Blick aus dem Fenster eines Bombardier CRJ-900 (Foto: Jan Gruber).
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Der Simulatorbau im Wandel: Steirisches Unternehmen erschließt neue Märkte mit Virtual-Reality-Lösung

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Das steirische Unternehmen Axis, ein Spezialist für Flugsimulatoren, expandiert sein Geschäft und setzt künftig auch auf Virtual-Reality-Anwendungen für die Pilotenausbildung. Nach zweieinhalb Mannjahren Entwicklungszeit steht die neue Anwendung kurz vor der Markteinführung.

Diese soll als sinnvolle Ergänzung zu den traditionellen Simulatoren dienen und Piloten bereits in der Frühphase ihrer Ausbildung ein realitätsnahes Training ermöglichen. Das neue Produkt, welches auf der Grundlage des positiven Feedbacks einer Branchenmesse in Portugal entwickelt wurde, unterstreicht den sich abzeichnenden Trend in der modernen Luftfahrtindustrie, digitale und flexible Trainingswerkzeuge zu nutzen. Während das Kerngeschäft mit traditionellen Flugsimulatoren weiterhin floriert, will Axis mit dieser neuen Technologie seine Marktposition weiter festigen und neue Geschäftszweige erschließen.

Expansion in die virtuelle Welt

In den vergangenen Monaten hat Axis, ein in Lebring ansässiges Unternehmen, intensiv an der Entwicklung einer eigenen Virtual-Reality-Lösung gearbeitet. Das Resultat dieser Bemühungen, in die zweieinhalb Mannjahre Entwicklungszeit geflossen sind, soll in Kürze auf den internationalen Markt kommen. Geschäftsführer Christian Theuermann betont, die VR-Anwendung sei nicht als Ersatz für die klassischen, vollwertigen Flugsimulatoren gedacht, sondern als eine „sinnvolle Ergänzung“, insbesondere in der Anfangsphase des Pilotentrainings.

Die neue Applikation ermöglicht das Üben von Standardprozeduren wie Cockpit- und System-Checks sowie Triebwerksstarts. Solche Abläufe, so Theuermann, ließen sich mit der neuen Technologie „sehr gut abbilden“. Die virtuelle Umgebung bildet dabei den Flugsimulator eins zu eins nach, einschließlich aller Bedienelemente und Anzeigen. Ein weiterer Vorteil ist die Vielseitigkeit der Anwendung, die auf verschiedenen Plattformen, von Tablets bis zu hochwertigen VR-Brillen, nutzbar sein wird, wie Produktmanager Marcell Surányi erklärt.

Die Digitalisierung der Pilotenausbildung ist ein seit Jahren zu beobachtender Trend. Die Internationale Civil Aviation Organization (ICAO) und andere Luftfahrtbehörden haben die Möglichkeiten neuer Technologien wie Virtual Reality und Augmented Reality in der Ausbildung erkannt und entsprechende Richtlinien geschaffen. So können Fluggesellschaften und Ausbildungseinrichtungen diese Technologien nutzen, um Kosten zu senken und die Effizienz des Trainings zu steigern.

Positionierung im globalen Wettbewerb

Die Entscheidung von Axis, in das Segment der virtuellen Pilotenausbildung vorzustoßen, basiert auf einer gezielten Marktanalyse. Schon Ende letzten Jahres wurde ein Vorserien-Produkt der VR-Applikation auf einer Branchenmesse in Portugal präsentiert. Die Reaktion der Branche war äußerst positiv. Wie Michaela Froelich, Vertriebsdirektorin von Axis, berichtet, wurde von vielen Seiten bestätigt, dass das Unternehmen mit seinem Konzept eines flexiblen, realitätsnahen Trainingswerkzeugs eine Lücke im Markt schließe. Das positive Feedback diente Axis als Bestätigung, auf dem richtigen Weg zu sein und frühzeitig in den Markt einzusteigen, in dem man einen „klar erkennbaren Trend in der Pilotenausbildung“ sehe.

Diese frühzeitige Positionierung ist entscheidend, da der globale Markt für Luftfahrttrainingssysteme ein erhebliches Wachstum verzeichnet. Experten gehen davon aus, dass der Markt in den kommenden Jahren weiterwachsen wird, angetrieben durch die steigende Nachfrage nach Piloten und die zunehmende Komplexität moderner Flugzeuge. Unternehmen wie L3Harris Technologies, CAE und Collins Aerospace dominieren diesen Markt. Kleinere und spezialisierte Firmen wie Axis können sich jedoch durch innovative, flexible Lösungen und einen hohen Grad an Spezialisierung erfolgreich positionieren. Die Einführung der VR-Applikation ermöglicht es Axis, sein Portfolio zu diversifizieren und sich von der Konkurrenz abzuheben.

Parallel zur Entwicklung des neuen Geschäftsfeldes floriert auch das traditionelle Kerngeschäft von Axis. Das Unternehmen verzeichnet eine konstant gute Auftragslage, insbesondere in Nordamerika. Geschäftsführer Theuermann kündigte an, dass man Ende des Jahres den vierten Flugsimulator in die USA liefern werde. Das aktuelle Projekt, dessen Flugzeugtyp auf Kundenwunsch vertraulich bleibt, hat ein Auftragsvolumen im hohen einstelligen Millionenbereich.

Präzision als Erfolgsfaktor

Der Erfolg von Axis, insbesondere auf dem anspruchsvollen nordamerikanischen Markt, beruht auf einem einzigartigen Ansatz: der Durchführung eigener Flugtestkampagnen. Mit Hilfe dieser Tests ist Axis in der Lage, Flugdaten exakt zu ermitteln, auch für Flugzeuge, für die bisher keine Messwerte verfügbar waren. Diese Daten bilden die Grundlage für die präzise Nachbildung der Charakteristik und des Flugverhaltens der Simulatoren. Dieser Ansatz ermöglicht es Piloten weltweit, sämtliche Szenarien – vom Strömungsabriss bis zum Landeanflug – unter realistischen Bedingungen sicher zu trainieren. Michaela Froelich hebt hervor, dass dieses Vorgehen die Qualität der Axis-Simulatoren sichert und das Vertrauen der Kunden stärkt.

Die neue VR-Applikation wird zunächst noch nicht mit der bevorstehenden Lieferung in die USA ausgeliefert, jedoch plant Axis, die Applikation bei zukünftigen Aufträgen als festen Bestandteil der Gesamtbestellung anzubieten. Wie die Vertriebschefin Froelich erklärt, wird dies voraussichtlich bei einem sich aktuell abzeichnenden Auftrag Anfang 2026 der Fall sein. Die Applikation soll als digitales Trainingsergänzungsprodukt ausgeliefert werden und zu einem wichtigen Nebengeschäft avancieren. Dieser strategische Schritt zeigt, dass Axis die Integration digitaler Technologien als Schlüssel für zukünftiges Wachstum sieht und sein Portfolio gezielt erweitert, um den sich wandelnden Anforderungen der Luftfahrtindustrie gerecht zu werden.

Die fortschreitende Digitalisierung, die sich nicht nur in der Ausbildung, sondern in allen Bereichen der Luftfahrt bemerkbar macht, stellt sowohl eine Herausforderung als auch eine Chance für Unternehmen wie Axis dar. Die kontinuierliche Investition in Forschung und Entwicklung sowie die enge Zusammenarbeit mit Kunden und Branchenpartnern sind entscheidend, um in einem dynamischen Marktumfeld erfolgreich zu sein. Die Integration von Technologien wie Virtual Reality in etablierte Geschäftsmodelle ermöglicht es, die Effizienz zu steigern, neue Märkte zu erschließen und die führende Position im Bereich des Flugsimulatorbaus zu behaupten.

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