Der Linzer Flughafen befindet sich seit Jahren in einer schwierigen finanziellen Lage, die die Eigentümer – das Land Oberösterreich und die Stadt Linz – zu immer neuen Rettungsversuchen zwingt. Die jüngste Debatte um die Zukunft des Flughafens entzündete sich an einem Vorschlag aus der Politik, einen Teil der mehr als 2.000 Parkplätze zu veräußern, um dringend benötigte Liquidität zu schaffen.
Während die Befürworter in dieser Maßnahme eine rasche und unbürokratische Lösung sehen, warnen Kritiker vor einem fatalen Fehler. Sie argumentieren, daß die eigentliche Ursache für die Misere des Flughafens nicht in fehlenden Einnahmen, sondern in der 100-prozentigen öffentlichen Eigentümer-Struktur liegt, die das Unternehmen seit Langem lähme. Die Diskussion rückt damit die fundamentale Frage in den Vordergrund, ob eine wichtige Infrastruktureinrichtung wie ein Flughafen in der Hand der Politik verbleiben oder zumindest teilweise privatisiert werden sollte.
Die finanzielle Schieflage: Ein Blick auf die jüngsten Zahlen
Die finanziellen Schwierigkeiten des Linzer Flughafens sind keine Neuheit. Obwohl der Flughafen in den letzten Jahren immer wieder beachtliche Erfolge im Frachtbereich verbuchen konnte – mit mehr als 52.000 Jahrestonnen Fracht im Jahr 2024, einem Wachstum von fast 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr –, leidet das Unternehmen unter einem kontinuierlich schwächelnden Passagiergeschäft. Mit nur 180.694 Passagieren im Jahr 2024 verzeichnete der Flughafen einen deutlichen Rückgang im Vergleich zum Vorjahr und liegt weit unter den Vorkrisenzahlen von über 400.000 Passagieren.
Diese Entwicklung steht im krassen Gegensatz zum allgemeinen Aufschwung im Tourismus und zeigt, daß der Flughafen in seinem Kerngeschäft nicht mit der Konkurrenz Schritt halten kann. Die Verluste der letzten fünf Jahre haben einen Großteil der Rücklagen aufgezehrt, und die Eigentümer sahen sich gezwungen, Gesellschafterzuschüsse in Millionenhöhe zu leisten, um die Liquidität zu sichern. Die geplante Finanzspritze von je zwei Millionen Euro in den Jahren 2025 und 2026 von Stadt und Land unterstreicht die akute Finanznot.
Einmal-Einnahmen gegen langfristige Erlöse: Das Für und Wider des Parkplatz-Verkaufs
Der Vorschlag eines Linzer Gemeinderats, die mehr als 2.000 Parkplätze des Flughafens zu verkaufen, um dort Betriebsansiedelungen zu ermöglichen, zielt darauf ab, die akute Finanznot zu lindern. Die Idee sieht vor, daß die Einnahmen aus dem Verkauf die Liquidität des Flughafens stärken, ohne daß dafür Steuergelder direkt verwendet werden müßten. Darüber hinaus würde die Maßnahme dazu beitragen, bereits versiegelte Flächen sinnvoll zu nutzen und die Attraktivität des Standortes für Unternehmen zu erhöhen.
Doch der Vorschlag erntet heftige Kritik. Gegner argumentieren, daß es sich bei den Parkgebühren um eine der wichtigsten und stabilsten Einnahmequellen des Flughafens handelt. Der Verkauf dieser Flächen würde diese Einnahmen für alle Zeiten streichen und wäre daher ein „sinnloser Einmal-Effekt“. Kurzfristig würde das Geld helfen, doch langfristig würde die finanzielle Lage des Flughafens sogar noch prekärer, da ihm eine unverzichtbare, wiederkehrende Einnahmequelle entzogen würde. Experten verweisen darauf, daß die Rentabilität von Flughäfen nicht allein vom Flugverkehr abhängt, sondern maßgeblich von Non-Aviation-Einnahmen, zu denen Parkgebühren, Gastronomie und Mieten zählen. Diese Debatte zeigt die unterschiedlichen Ansätze zur Krisenbewältigung: eine kurzfristige, auf Liquidität ausgerichtete Lösung gegen eine langfristige, auf strategische Stabilität abzielende Haltung.
Das eigentliche Problem: Die Frage der Eigentümer-Struktur und des politischen Einflusses
Hinter den oberflächlichen Diskussionen um Parkplätze verbirgt sich nach Ansicht von Kritikern das eigentliche Problem des Linzer Flughafens: seine Eigentümer-Struktur. Da das Unternehmen zu 100 Prozent im Besitz von Stadt und Land ist, unterliegt es einem ständigen politischen Einfluß, der kaufmännische Entscheidungen oft erschwert oder unmöglich macht. Jahrelang seien Gewinne nicht in die Modernisierung und den Ausbau der Infrastruktur reinvestiert worden, sondern von den Eigentümern abgeschöpft worden. Dieses fehlende Geld mache sich nun an allen Ecken und Enden bemerkbar. Darüber hinaus habe die Politik den Flughafen zu „fragwürdigen Sponsorings“ und anderen Maßnahmen verpflichtet, die den wirtschaftlichen Interessen des Unternehmens zuwiderlaufen. Ein weiteres Problem ist die Personalbesetzung an der Spitze. Entscheidende Posten wie der des Flughafendirektors würden von der Politik mitbestimmt, was nicht immer die bestmögliche Expertise gewährleiste.
Diese Situation führt zu einer lähmenden Entscheidungsfindung, die das Unternehmen daran hindert, rasch auf Marktveränderungen zu reagieren und sich gegen die starke Konkurrenz in der Region, wie etwa durch die Flughäfen in Wien oder Salzburg, zu behaupten.
Strategie der Privatisierung: Neue Impulse für marode Infrastruktur?
Als Alternative zu den aktuellen politischen Manövern wird von einigen Seiten die teilweise Privatisierung des Flughafens ins Spiel gebracht. Diese Strategie hat in Europa eine lange Geschichte. Beispiele wie die Teilprivatisierung des Wiener Flughafens ab 1992 oder die Verkäufe von Flughäfen in London, Kopenhagen und Frankfurt zeigen, daß private Investoren in der Lage sein können, dringend benötigtes Kapital und unternehmerisches Wissen einzubringen. Befürworter der Privatisierung argumentieren, daß private Eigentümer eine schlankere und schnellere Entscheidungsfindung ermöglichen. Sie agieren gewinnorientiert, was zu effizienteren Abläufen, einer konsequenteren Kundenorientierung und einer besseren Nutzung der bestehenden Infrastruktur führen würde.
Demgegenüber stehen jedoch die Bedenken der Politik. Es wird befürchtet, daß mit dem Verkauf der Anteile nicht nur der Einfluß auf das Unternehmen verloren ginge, sondern auch die Kontrolle über eine kritische Infrastruktur. Zudem gibt es die Sorge, daß ein privater Betreiber nur an kurzfristigen Gewinnen interessiert sei und möglicherweise unprofitable, aber für die Region wichtige Flugverbindungen streichen würde. Die Kritiker in der Politik sehen in der Privatisierung eine Abgabe von Verantwortung und befürchten, daß der Flughafen zu einem „Selbstbedienungsladen“ für private Investoren werden könnte.
Die Debatte um den Linzer Flughafen ist mehr als ein lokales Problem; sie ist ein Spiegelbild der Auseinandersetzung um die Rolle des Staates bei der Führung von Infrastruktur. Während die kurzfristigen Rettungsversuche die akuten Finanzprobleme mildern könnten, wird die Frage nach der grundlegenden Eigentümer-Struktur und der strategischen Ausrichtung des Flughafens die Politik weiterhin beschäftigen. Die Zukunft des Linzer Flughafens wird maßgeblich davon abhängen, ob man bereit ist, neue Wege zu beschreiten. Der Konflikt zwischen politischer Kontrolle und unternehmerischer Freiheit scheint ungelöst und wird die Entwicklung des Flughafens auch in den kommenden Jahren bestimmen.