Cockpit Cessna 560XL (Foto: FlugKerl2).
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Neuer Akteur am Horizont: Flyvbird startet Charterflüge zwischen deutschen Regionalflughäfen

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Die deutsche Luftfahrtlandschaft bereitet sich auf einen neuen Akteur vor. Die virtuelle Fluggesellschaft Flyv, die von Stuttgart aus operiert, hat bekanntgegeben, daß ihre Charter- und On-demand-Dienste unter der Marke Flyvbird ab dem 1. September 2025 ihren Betrieb aufnehmen werden.

Die Flüge, die eine Verbindung zwischen ausgewählten deutschen Regionalflughäfen schaffen sollen, werden von der deutschen Luftfahrtunternehmen-Inhaberin (AOC-Halterin) Flyellow durchgeführt. Als Fluggerät dient eine dedizierte Cessna Grand Caravan EX. Dieser neue Dienst markiert einen strategischen Schritt, um die Konnektivität in Regionen zu verbessern, die bisher nur unzureichend an das überregionale Flugnetz angebunden sind. Das Geschäftsmodell von Flyvbird, das sich auf die Nutzung kleinerer, dezentraler Flughäfen konzentriert und auf Nachfrage reagiert, könnte eine neue Ära für die Regionalmobilität in Deutschland einläuten.

Ein flexibles Konzept für die Regionalfliegerei

Das Konzept von Flyvbird unterscheidet sich maßgeblich von den traditionellen Linienfluggesellschaften. Es handelt sich um eine sogenannte virtuelle Fluggesellschaft, die keine eigenen Flugzeuge oder Piloten besitzt, sondern auf die Dienstleistungen einer Luftfahrtunternehmen-Inhaberin (AOC-Halterin) zurückgreift. In diesem Fall ist die in Passau ansässige Flyellow der operative Partner, der die Charter- und Bedarfsflüge durchführen wird.

Das Geschäftsmodell von Flyvbird basiert auf dem Prinzip der On-demand-Luftmobilität. Anstatt starre Flugpläne für bestimmte Strecken festzulegen, nutzt das Unternehmen eigene, proprietäre Algorithmen. Diese Algorithmen analysieren die Nachfrage von Passagieren und optimieren die Flugrouten sowie die Kapazitätsauslastung in Echtzeit. Dadurch soll es möglich werden, dezentrale Verkehrsströme zu bündeln und flexibel auf die Bedürfnisse der Reisenden einzugehen. Das Ziel ist es, die Reisezeit im Vergleich zu herkömmlichen Transportmitteln wie Auto oder Bahn erheblich zu verkürzen, indem die oft überfüllten Hauptverkehrswege und großen Flughäfen umgangen werden.

Flyvbird wurde mit der Vision gegründet, Regionen, die bisher schlecht angebunden sind, miteinander zu verbinden. Der Gründer des Unternehmens, Tomislav Lang, der über 23 Jahre Führungserfahrung in der Luftfahrtbranche mitbringt, hat das Modell entwickelt. Er sieht in der Nutzung kleinerer, existierender Flugplätze ein enormes Potenzial. Das Unternehmen plant, sein Netzwerk organisch wachsen zu lassen, basierend auf der Nachfrage der Kunden. Der erste Schritt ist die Verbindung der Regionalflughäfen Friedrichshafen, Mönchengladbach, Münster/Osnabrück und Berlin Strausberg.

Die technische Grundlage: Ein vielseitiges Fluggerät

Für den Start der Flugdienste kommt ein dediziertes Flugzeug des Typs Cessna Grand Caravan EX zum Einsatz, registriert als D-FEIC. Dieses einmotorige Turboprop-Flugzeug ist bekannt für seine Robustheit, Vielseitigkeit und seine Fähigkeit, auf kürzeren Start- und Landebahnen zu operieren. Die Cessna Grand Caravan EX bietet Platz für bis zu neun Passagiere und ist daher ideal für den Einsatz auf regionalen Strecken mit geringerem Passagieraufkommen geeignet.

Die Entscheidung für dieses Flugzeugmodell ist strategisch. Die Cessna Grand Caravan EX zeichnet sich durch hohe Zuverlässigkeit und vergleichsweise geringe Betriebskosten aus. Mit einer Reisegeschwindigkeit von bis zu 343 Stundenkilometern und einer Reichweite von über 1.600 Kilometern ist sie gut geeignet, um die Entfernungen zwischen den ausgewählten Regionalflughäfen zu überbrücken. Die Kabine kann flexibel an die jeweiligen Bedürfnisse angepaßt werden, was sie zu einem idealen Fluggerät für Charter-, Passagier- und sogar Frachtdienste macht. Der Betreiber Flyellow, der ebenfalls mit diesem Flugzeugtyp und einer Pilatus PC-12 NGX operiert, hat bereits Erfahrung mit dem Betrieb solcher Maschinen im Geschäftsflugverkehr.

In Zukunft plant Flyvbird, seine Flotte zu erweitern und weitere Flugzeugtypen zu integrieren. Auch die Möglichkeit, auf elektrische oder hybride Fluggeräte umzusteigen, wird in Betracht gezogen, um die Betriebskosten weiter zu senken. Die Pläne sehen vor, die Flotte schrittweise zu vergrößern, um das Streckennetz in Deutschland und darüber hinaus auszubauen.

Regionale Flughäfen im Fokus: Eine neue Chance für dezentrale Anbindungen

Die Wahl der Startdestinationen Friedrichshafen, Mönchengladbach, Münster/Osnabrück und Berlin Strausberg ist kein Zufall. Diese Regionalflughäfen sind in den letzten Jahren oft von einem Rückgang im Linienflugverkehr betroffen gewesen. Während große Drehkreuze wie Frankfurt, München oder Berlin Brandenburg das Gros des Flugverkehrs abwickeln, suchen die kleineren Flughäfen nach neuen Geschäftsmodellen und Partnern, um ihre Existenz zu sichern. Das Konzept von Flyvbird bietet diesen Flughäfen eine neue Möglichkeit, ihre Infrastruktur zu nutzen und neue Reisende anzuziehen.

Der Flughafen Mönchengladbach, der als erster regelmäßiger Stützpunkt für Flyvbird angekündigt wurde, sieht in dem neuen Konzept eine Chance, die regionale Luftfahrt neu zu beleben. Das Geschäftsmodell von Flyvbird könnte dazu beitragen, die Anbindung der Region Niederrhein zu verbessern und neue Impulse für die lokale Wirtschaft zu setzen. Die dezentralen Flugverbindungen sind besonders für Geschäftsreisende interessant, die schnell und ohne die zeitraubenden Abläufe an großen Flughäfen zwischen den Städten pendeln müssen.

Das langfristige Ziel von Flyvbird ist es, ein weitreichendes Netzwerk aufzubauen, das auch andere Regionen in Europa umfaßt. Der Start in Deutschland dient dabei als Modellversuch, um die Effektivität des On-demand-Konzepts zu beweisen. Sollte sich das Modell als erfolgreich erweisen, könnten weitere Flugzeuge und Routen hinzukommen, um auch andere schlecht angebundene Regionen miteinander zu verbinden. Die Plattform ist, wie die Verantwortlichen betonen, bereit, auch andere Regionen in Europa, wie zum Beispiel Bremen, Kassel, Basel oder Bordeaux, in das Netzwerk zu integrieren.

Ein strategischer Wandel in der regionalen Mobilität

Der Start von Flyvbird im September 2025 ist mehr als nur die Einführung einer neuen Fluglinie. Es ist ein Experiment, das die Zukunft der regionalen Mobilität in Deutschland maßgeblich beeinflussen könnte. Das Konzept, das auf Flexibilität, Technologie und der Nutzung bestehender Infrastrukturen basiert, stellt eine Antwort auf die Herausforderungen des modernen Verkehrs dar. Das Unternehmen positioniert sich als Brücke zwischen den großen Ballungszentren und den dezentralen Regionen.

Mit der partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit Flyellow und dem Einsatz eines bewährten Flugzeugtyps wie der Cessna Grand Caravan EX scheint Flyvbird eine solide Grundlage für den Start geschaffen zu haben. Es bleibt abzuwarten, wie das innovative On-demand-Modell von der Kundschaft angenommen wird und ob es gelingt, die regionalen Märkte nachhaltig zu beleben. Der Erfolg von Flyvbird könnte ein Signal für die gesamte Luftfahrtindustrie sein, daß kleinere, flexiblere Konzepte eine wichtige Rolle in der zukünftigen Verkehrslandschaft spielen werden.

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