein: „Die Halbjahresbilanz zeigt: Verspätungen und Ausfälle bleiben ein weltweites Problem. Im ersten Halbjahr 2025 war fast jeder vierte Passagier von Verspätungen oder Flugausfällen betroffen. Dies ist nach wie vor für Millionen von Reisenden in Deutschland relevant. Besonders belastend war der Juni: In diesem Monat erreichten die Störungsquoten weltweit mit 32,8 Prozent und in Europa mit 29,2 Prozent ihre bisherigen Höchststände.“
Hintergründe und Ausblick: Der Kampf um Stabilität im Flugverkehr
Die Gründe für die hohe Zahl an Flugstörungen sind vielfältig und komplex. Oftmals spielen eine Kombination aus hohem Passagieraufkommen, Personalmangel bei Fluggesellschaften, an Flughäfen und in der Flugsicherung, sowie die zunehmende Dichte des europäischen Luftraums eine Rolle. Auch technische Probleme, Wetterereignisse und Streiks können zu erheblichen Verspätungen und Ausfällen führen. Die Luftfahrtindustrie hat mit diesen Herausforderungen zu kämpfen und ist bestrebt, die Abläufe zu optimieren.
Für die zweite Jahreshälfte, die traditionell die Hauptreisezeit umfaßt, ist mit einer weiteren Zunahme des Passagieraufkommens zu rechnen. Dies könnte die bestehenden Probleme weiter verschärfen und die Störungsquoten möglicherweise auf einem hohen Niveau halten. Für Passagiere ist es daher von großer Bedeutung, sich über ihre Rechte im Falle von Flugproblemen zu informieren und diese bei Bedarf geltend zu machen. Organisationen wie AirHelp leisten hierbei eine wichtige Aufklärungsarbeit und unterstützen Betroffene bei der Durchsetzung ihrer Ansprüche.
Die Analyse unterstreicht die Notwendigkeit für die Luftfahrtindustrie, in eine robustere Infrastruktur, ausreichend Personal und effizientere Prozesse zu investieren, um das Vertrauen der Passagiere zu stärken und einen reibungsloseren Flugverkehr zu gewährleisten.