Vorfeldbus am Flughafen Wien (Foto: Jan Gruber).
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Gute Zahlen, schwierige Aussichten: Flughafen Wien trotzt Krisen, steht aber vor Herausforderungen

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Die Flughafen Wien AG blickt auf ein erfolgreiches erstes Halbjahr 2025 zurück, in dem sowohl das Passagieraufkommen als auch die Finanzkennzahlen deutlich stiegen. Trotz internationaler Krisen und geopolitischer Spannungen gelang es dem Unternehmen, ein solides Wachstum zu verzeichnen.

Doch die positiven Nachrichten sind von einer großen Herausforderung überschattet: dem drohenden Auslaufen einer Sonderregelung, die ab 2026 zu einer Absenkung der Flughafengebühren führen wird. Das Management reagiert mit einem umfassenden Investitionsprogramm und einem Effizienzprogramm. Die Lage des Unternehmens zeigt beispielhaft die strategischen Spannungsfelder, in denen sich große Infrastrukturbetreiber in der globalen Luftfahrt bewegen müssen: Wachstum und Expansion in einem hochdynamischen, aber auch von externen Faktoren abhängigen Marktumfeld.

Solide Entwicklung trotz internationaler Belastungsfaktoren

Die Flughafen Wien AG und ihre Beteiligungen an den Flughäfen in Malta und Kosice verzeichneten im ersten Halbjahr 2025 ein kräftiges Passagierwachstum von 4,7 Prozent auf insgesamt 19,6 Millionen Reisende. Auch am Heimatstandort Wien gab es einen Zuwachs von 2,4 Prozent, was das Passagieraufkommen auf 14,7 Millionen steigen ließ. Besonders erfreulich gestaltete sich die Entwicklung bei den Beteiligungen: Der Flughafen Malta legte mit 11,7 Prozent kräftig zu, während der Flughafen Kosice sogar ein beeindruckendes Plus von 19,0 Prozent verzeichnete. Diese Zuwächse spiegeln eine breitgefächerte Erholung der Reisemärkte wider.

Das Management zeigte sich trotz der positiven Gesamtbilanz aufmerksam gegenüber den Belastungsfaktoren des Marktes. Im Juli, der traditionell zu den stärksten Reisemonaten zählt, verzeichnete der Flughafen Wien einen leichten Rückgang des Passagieraufkommens von 1,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dr. Günther Ofner, Vorstand der Flughafen Wien AG, führte dies auf geopolitische Krisen, wie die monatelangen Ausfälle von Israel-Reisenden und die allgemeine Unsicherheit im Nahen und Mittleren Osten zurück. Dieser Umstand veranschaulicht, wie empfindlich der Luftverkehr auf internationale Konflikte und politische Instabilität reagiert. Dennoch bestätigte das Unternehmen seine Prognose für das Gesamtjahr 2025, in dem rund 42 Millionen Passagiere für die Gruppe und 32 Millionen für den Standort Wien erwartet werden.

Auch die Finanzkennzahlen spiegelten die positive Entwicklung wider. Der Konzernumsatz stieg um 7,4 Prozent auf 524,4 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis (EBITDA) verbesserte sich um 3,3 Prozent auf 211,7 Millionen Euro, und das Periodenergebnis konnte um 6,2 Prozent auf 115,1 Millionen Euro gesteigert werden.

Strategischer Weitblick: Rekord-Investitionen in die Zukunft

Trotz der kurzfristigen finanziellen Herausforderungen, die sich in den kommenden Monaten abzeichnen, hält die Flughafen Wien AG an einem großangelegten Investitionsprogramm fest. Für das Jahr 2025 sind Investitionen in der Rekordhöhe von 300 Millionen Euro geplant. Diese Ausgaben werden in die Erweiterung und Modernisierung der Infrastruktur an den Standorten Wien und Malta fließen. Das größte Einzelprojekt in Wien ist die sogenannte Süderweiterung, in die im ersten Halbjahr bereits 67,1 Millionen Euro investiert wurden. Die Erweiterung des Terminals dient dazu, die Kapazitäten zu erhöhen, neue Shopping- und Gastronomieflächen zu schaffen und das Passagiererlebnis zu verbessern, um den steigenden Passagierzahlen gerecht zu werden.

Dieses entschlossene Handeln zeigt, daß das Management die Wettbewerbsfähigkeit des Flughafens langfristig sichern will. Anstatt Investitionen zu kürzen, um kurzfristig die Ergebnisse zu stabilisieren, setzt das Unternehmen auf den weiteren Ausbau seiner Anlagen. Dr. Günther Ofner bekräftigte, daß die Investitionen in die Modernisierung der Flughäfen wie geplant fortgesetzt werden, ungeachtet der zu erwartenden Tarifsenkungen. Begleitend dazu soll ein unternehmensweites Kostensenkungs- und Effizienzsteigerungsprogramm die finanziellen Auswirkungen abfedern.

Die Tarifsenkung 2026: Ein Kampf um Einnahmen und Wettbewerbsfähigkeit

Eine der größten Herausforderungen für die Flughafen Wien AG im kommenden Jahr ist die gesetzlich vorgegebene Absenkung der Flughafengebühren. Diese Regelung, die nach dem Auslaufen einer Sonderbestimmung aus der Zeit der Pandemie wieder in Kraft tritt, bewirkt eine voraussichtliche Senkung der Passagiertarife um 4,6 Prozent und der Landegebühren um 2,15 Prozent ab dem 1. Jänner 2026. Diese Maßnahme ist zwar für die Airlines positiv, da sie ihre Kosten senkt, bedeutet für den Flughafen jedoch einen signifikanten Rückgang der Einnahmen.

In der Vergangenheit gab es immer wieder Konflikte zwischen Fluggesellschaften und Flughafenbetreibern über die Höhe der Gebühren. Die Airlines argumentieren, daß hohe Gebühren die Reisekosten verteuern und somit die Nachfrage dämpfen. Flughafenbetreiber halten dagegen, daß diese Einnahmen für den Betrieb, die Instandhaltung und die dringend notwendigen Investitionen in die Infrastruktur unerläßlich sind. Die bevorstehende Absenkung der Gebühren in Wien zeigt, daß die Fluggesellschaften in diesem andauernden Streit einen Sieg errungen haben. Das Management des Flughafens sieht dies jedoch auch als Chance, die Wettbewerbsfähigkeit der Destination Wien weiter zu steigern und für Fluggesellschaften noch attraktiver zu werden.

Betriebsführung als Wettbewerbsvorteil: Pünktlichkeit als Erfolgsfaktor

In einem hart umkämpften Markt, in dem Flugverspätungen und -ausfälle an der Tagesordnung stehen, ist die operative Leistung eines Flughafens ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. In diesem Bereich konnte die Flughafen Wien AG besonders punkten. Laut Mag. Julian Jäger, ebenfalls Vorstand der Flughafen Wien AG, war der Flughafen in diesem starken Reisesommer der pünktlichste Drehkreuz-Flughafen der Lufthansa-Gruppe und einer der pünktlichsten in ganz Europa.

Pünktlichkeit ist ein wichtiger Faktor für Fluggesellschaften, da sie die Zufriedenheit der Kunden steigert, die Kosten für Verspätungen senkt und eine reibungslose Abfertigung ermöglicht. Für ein Drehkreuz wie Wien ist eine hohe Pünktlichkeit von entscheidender Bedeutung, da sie sicherstellt, daß Transferpassagiere ihre Anschlußflüge erreichen. Diese Zuverlässigkeit kann ein wesentliches Argument sein, um neue Fluggesellschaften anzuziehen und bestehende Partnerschaften zu stärken. Die operativen Zahlen untermauern dies: Die Flugbewegungen stiegen im ersten Halbjahr um 3,0 Prozent, während die Fracht mit einem Anstieg von 9,1 Prozent eine besonders starke Entwicklung verzeichnete.

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