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Flugzeugunglück im Kongo: Antiker Doppeldecker stürzt bei Inspektionsflug ab – sieben Tote

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Die zivile Luftfahrt in der Demokratischen Republik Kongo wurde am 16. August 2025 erneut von einer Tragödie erschüttert. Ein Flugzeug vom Typ Antonov An-2 der Fluggesellschaft Air Kasai stürzte etwa 34 Kilometer außerhalb von Kisangani ab. Bei dem Unglück kamen alle sieben Insassen ums Leben.

Besondere Brisanz erhält der tragische Vorfall dadurch, daß es sich bei der Maschine um einen technischen Inspektionsflug handelte, der für die Wiedererlangung einer Betriebserlaubnis der Luftfahrtbehörde notwendig war. Die Umstände des Absturzes sind noch unklar, doch die Behörden und das Unternehmen haben den Familien der Opfer bereits ihr tiefstes Beileid ausgesprochen.

Absturz in der Provinz: Die Tragödie nahe Kisangani

Der Vorfall ereignete sich am späten Vormittag. Die einmotorige Maschine, eine Antonov An-2 mit dem Kennzeichen 9S-GZP, war vom Flugplatz in Lubutu gestartet und befand sich auf dem Anflug auf den Flughafen von Kisangani. Die Besatzung der Maschine verlor während des Anfluges den Funkkontakt zur Flugsicherung, bevor das Flugzeug schließlich abstürzte. Das Wrack wurde in einem bewaldeten Gebiet gefunden.

Der Pilot, die Besatzung und die Mitarbeiter, die an Bord der Maschine waren, sind bei dem Aufprall ums Leben gekommen. Der genaue Hergang der Ereignisse, die zu dem Funkabriß und dem Absturz führten, muß gewiß noch geklärt werden. Doch der Umstand, daß die Kommunikation abrupt abbrach, deutet darauf hin, daß es sich um ein plötzliches und katastrophales Ereignis gehandelt haben muß, das der Besatzung keine Zeit für einen Notruf ließ.

Die letzte Reise: Ein Flug im Dienst der Flugsicherheit

Besondere und tragische Ironie erfährt dieses Unglück durch den Zweck der Flugreise. Es handelte sich um einen sogenannten technischen Inspektionsflug, der für die Verlängerung der Betriebsgenehmigung der Maschine durch die zuständige zivile Luftfahrtbehörde (CAA) erforderlich war. Solche Flüge dienen dazu, die Funktionsfähigkeit und die allgemeine Flugtauglichkeit einer Maschine unter realen Bedingungen zu prüfen und sicherzustellen, daß alle Systeme den strengen Vorschriften entsprechen. Das Flugzeug, das zu diesem Zeitpunkt also eine Art TÜV in der Luft absolvierte, um seine eigene Sicherheit zu beweisen, ist nun bei diesem Versuch abgestürzt. Die Suche nach der Ursache wird sich nun auf die Möglichkeit eines mechanischen Versagens oder eines schwerwiegenden Bedienungsfehlers konzentrieren.

Dieser tragische Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die prekäre Lage der zivilen Luftfahrt in der Region. In einem Land, in dem Luftreisen oft die einzige Möglichkeit darstellen, entlegene Gebiete zu erreichen, ist die Sicherheit der Flugzeuge von höchster Bedeutung.

Ein Relikt am Himmel: Die altehrwürdige Antonov An-2

Der Flugzeugtyp, in den die sieben Insassen ihr Leben setzten, ist ein bemerkenswertes Detail dieses Unglücks. Die Antonov An-2 ist ein einmotoriger Doppeldecker, der in der Sowjetunion entwickelt wurde und seinen Erstflug bereits 1947 absolvierte. Sie gilt als die größte jemals in Serie gebaute einmotorige Maschine mit Doppeldeckerflügeln. Die An-2 ist bekannt für ihre Robustheit und die Fähigkeit, von unbefestigten oder provisorischen Start- und Landebahnen abzufliegen. Diese Eigenschaften haben dazu geführt, daß sie in vielen Teilen der Welt, insbesondere in Gebieten mit mangelhafter Infrastruktur, weiterhin im Einsatz ist.

Trotz ihrer Langlebigkeit und Zuverlässigkeit ist die Antonov An-2 ein Flugzeug aus einer anderen technologischen Ära. Sie verfügt nicht über die modernen Sicherheitssysteme und die Redundanzen, die bei neueren Flugzeugen Standard sind. Ihr Einsatz in der zivilen Luftfahrt der Demokratischen Republik Kongo, in der oft veraltete Maschinen in Betrieb sind, verdeutlicht die technologischen und regulatorischen Herausforderungen, denen sich das Land stellen muß.

Fliegen unter extremen Bedingungen: Die Herausforderungen der zivilen Luftfahrt im Kongo

Die Demokratische Republik Kongo hat, nicht zuletzt wegen ihrer problematischen Sicherheitsbilanz, einen der schlechtesten Luftverkehrs-Rufe der Welt. Die Europäische Union hat die meisten in der DRC ansässigen Fluggesellschaften auf eine schwarze Liste gesetzt, die ihnen den Betrieb im europäischen Luftraum verbietet. Die Gründe dafür sind vielfältig und komplex: eine mangelhafte Wartung der Flugzeuge, oft veraltete Flotten, eine unzureichende Infrastruktur an Flughäfen und eine schwache Durchsetzung der Sicherheitsbestimmungen durch die nationalen Aufsichtsbehörden.

Gleichzeitig ist der Flugverkehr im Kongo nicht nur ein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Das Land ist geografisch riesig, seine Straßeninfrastruktur ist mangelhaft, und viele Städte können nur über den Luftweg erreicht werden. Dies führt dazu, daß kleine, private Fluggesellschaften, die oft mit veralteten Maschinen operieren, eine entscheidende Rolle bei der Verbindung der Bevölkerung spielen. Das System ist auf diese Dienste angewiesen, auch wenn die Risiken hoch sind. Der tragische Absturz der Antonov An-2 ist somit nicht nur ein isolierter Unfall, sondern ein Symptom der systemischen Probleme, die in der Luftfahrt des Landes herrschen.

Die Ermittlungen: Eine Suche nach der Ursache unter schwierigen Umständen

Die Ermittlungen zur Absturzursache werden von den kongolesischen Behörden, insbesondere dem Bureau d’Enquêtes et d’Analyses (BEA-RDC), geleitet. Die Untersuchung wird zweifellos vor großen Herausforderungen stehen. Die Absturzstelle befindet sich Berichten zufolge in einem unwegsamen Gebiet, was die Bergungs- und Ermittlungsarbeiten erschwert. Die technischen Möglichkeiten der Behörden sind oft begrenzt, was die Rekonstruktion des Vorfalls zu einer mühsamen Aufgabe macht.

Experten werden versuchen, alle verfügbaren Daten zu analysieren, einschließlich der letzten Funksignale und der Trümmerteile am Absturzort. Die Tatsache, daß es sich um eine Inspektion handelte, könnte Aufschlüsse über mögliche Mängel geben, die bereits vor dem Start bekannt waren oder die während des Fluges auftraten. Die genaue Ursache – sei es ein Versagen des alten Motors, ein Problem mit der Flugsteuerung oder ein anderer Faktor – muß erst durch eine detaillierte und sorgfältige Analyse der Beweise am Unglücksort ermittelt werden.

Der Absturz der Air Kasai-Maschine bei Kisangani ist eine zutiefst traurige Tragödie, die sieben Menschen das Leben kostete. Die Umstände des Unglücks, insbesondere der Zweck des Fluges, erinnern auf tragische Weise an die ständigen Risiken, denen die Passagiere und die Besatzungen im Luftverkehr der Demokratischen Republik Kongo ausgesetzt sind. Das Ereignis ist ein klares Signal dafür, wie dringend die Sicherheit in der Luftfahrt dieses Landes verbessert werden muß. Es wirft ein Schlaglicht auf die Diskrepanz zwischen der notwendigen Rolle, die der Luftverkehr spielt, und den oft unzureichenden Mitteln und Rahmenbedingungen, unter denen er operiert.

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