Airbus A321 (Foto: Adam Moreira (AEMoreira042281)).
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Spirit Airlines am Abgrund: Fluggesellschaft droht erneut das Geld auszugehen

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Die amerikanische Billigfluggesellschaft Spirit Airlines hat ihre Investoren vor einer existenzbedrohenden Lage gewarnt. In einem am 11. August 2025 bei der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC eingereichten Bericht teilte das Unternehmen mit, daß ihm ohne eine signifikante Auffüllung der Barmittel „innerhalb der nächsten 12 Monate“ das Geld ausgehen könnte.

Der Warnung zufolge könnte die Fluggesellschaft nicht mehr „als fortführbares Unternehmen“ existieren. Diese düstere Prognose kommt nur wenige Monate, nachdem die Airline erfolgreich ein Insolvenzverfahren nach Chapter 11 abgeschlossen hatte, mit dem Ziel, im hart umkämpften US-amerikanischen Markt zu überleben. Die Warnung verdeutlicht die immensen Herausforderungen, denen sich die Fluggesellschaft in einem von Unsicherheit geprägten Umfeld gegenübersieht, das von nachlassender Reiselust und einem Wandel im Konsumentenverhalten geprägt ist.

Ein Teufelskreis: Mangelnde Liquidität und verfehlte Strategie

Die Warnung von Spirit Airlines ist eindeutig und scharf. Die Fluggesellschaft ist offenbar nicht in der Lage, genug Einnahmen zu erzielen, um ihre täglichen Betriebskosten zu decken. Laut der Mitteilung an die SEC könnte ein Versäumnis, die erforderlichen liquiden Mittel aufzubringen, dazu führen, daß die Kreditgeber die Kreditverträge kündigen und damit eine Reihe von Kreditausfällen auslösen, die die Zukunft des Unternehmens gefährden könnten. Die Airline sieht sich in einem Teufelskreis gefangen.

Im März 2025 war Spirit Airlines aus dem Insolvenzverfahren nach Chapter 11 hervorgegangen. Durch eine umfangreiche Umschuldung von rund 795 Millionen US-Dollar hatte das Unternehmen gehofft, einen Weg in eine stabilere Zukunft zu finden. Doch die Hoffnungen auf eine Erholung haben sich zerschlagen. Seit der Neugründung mußte die Fluggesellschaft bereits Piloten freistellen und Flugzeuge verkaufen, um Kosten zu senken.

Das Unternehmen kämpft an mehreren Fronten:

  • Nachlassende Nachfrage: Die Reiselust in den USA ist nach der Einführung von Zöllen durch US-Präsident Donald Trump im Februar 2025 spürbar zurückgegangen. Viele Fluggesellschaften, darunter auch die großen Akteure wie American Airlines und Delta Air Lines, haben ihre Gewinnerwartungen für 2025 gesenkt und rechnen mit einem stagnierenden Markt.
  • Veränderte Konsumentenpräferenzen: Der Trend zu reinen Billigfluglinien, der sogenannten „ultra-low-cost“-Angebote, hat nachgelassen. Reisende in den USA bevorzugen zunehmend Airlines, die Zusatzleistungen und Komfort bieten – auch wenn diese extra bezahlt werden müssen. Die Marke Spirit, die für ihren „No-frills“-Ansatz bekannt ist, kämpft darum, ihren Platz in diesem neuen Marktumfeld zu finden.
  • Mangelndes Kundenbindungsprogramm: Ein weiterer Schwachpunkt in Spirits Geschäftsmodell ist das fehlende überzeugende Kundenbindungsprogramm, das sich nicht mit den attraktiven Loyalitätsprogrammen der Konkurrenz messen kann. Dies wird als eine der größten Schwächen des Unternehmens angesehen.

Um kurzfristig Geld zu beschaffen, prüft die Fluggesellschaft Berichten zufolge den Verkauf von Ersatztriebwerken oder sogar von Abfertigungsrechten an wichtigen US-Flughäfen.

Die Wurzeln der Misere: Von gescheiterten Fusionen zu Triebwerksproblemen

Der Weg in die Krise begann schon lange vor der jüngsten Warnung. Im November 2024 meldete Spirit Airlines Insolvenz nach Chapter 11 an, und führte hohe Verluste, zunehmenden Wettbewerb und wachsende Schulden als Gründe an. Zu den Problemen gehörten auch die Nachwirkungen der Coronapandemie, andauernde Schwierigkeiten in der Lieferkette von Flugzeugteilen und ein massiver Rückruf von Pratt & Whitney-Triebwerken, die anfällig für Risse waren. Dieses Problem allein führte dazu, daß Dutzende von Spirit-Flugzeugen am Boden bleiben mußten, da keine Ersatztriebwerke verfügbar waren.

Ein weiterer entscheidender Rückschlag war die gescheiterte Übernahme durch JetBlue im Jahr 2023. Das US-Justizministerium hatte aus kartellrechtlichen Gründen gegen den Kauf geklagt und ein Bundesrichter hatte die Übernahme blockiert. Die Entscheidung führte zu einem massiven Einbruch des Aktienkurses von Spirit um 47 Prozent.

Im Februar 2025 lehnte Spirit Airlines ein Übernahmeangebot des Konkurrenten Frontier Airlines ab, mit der Begründung, das eigene Restrukturierungs- und Insolvenzverfahren sei für die Aktionäre vorteilhafter. Das Angebot von Frontier hatte eine Übernahme von Schulden in Höhe von 400 Millionen US-Dollar sowie 19 Prozent der Aktien des fusionierten Unternehmens vorgesehen.

Bei seinem Austritt aus der Insolvenz im März 2025 hatte die Unternehmensleitung noch optimistische Prognosen gestellt. Man hatte dem Gericht einen konsolidierten Nettogewinn von 252 Millionen US-Dollar für das Jahr 2025 in Aussicht gestellt und angekündigt, die Marke von ihrem reinen Billigflieger-Image weg und hin zu einer „Premium-Option unter den Billiganbietern“ zu entwickeln.

Ist eine Rettung noch möglich? Zweifel an der Geschäftsstrategie

Es scheint, daß sich die Realität am Markt in den wenigen Monaten seit dem Neuanfang von Spirit Airlines verändert hat. Trotz der Bemühungen, das Unternehmen und seine Finanzen neu aufzustellen, sind die grundlegenden Probleme geblieben. Die jüngste Warnung an die SEC stellt die Entscheidungen der Unternehmensführung aus den vergangenen Monaten in Frage. Insbesondere die Ablehnung des Angebots von Frontier Airlines, die der Airline eine sofortige Stabilisierung ermöglicht hätte, wird nun von Beobachtern kritisch bewertet. Inzwischen gibt es Gerüchte, daß eine Rettung für Spirit Airlines doch noch möglich sein könnte. Die Fluggesellschaft soll in informellen Gesprächen mit mehreren potenziellen Investoren sein, die an einer Übernahme des Unternehmens interessiert sind. Branchenanalysten sehen in einer Übernahme durch einen größeren Konkurrenten oder einen Finanzinvestor die einzige Möglichkeit, die Airline vor einem endgültigen Scheitern zu bewahren. Das Ausmaß der Verluste und die fehlende Liquidität machen eine eigenständige Erholung zunehmend unwahrscheinlich. Die nächsten Wochen und Monate werden entscheidend sein, um zu sehen, ob Spirit Airlines eine neue Lösung finden kann, um den Absturz in die Insolvenz ein zweites Mal zu verhindern.

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