Im Frühjahr 2025 ging dem Flugtaxi-Pionier Lilium nach einem zweiten Insolvenzdurchlauf endgültig das Licht aus. Ein ursprünglicher Rettungsversuch durch das Investorenkonsortium „Mobile Uplift Corporation“ war bereits gescheitert. Nun zeigt sich die Ambitious Air Mobility Group (AAMG) als möglicher neuer Interessent – mit großem Kapitalversprechen und umfangreichem Vorhaben.
Lilium, 2015 gegründet, hatte über Jahre hinweg Millionen in die Entwicklung des elektrisch angetriebenen Senkrechtstarters „Lilium Jet“ gepumpt – ohne jedoch jemals ein Serienprodukt auszuliefern. Die Bundesregierung lehnte 2024 eine staatliche Kreditbürgschaft von 50 Millionen Euro ab, woraufhin das Unternehmen im Oktober 2024 Insolvenz anmeldete. Ende Dezember
2024 schien sich eine Rettung abzuzeichnen: Das Konsortium Mobile Uplift Corporation beabsichtigte, die operativen Vermögenswerte der Tochtergesellschaften zu übernehmen und kündigte eine Kapitalunterstützung in Höhe von über 200 Millionen Euro an; zudem sollten etwa 750 von 1 000 entlassenen Mitarbeitenden wieder eingestellt werden. Doch schon im Februar 2025 folgte die zweite Insolvenz: zugesagte Gelder – unter anderem 150 Millionen Euro vom slowakischen Unternehmer Marian Boček – kamen nicht, und der Betrieb wurde eingestellt.
AAMG: Neuer Hoffnungsträger mit hoher Investmentbereitschaft
Anfang August 2025 bekundete die AAMG Interesse an den Überresten von Lilium. Laut eigener Mitteilung verfügt sie über ein Startkapital von etwa 250 Millionen Euro und Zugang zu weiteren 500 Millionen Euro, um die Marke neu zu formen. Die AAMG strebt konkret an:
- Umsetzung einer europäischen Lieferkette zur Unterstützung der Programme
- Erwerb des geistigen Eigentums, der Vermögenswerte und Testeinrichtungen
- Reaktivierung oder Neueinstellung zentraler Technik- und Zertifizierungsteams
- Fortführung der Lilium–Entwicklung und Neuerteilung der Zertifizierung
Im Hintergrund stehen mehrere Firmen: LuxAviation, Sigma Air Mobility (Luxemburg), und die Personalberatung Ambitious Group aus Amsterdam – gemeinsam bilden sie die AAMG. Die zurückliegenden Zusammenhänge mit AAMG datieren bis ins Jahr 2023, als bereits bestellte Flugtaxis im Gespräch waren.
Chancen, offene Fragen, Risiken
Chancen
- Es stünden substanzielle Mittel bereit, um Liliums Technologieplattform weiterzuführen.
- Die Fokussierung auf zentrale Assets wie geistiges Eigentum, Zertifizierung und Schlüsselpersonal könnte einen strukturierten Neustart ermöglichen.
Offene Fragen und Risiken
- Die AAMG bleibt weitgehend undurchsichtig: Die öffentliche Präsenz ist begrenzt, Geschäftsadressen sind teils wenig aussagekräftig.
- Ob die früheren Mitarbeitenden an Bord zurückkehren können, ist fraglich – viele dürften sich längst anderweitig orientiert haben.
- Zudem bleibt unklar, wie der operative Betrieb wieder aufgenommen werden soll – allein Zertifizierungsanforderungen und Produktionsaufbau dürften Jahre in Anspruch nehmen.
Die Ambitious Air Mobility Group bringt ausreichend Kapital, klare Pläne und organisatorischen Fokus mit – mögliche Voraussetzungen für einen Neuanfang der Lilium-Plattform. Doch entscheidend bleibt: Sind die zugesagten Mittel verlässlich, ist AAMG operativ belastbar und können zentrale Talente und Zertifizierungsprozesse für einen Wiederstart aktiviert werden?
Es steht zu befürchten, dass dieses Kapitel erneut im Sand verlaufen könnte – sofern konkrete Umsetzungsszenarien und vertrauenswürdige Strukturen fehlen.