In den frühen Morgenstunden des 26. August 2025 wurde ein regulärer Flug der Air China von London nach Peking jäh unterbrochen. Die Boeing 777-300ER, die über fünf Stunden lang planmäßig in Richtung ihres Ziels flog, sah sich nach Angaben russischer Behörden mit einer Triebwerksfehlfunktion konfrontiert.
Das führte zu einer außerplanmäßigen, aber erfolgreichen Landung auf dem Flughafen von Nizhnevartovsk in Sibirien. Der Vorfall, bei dem 250 Passagiere und 15 Besatzungsmitglieder an Bord waren, wirft ein Schlaglicht auf die komplexen Abläufe und die international koordinierten Rettungsprotokolle in der zivilen Luftfahrt, insbesondere in einer Zeit politischer Spannungen, in der Flüge aus dem Vereinigten Königreich nur selten in Russland landen.
Der Flug und der Vorfall
Der Flug CA856 mit dem Kennzeichen B-2033 startete am 25. August um 22:40 Uhr Ortszeit vom Londoner Flughafen Heathrow. Das Ziel war der Internationale Flughafen Peking. Fünf Stunden und eine halbe Stunde nach dem Start, während das Flugzeug russischen Luftraum überquerte, meldete die Besatzung eine Störung an einem der Triebwerke. Die russische Luftfahrtbehörde Rosaviatsia bestätigte, dass die Piloten einen PAN-Signal, ein Dringlichkeitssignal, sendeten, um eine Notlandung einzuleiten. Innerhalb von 60 Minuten nach dem Signal setzte die Besatzung die Maschine sicher auf der Landebahn des Flughafens Nizhnevartovsk auf. Die russischen Medien, darunter die staatliche Nachrichtenagentur TASS, lobten das professionelle Vorgehen der Piloten und die koordinierte Arbeit der russischen Fluglotsen, die den Piloten bei der Wahl des Landeplatzes assistierten.
Solche außerplanmäßigen Landungen sind, obwohl selten, ein fester Bestandteil der Luftfahrtsicherheitsprotokolle. Bei einer Triebwerksfehlfunktion oder einem Ausfall ist die erste Priorität der Besatzung, das Flugzeug zum nächsten geeigneten Flughafen umzuleiten. Die Wahl von Nizhnevartovsk war dabei eine strategische Entscheidung, die auf Faktoren wie der Länge der Landebahn, der verfügbaren Infrastruktur und der geographischen Nähe zur Flugroute basierte. Die Crew der Boeing 777 handelte im Einklang mit diesen internationalen Verfahren, die darauf abzielen, die Passagiere und Besatzung so schnell und sicher wie möglich an den Boden zu bringen, auch wenn dies bedeutet, in einem politisch sensiblen Land zu landen.
Ein ungewöhnlicher Gast in Sibirien
Die Landung des Air China Fluges in Nizhnevartovsk war außergewöhnlich. Der Flughafen, der hauptsächlich nationale Flüge abwickelt und als regionaler Knotenpunkt für Russlands Öl- und Gasindustrie dient, ist nicht auf die regelmäßige Abfertigung großer internationaler Verkehrsflugzeuge ausgelegt. Ein anonymer Informant, der der russischen Nachrichtenseite Baza Informationen zukommen ließ, beschrieb, dass die Flughafen-Dienste „in höchster Alarmbereitschaft für den unerwarteten Gast“ waren. „Es kommt nicht jedes Jahr vor, dass ein solcher Flug aus dem Vereinigten Königreich in Nizhnevartovsk ankommt“, fügte der Informant hinzu.
Der Hintergrund dieser Aussage sind die weitreichenden geopolitischen Spannungen und die Luftraumbeschränkungen, die den Flugverkehr zwischen dem Vereinigten Königreich und Russland fast vollständig zum Erliegen gebracht haben. Seit den jüngsten politischen Entwicklungen meiden Fluggesellschaften aus Großbritannien und anderen westlichen Ländern den russischen Luftraum. Dies macht das Eintreffen einer Maschine, die direkt aus London kommend in Russland landet, zu einem höchst ungewöhnlichen Ereignis, das die Aufmerksamkeit von Beobachtern weltweit auf sich zog. Trotz der politischen Differenzen zeigten die beteiligten Stellen, dass die zivile Luftfahrt in Notsituationen über politische Grenzen hinweg zusammenarbeiten kann. Die russischen Behörden haben schnell und effizient reagiert, um eine sichere Landung zu gewährleisten.
Folgen für Passagiere und Flugbetrieb
Für die Passagiere und die Crew des Fluges CA856 war die Notlandung nur der Anfang einer unerwarteten Odyssee. Die Passagiere, die eigentlich auf dem Weg nach Peking waren, fanden sich plötzlich in einer abgelegenen sibirischen Stadt wieder. Erste Berichte, unter anderem von der chinesischen Global Times, bestätigten, dass die Air China umgehend ein Ersatzflugzeug entsandte, um die gestrandeten Reisenden aufzunehmen und ihre Reise fortzusetzen. Dieses Vorgehen ist Standard in der Luftfahrtindustrie, um im Falle einer technischen Panne die Reise der Passagiere möglichst zügig fortsetzen zu können.
Die Boeing 777-300ER mit der Registrierung B-2033 verblieb in Nizhnevartovsk. Es ist davon auszugehen, dass das Flugzeug vorerst zur Inspektion und Reparatur am Boden bleiben muss, bevor es wieder in den Dienst gestellt werden kann. Die Triebwerksfehlfunktion an einem modernen Verkehrsflugzeug wie der Boeing 777 ist zwar selten, aber sie verdeutlicht die Notwendigkeit robuster Sicherheitssysteme und geschulter Crews, die in der Lage sind, in kritischen Momenten die richtigen Entscheidungen zu treffen. Die professionelle Reaktion der Piloten, die die Notwendigkeit der Landung erkannten und diese sicher ausführten, hat in diesem Fall Schlimmeres verhindert. Die Tatsache, dass das Ersatzflugzeug bereits am nächsten Morgen in Peking landete, zeigt, wie gut die internen logistischen Ketten von Fluggesellschaften funktionieren, selbst unter solch schwierigen und unerwarteten Umständen. Der Vorfall in Nizhnevartovsk wird zweifellos in die Analen der Luftfahrtgeschichte eingehen – nicht nur als Beispiel für eine gelungene Notlandung, sondern auch als Demonstration von internationaler Kooperation in der Luftfahrt, die über politische Spannungen hinausgeht.