Die Air France-KLM-Gruppe hat ihre Bestellungen für den kommenden Airbus A350F-Frachter deutlich reduziert. Die Fluggesellschaften Air France Cargo und Martinair werden statt der ursprünglich bestellten acht nun nur noch sechs Exemplare des Langstreckenflugzeugs erhalten.
Dieser Schritt, bei dem aus jeweils vier festen Bestellungen nun drei pro Fluggesellschaft wurden, ist eine Reaktion auf die anhaltenden Produktionsverzögerungen seitens Airbus und die Unsicherheit auf dem globalen Fracht- und Logistikmarkt. Die Entscheidung folgt der Stornierung aller sieben A350F-Bestellungen durch den Flugzeugleasinggeber Air Lease Corporation (ALC) und wirft ein Schlaglicht auf die Herausforderungen, denen sich Airbus bei der Einführung seines neuesten Frachters gegenübersieht.
Strategische Neuausrichtung: Kosten und Effizienz im Fokus
Die Entscheidung, die Zahl der bestellten A350F zu reduzieren, sei ein Ergebnis einer internen Flottenüberprüfung, wie die Air France-KLM-Gruppe mitteilte. Die Gruppe begründet den Schritt mit dem Wunsch, zukünftige Investitionsausgaben mit der operativen Effizienz in Einklang zu bringen. Ausschlaggebend war die kürzliche Bestätigung von Airbus, daß der Erstflug des A350F auf mindestens 2027 verschoben wurde – ein Jahr später als ursprünglich geplant und erwartet. Diese Unsicherheit in der Auslieferung erschwert die langfristige Flottenplanung der Airlines.
Die neuen, hochmodernen Frachter waren ursprünglich als Ersatz für die betagten Flotten der Frachttochtergesellschaften vorgesehen.
- Bei Air France Cargo sollten die zwei verbliebenen Boeing 777-200ER-Frachter ausgemustert werden.
- Bei Martinair war geplant, vier ihrer Boeing 747-400F durch die neuen A350F zu ersetzen.
Durch die Reduzierung der Bestellungen und die daraus resultierende längere Nutzung der Bestandsflugzeuge kann die Gruppe die Investitionen strecken und die Flexibilität bewahren. Die Unternehmensleitung erklärte, man beobachte die Lage auf dem globalen Frachtmarkt sehr genau, um den zukünftigen Bedarf an Frachtern zu ermitteln. Die Airlines können die Nachfrage nach Frachtkapazität auch durch die Nutzung der Ladeflächen ihrer Passagierflotte (sogenannte „belly hold capacity“) abdecken und behalten sich die Option vor, die Leasingverträge für ihre aktuellen Frachter zu verlängern, um das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage zu halten.
Ein allgemeiner Trend: Lieferverzögerungen und Unsicherheit im Frachtmarkt
Die Entscheidung der Air France-KLM-Gruppe steht nicht allein. Nur wenige Tage zuvor hatte der weltweit agierende Flugzeugleasingriese Air Lease Corporation (ALC) alle sieben seiner A350F-Bestellungen storniert. In einer Stellungnahme begründete ALC diesen Schritt mit ähnlichen Bedenken: Auslieferungsverzögerungen seitens des Herstellers und wachsende Unsicherheit in der globalen Logistikbranche. Der Markt für große Langstreckenfrachter ist volatil und wird durch die Instabilität der globalen Märkte zusätzlich beeinflußt. Die anhaltenden Zollstreitigkeiten tragen ihren Teil zu dieser Unvorhersehbarkeit bei.
Das A350F-Programm, das Airbus im Jahr 2021 als Antwort auf Boeings erfolgreiche Frachtflugzeuge startete, hatte vor diesen jüngsten Rückschlägen fast 90 feste Bestellungen von mindestens zehn Kunden erhalten. Zu den Abnehmern gehören unter anderem CMA-CGM Air Cargo (der Erstkunde), Cathay Pacific, MNG Airlines und Singapore Airlines. Der größte Kunde ist die von Saudi-Arabien unterstützte Leasingfirma AviLease, die auf der Luftfahrtmesse in Paris im Juli 2025 beeindruckende 22 A350F bestellte. Ebenfalls mit jeweils zehn Bestellungen große Kunden sind Etihad und Starlux.
Auch bei Passagierflugzeugen: Ein Wandel in der Flottenstrategie
Die Reduzierung der A350F-Frachterbestellungen ist nicht die einzige Anpassung in der Flottenstrategie der Air France-KLM-Gruppe. Nur eine Woche zuvor hatte der Konzern bekanntgegeben, seine Bestellungen für Passagierflugzeuge der A350-Familie zu revidieren. Die Gruppe wandelte den Großteil ihrer ausstehenden Bestellungen für die längere Airbus A350-1000-Variante in die kürzere A350-900-Version um.
- Von den elf bestellten A350-1000 wurden acht in die kleinere Variante umgewandelt.
Diese Änderung, die sich in den bei Airbus veröffentlichten Zahlen vom Juli 2025 widerspiegelt, beeinflußt die langfristigen Flottenerneuerungspläne und die Wachstumsstrategien der Gruppe an ihren beiden Hauptdrehkreuzen, dem Flughafen Paris-Charles de Gaulle (CDG) und dem Flughafen Amsterdam-Schiphol (AMS). Die neuen Passagierflugzeuge sind dazu bestimmt, die veralteten Airbus A330 und Boeing 777 in den jeweiligen Flotten zu ersetzen.
Laut Airbus ist diese Tendenz, hin zu den kürzeren Varianten zu wechseln, ein Trend, der sich auch bei anderen Kunden der A350-Familie beobachten läßt. Die Nachfrage nach dem A350-900 bleibt stark, während die A350-1000, die primär für sehr dichte Langstreckenverbindungen konzipiert ist, weniger gefragt ist.
Die jüngsten Entscheidungen der Air France-KLM-Gruppe sind ein deutliches Zeichen für die Herausforderungen, mit denen die Luftfahrtindustrie konfrontiert ist. Lieferschwierigkeiten und eine volatile Marktlage zwingen selbst große Fluggesellschaften zu strategischen Anpassungen, um ihre Rentabilität und Effizienz zu sichern.