Die österreichische Verkehrsbüro-Gruppe, einer der größten Tourismuskonzerne des Landes, leitet eine umfassende strategische Neuausrichtung ihrer Hotelsparte ein. Der Konzern, der bisher vor allem auf die Eigenmarke Austria Trend setzte, verlagert seinen Fokus nun auf die Kooperation mit globalen Hotelgiganten. In den kommenden Jahren sollen die meisten Hotels schrittweise in die Brands internationaler Partner wie Hilton, Marriott und Accor überführt werden.
Dieser Schritt markiert eine Abkehr von der bisherigen Markenpolitik und ist Teil einer ehrgeizigen Expansionsstrategie, die nicht nur auf den Ausbau im Inland, sondern auch auf die Übernahme von Hotels in angrenzenden Nachbarländern zielt. Der Umbau, so der Vorstandsvorsitzende Martin Winkler, sei eine Reaktion auf die dynamischen Marktbedingungen und soll die nachhaltige Weiterentwicklung des gesamten Unternehmens sichern.
Abschied von der Eigenmarke: Hin zu globalen Franchise-Partnern
Bislang betrieb die Verkehrsbüro-Gruppe 21 Hotels unter ihrer Hausmarke Austria Trend. Lediglich drei Häuser, darunter ein Radisson Blu in Salzburg, waren bereits Teil von Franchisevereinbarungen. Diese Strategie ändert sich nun grundlegend. Die Gruppe hat beschlossen, die Zahl der Franchiseverträge mit den drei großen Playern der internationalen Hotellerie – Hilton, Marriott und Accor – zu intensivieren und zu exklusiven Partnern zu machen.
Diese Umflaggung der Hotels, auch als „Rebranding“ bezeichnet, hat bereits begonnen und wird in den nächsten Jahren konsequent fortgesetzt. In Wien, dem größten Hotelleriestandort der Gruppe, sind bereits zwei Hotels als Spark by Hilton am Markt. Ein drittes, das historische Hotel Astoria, wurde nach einer umfassenden Renovierung als Curio by Hilton wiedereröffnet. Die Strategie zielt darauf ab, die Markenbekanntheit und Reichweite der internationalen Partner zu nutzen.
Konkrete Schritte in Wien und darüber hinaus:
- Das traditionsreiche Parkhotel Schönbrunn wird ab Januar 2026 zu einem „Parkhotel Schönbrunn Vienna, a Tribute Portfolio Hotel“ unter der Marke von Marriott.
- Das Hotel Europa Wien soll ab 2027 als „Tribe Vienna City“ unter der Marke von Accor firmieren.
- Das Hotel Rathauspark, das derzeit noch zur Radisson Individuals-Gruppe gehört, soll ab 2028 in die „Handwritten Collection“ von Accor wechseln.
- Fünf weitere Standorte, darunter Häuser in anderen österreichischen Städten, werden künftig unter Marken von Marriott betrieben, wie beispielsweise Four Points Flex by Sheraton oder AC Hotel. Die Marke Four Points Flex by Sheraton feiert mit diesem Schritt sogar ihr Debut in Österreich.
Martin Winkler, der Vorstandsvorsitzende der Verkehrsbüro-Gruppe, erklärte, daß man sich im Wesentlichen auf die drei Partner Accor, Hilton und Marriott konzentrieren wolle. Er betonte, daß der Fokus dabei überwiegend auf sogenannten „Softbrands“ liege, da diese weniger Investitionsausgaben erfordern würden. Diese Marken ermöglichen es, die Identität und das Design der Hotels beizubehalten, während gleichzeitig von den globalen Vertriebs- und Marketingkanälen der Hotelketten profitiert wird. Über die Zukunft der Partnerschaft mit Radisson werde man nachdenken, wobei in größeren Städten, in denen eine höhere Markendichte herrscht, eine Fortführung als sinnvoll erachtet würde.
Wachstumsstrategie im Stadthotel-Segment: Blick über die Grenzen
Der Konzernbereich Hospitality der Verkehrsbüro-Gruppe, der auch Event-Locations, das berühmte Café Central, zwei Campingplätze, ein Hostel und die exklusive Schloss Schönbrunn Grand Suite umfasst, erwirtschaftet etwa ein Drittel des Gesamtumsatzes des Unternehmens. Mit 21 Hotels im Inland und einem in Slowenien zählt die Gruppe zu den größten Hotelbetreibern Österreichs.
Die Expansion soll weitergehen, und zwar gezielt im Segment der Stadthotels mit 100 bis 250 Zimmern, die das Economy- bis Upscale-Segment abdecken. Winkler betonte, daß das Headquarter in Wien ohne weiteres 40 Hotels managen könne, statt der bisher 27 Häuser in der Hotellerie-Sparte. Dies deutet auf eine geplante Verdoppelung der Hotelanzahl hin.
Die Expansionsstrategie sieht nicht nur Wachstum im Inland vor. Winkler zufolge hat die Gruppe ein besonderes Interesse an der Übernahme von Hotels in Deutschland. Insbesondere in angrenzenden Regionen wie Bayern und Baden-Württemberg könnte sich die Gruppe vorstellen, sechs bis zehn Häuser zu akquirieren, idealerweise durch die Übernahme eines kleineren Betreibers. Diese Expansion in den deutschen Markt ist ein strategischer Schritt, um das Geschäftsfeld über die Grenzen der Alpenrepublik hinaus zu vergrößern.
Ein Konzern im Wandel: Herausforderungen und langfristige Ziele
Die Verkehrsbüro-Gruppe, die seit 108 Jahren besteht und über 2.000 Mitarbeiter beschäftigt, ist sich der aktuellen Herausforderungen im Hotelmarkt bewußt. Insbesondere steigende Lohnkosten und die Abhängigkeit von indexierten Pachtverträgen sind wirtschaftliche Belastungen. Dennoch sieht sich das Unternehmen mit seinen 50 Jahren Erfahrung im Hotelbetrieb als stabiler Partner.
Winkler unterstreicht, daß die Fähigkeit, mit ständigen Veränderungen umzugehen, für die nachhaltige Weiterentwicklung des Konzerns entscheidend sei. Die Umstrukturierung der Hotelsparte und die Hinwendung zu internationalen Marken sind ein Beispiel dafür. Der Konzern, dessen Mehrheitsanteile bei einer Privatstiftung liegen und die Versicherungsgruppe Vienna Insurance Group als Miteigentümerin hat, scheint gut aufgestellt zu sein, um diese ambitionierten Pläne umzusetzen. Der Schritt zu einer stärkeren Markenbindung an globale Partner ist ein Versuch, sich in einem immer wettbewerbsintensiveren Markt zu behaupten und die eigene Position zu festigen. Die Entscheidung zeigt, daß auch etablierte Unternehmen in der Tourismusbranche vor grundlegenden Veränderungen nicht zurückschrecken, um ihre Zukunft zu sichern.