United-Airlines-Jet in Parkposition (Foto: Tim Gouw/Unsplash).
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Technisches Versagen bei United Airlines: Hunderte Flüge gestrichen, Tausende Passagiere gestrandet

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Ein weitreichendes technisches Problem hat bei United Airlines zu massiven Störungen im Flugbetrieb geführt. Am 6. August 2025, in den Abendstunden, mußte die Fluggesellschaft den Betrieb ihrer Hauptflotte an wichtigen Drehkreuzen in den Vereinigten Staaten vorübergehend einstellen. Die Folge war ein Kaskadeneffekt, der über 1.000 Flüge verzögerte und Hunderte von Annullierungen verursachte.

Das Unternehmen gab am 7. August bekannt, daß das zugrundeliegende Problem, das mit dem System zur Gewichts- und Balanceberechnung der Flugzeuge zusammenhängt, behoben sei. Dennoch hielten die Nachwirkungen des Ausfalls an und führten auch am nächsten Tag zu weiteren Verzögerungen und Stornierungen. Der Vorfall, der nach Angaben der Fluggesellschaft keine Sicherheitsbedrohung durch einen Cyberangriff darstellte, hat die Abhängigkeit der modernen Luftfahrt von komplexen IT-Systemen einmal mehr drastisch vor Augen geführt.

Ein kritisches System versagt: Die Ursache der Störung

Der Auslöser für das Chaos im Flugbetrieb von United Airlines war ein Fehler im sogenannten „Unimatic“-System, das wichtige Fluginformationen verarbeitet. Diese Daten werden an andere Systeme weitergegeben, die unter anderem die Gewichts- und Balanceberechnungen der Flugzeuge vor dem Start durchführen. Solche Berechnungen sind für die Flugsicherheit von entscheidender Bedeutung, da sie die korrekte Verteilung von Passagieren, Gepäck und Fracht gewährleisten, um das Flugzeug stabil in der Luft zu halten. Ohne die korrekten Daten dürfen Flugzeuge nicht abheben.

Die Störung, die laut United Airlines nicht auf einen Cyberangriff zurückzuführen ist, führte zu einem sogenannten „ground stop“. Das bedeutet, daß die Fluggesellschaft alle Abflüge ihrer Hauptflotte an ihren Drehkreuzen stoppen mußte. Betroffen waren unter anderem der Denver International Airport (DEN), der Newark Liberty International Airport (EWR), der George Bush Intercontinental Airport (IAH) in Houston, der O’Hare International Airport (ORD) in Chicago und der San Francisco International Airport (SFO).

Die Reaktion der Behörden ließ nicht lange auf sich warten. Der US-Verkehrsminister Sean Duffy wurde von United-Chef Scott Kirby über den Vorfall informiert und stellte klar, daß das Problem ausschließlich auf United Airlines beschränkt sei und keinen Bezug zum landesweiten Flugsicherungsnetzwerk habe. Die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA stand in engem Kontakt mit dem Unternehmen und bot ihre volle Unterstützung an, um den Rückstau an Flügen zu bewältigen.

Chaos in den Terminals: Frustration unter den Passagieren

Die Auswirkungen des Systemausfalls waren für Tausende von Passagieren spürbar. Allein am 6. August verzeichnete die Fluggesellschaft nach Angaben der Flugverfolgungswebseite FlightAware 1.086 verspätete und 201 gestrichene Flüge. Die meisten Störungen traten an den großen Drehkreuzen auf:

  • Am Flughafen Denver gab es 303 Verspätungen und 38 Annullierungen.
  • Am Flughafen Newark kam es zu 136 Verspätungen und 19 Annullierungen.

Passagiere, die von den Störungen betroffen waren, äußerten ihren Unmut in den sozialen Medien. Viele berichteten, daß sie stundenlang in den Flugzeugen auf den Rollfeldern ausharren mußten, ohne konkrete Informationen über den weiteren Reiseverlauf zu erhalten. Das Fehlen von klaren Informationen und die Ungewißheit führten zu großer Frustration. Die Fluggesellschaft entschuldigte sich in einer Mitteilung an die betroffenen Reisenden für die Unannehmlichkeiten und bedankte sich für ihre Geduld. In einigen Fällen hat United Airlines zugesagt, die Kosten für Mahlzeiten und Hotels zu übernehmen.

Der Vorfall betraf ausschließlich die Hauptflotte von United Airlines, wozu Flugzeuge wie die Boeing 737, 757, 767, 777 und 787 sowie die Airbus A319 und A320 gehören. Flüge der Regionaltochter United Express waren von dem Ausfall nicht betroffen.

Ein wiederkehrendes Problem: Die Anfälligkeit der Luftfahrt-IT

Der Vorfall bei United Airlines ist kein Einzelfall in der Branche. In den letzten Jahren gab es immer wieder Meldungen über technische Probleme, die den Flugverkehr zum Erliegen brachten.

  • Immer wieder kam es zu Störungen im Flugsicherungssystem der FAA, die kurzfristige Startverbote zur Folge hatten.
  • Auch andere Fluggesellschaften wie Southwest Airlines und Delta Air Lines mußten in der Vergangenheit mit IT-Ausfällen kämpfen, die zu massiven Verspätungen und Annullierungen führten.

Diese Vorfälle zeigen, wie anfällig die gesamte Luftfahrtindustrie für technische Störungen ist. Die IT-Systeme, die im Hintergrund den Betrieb steuern, sind hochkomplex und miteinander vernetzt. Ein Fehler in einem Teilbereich kann eine Kettenreaktion auslösen, die den gesamten Flugplan durcheinander bringt. Die Fluggesellschaften investieren zwar Milliarden in die Modernisierung ihrer IT-Infrastruktur, aber das Risiko von Ausfällen kann nie ganz ausgeschlossen werden.

Der Vorfall bei United Airlines, der eine der größten Fluggesellschaften der Welt lahmlegte, dient als mahnendes Beispiel dafür, wie wichtig die Stabilität und Zuverlässigkeit der IT-Systeme in der Luftfahrt sind. Die Wiederherstellung des Normalbetriebs nach einem solchen Ausfall ist ein langwieriger Prozeß, der auch Tage später noch zu spürbaren Verzögerungen führen kann, wie auch die FAA warnte. Die Fluggesellschaft kämpft nun damit, den entstandenen Rückstau an Flügen abzuarbeiten und das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen.

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