Check-in-Schalter Flughafen Klagenfurt (Foto: Angelika Evergreen).
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Strategiewechsel im Anflug: Wie der Flughafen Klagenfurt sein Geschäftsmodell neu erfindet

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Der Flughafen Klagenfurt befindet sich in einer Phase tiefgreifender Umgestaltung. Angesichts der Notwendigkeit, neue Einnahmequellen zu erschließen und die wirtschaftliche Grundlage abzusichern, hat die Flughafen-Betriebsgesellschaft eine strategische Neuausrichtung eingeleitet.

Anstatt sich allein auf das traditionelle Fluggeschäft zu verlassen, wird das Flughafengelände zunehmend zu einem multifunktionalen Standort entwickelt. Die jüngsten Pläne sehen die Ausschreibung nicht-betriebsnotwendiger Flächen vor, auf denen künftig ein Hotel, ein Supermarkt und ein neuer Hangar für Privatflugzeuge entstehen sollen. Diese Vorhaben reflektiren eine branchenweite Tendenz: Kleinere und mittlere Flughäfen suchen vermehrt nach Wegen, sich über das Kerngeschäft hinaus als eigenständige Wirtschaftszentren zu etabliren und ihre Rolle für die jeweilige Region zu stärken. Das Ziel ist es, die finanzielle Abhängigkeit von den volatilen Flugbewegungen zu verringern und ein stabiles, diversifiziertes Portfolio an Dienstleistungen zu schaffen, welches auch in Zeiten rückläufiger Passagierzahlen für Kontinuität sorgt.

Ein neuer Blick auf die Einnahmen: Zwischen Hangar und Handelsplatz

Die Entscheidung, bislang ungenutzte oder nicht-betriebsnotwendige Flächen des Flughafengeländes zu verpachten, ist ein klarer Ausdruck der neuen Strategie. Anstelle eines Verkaufs vergibt die Flughafenleitung Baurechte für gezielte Projekte. Im Zentrum dieser Initiative steht der Plan für einen Supermarkt und ein Flughafenhotel. Laut Aussagen von Martin Payer, dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Flughafen-Betriebsgesellschaft, soll der geplante Supermarkt keinesfalls als Konkurrenz zur Innenstadt verstanden werden, sondern als ein „Nahversorger“ für Fluggäste und die rund um das Areal beschäftigten Mitarbeiter. Ein solches Konzept findet sich auch an anderen kleineren Flughäfen, etwa in Deutschland, wo ähnliche Dienstleistungen eine hohe Akzeptanz genießen. Sie tragen nicht nur zur Bequemlichkeit der Reisenden bei, sondern schaffen auch eine konstante, von Flugplänen unabhängige Einnahmequelle.

Ebenso soll das geplante Flughafenhotel eine klar definierte Zielgruppe bedienen. Es richtet sich in erster Linie an Flugbesatzungen sowie an Reisende, die früh abreisen oder spät ankommen. Die genaue Bettenzahl ist zwar noch offen, doch das Vorhaben paßt sich in die globale Entwicklung von Flughäfen ein, die zunehmend zu „Reise-Hubs“ werden, an denen man nicht nur fliegt, sondern auch schläft, ißt und arbeitet. Die Nähe zur Start- und Landebahn und die garantierte Kundschaft machen diese Immobilien zu attraktiven Investitionen für externe Betreiber. Es sind gewiß nicht nur die Fluggäste, sondern auch Besucher, die etwa Geschäftsleute abholen oder bringen.

Strategische Expansion: Mehr Raum für die private Luftfahrt

Ein weiterer Eckpfeiler der neuen Strategie ist die Stärkung des Sektors der allgemeinen Luftfahrt. Die Nachfrage nach Hangarflächen für Privatflugzeuge hat in den letzten Jahren zugenommen, wie Branchenberichte belegen. Auch in Klagenfurt, wo die Kapazitäten im Hangar eines Unterkärntner Industriebetriebes offenbar knapp werden, hat man diesen Bedarf erkannt. Aus diesem Grund sollen 1.000 Quadratmeter Flughafen-Fläche für den Neubau eines weiteren Hangars ausgeschrieben werden. Martin Payer betont, daß es aktuell zu wenig Hangarflächen am Flughafen gäbe und der Markt diese Nachfrage „zugerufen“ habe. Dieser Schritt ist sowohl ökonomisch als auch strategisch bedeutsam. Privatflugzeuge generiren oft höhere Gebühren pro Bewegung als Linienflüge und ihre Eigner oder Betreiber sind häufig bereit, für eine hochwertige Unterbringung und einen erstklassigen Service zu zahlen. Ein moderner Hangar ist somit nicht nur eine Einnahmequelle, sondern auch ein Bekenntnis zum Ausbau eines hochmargigen Marktsegments, welches die Zukunft des Flughafens mit absichern kann.

Parallel dazu beginnt noch in diesem Jahr der Bau eines neuen Hubschrauberstützpunktes, für den eine Investition von fünf Millionen Euro vorgesehen ist. Langfristiger Mieter dieses Stützpunktes wird das Innenministerium sein. Solche Projekte, die auf eine stabile, langfristige Partnerschaft mit öffentlichen Institutionen abzielen, sind von unschätzbarem Wert für die finanzielle Planbarkeit eines Flughafens. Die Präsenz von Hubschraubern, sei es für Rettungszwecke, Katastrophenschutz oder andere staatliche Aufgaben, sichert nicht nur eine regelmäßige Pacht, sondern trägt auch zur Bedeutung des Flughafens als infrastruktureller Dreh- und Angelpunkt der Region bei. Derartige Projekte heben die Rolle des Flughafens über die eines reinen Passagierterminals hinaus auf die eines wichtigen Dienstleisters für die gesamte Region.

Ein Flughafen als Motor der regionalen Wirtschaft

Die Transformation des Klagenfurter Flughafens ist exemplarisch für einen Trend, der auf der ganzen Welt zu beobachten ist. Regionalflughäfen fungiren zunehmend als lokale Wirtschaftszentren und sind nicht mehr nur Start- und Landepisten. Sie bieten nicht nur Arbeitsplätze im direkten Betrieb, sondern auch eine Plattform für eine Vielzahl von Unternehmen, die von der Präsenz und dem Verkehrsaufkommen profitieren. Die Entwicklung von Büroflächen, wie sie in Klagenfurt mit der Vermietung von 700 Quadratmetern ab Herbst geplant ist, ist ein weiterer Beleg für diese Evolution. Solche Büros können von Unternehmen genutzt werden, die eine Nähe zur Luftfahrt oder eine bequeme Anbindung für ihre Mitarbeiter und Kunden schätzen. Die geplanten Investitionen und die damit verbundenen Projekte stärken das regionale Ökosystem und generiren neue Einkommensströme.

Diese Neuausrichtung ist auch eine Antwort auf die sich wandelnden Bedingungen im Luftverkehr. Die Abhängigkeit von wenigen Linienflügen macht einen Flughafen verwundbar für Streichung, Umplanung oder den Rückzug von Fluggesellschaften. Durch die breitere Aufstellung, die auch die private Luftfahrt und Dienstleistungen für Reisende am Boden umfaßt, wird der Flughafen robuster und weniger anfällig für Schwankungen im Fluggeschäft. Es ist gewiß, daß der Flughafen Klagenfurt mit diesen Maßnahmen nicht nur seine wirtschaftliche Überlebensfähigkeit sichern will, sondern sich als ein vielseitiger und unverzichtbarer Bestandteil der regionalen Infrastruktur etabliren möchte.

Die angekündigten Pläne für den Flughafen Klagenfurt sind mehr als nur einzelne Bauvorhaben. Sie sind das Ergebnis einer strategischen Neubewertung der Rolle, die ein regionaler Flughafen in der modernen Wirtschaft spielen kann und muß. Die Kombination aus der gezielten Ansiedelung von kommerziellen Dienstleistungen, der Stärkung des hochmargigen Segments der allgemeinen Luftfahrt und der langfristigen Partnerschaft mit staatlichen Institutionen schafft ein robustes Fundament für die Zukunft. Es wird interessant sein zu beobachten, wie sich diese Maßnahmen auf die wirtschaftliche Bilanz des Flughafens auswirken und ob dieses Modell Schule machen wird. Die Entwicklung von Klagenfurt zeigt, daß die Zukunft der Luftfahrt auf den kleinen und mittleren Flughäfen nicht allein in der Anzahl der Passagiere, sondern in der Vielfalt der Einnahmequellen liegt.

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