Boeing 787-8 (Foto: Paul Schmid).
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Thai Airways vor Kapazitätsengpässen: Modernisierung der Flotte könnte neue Europa-Routen verzögern

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Die staatliche Fluggesellschaft Thai Airways International, die sich in einer Phase tiefgreifender Restrukturierung befindet, steht vor einer bedeutenden operativen Herausforderung. Im Zuge der Flottenmodernisierung ist eine zeitliche Lücke in der Verfügbarkeit von Langstreckenflugzeugen entstanden, die das Unternehmen dazu zwingen könnte, Pläne für neue Europa-Verbindungen zu verschieben.

Wie aus Berichten hervorgeht, hat die Airline mehr ältere Maschinen ausgemustert, als zeitnah neue Flugzeuge geliefert werden können. Konzernchef Chai Eamsiri bestätigte einen „signifikanten Engpaß im Sitzangebot“, der sich direkt auf die Kapazität der Airline auswirkt. Die thailändische Fluggesellschaft durchforstet nun den Leasingmarkt nach einer Überbrückungslösung, um ihre ambitionierten Wachstumsziele im lukrativen Europaverkehr zu sichern.

Der Flottenumbau als strategische Zäsur: Abschied von Riesenjets

Die Flottenmodernisierung von Thai Airways ist ein notwendiger und strategischer Schritt. In den vergangenen Jahren hatte die Airline eine ineffiziente und heterogene Flotte betrieben, bestehend aus bis zu acht verschiedenen Flugzeugtypen. Diese Vielfalt führte zu hohen Betriebskosten, komplexen Wartungsprozessen und aufwendigen Schulungsprogrammen für das Personal. Als Folge einer finanziellen Restrukturierung und des drastischen Rückgangs des Flugverkehrs wurde beschlossen, die Flotte radikal zu vereinfachen und zu modernisieren. Ausgemustert wurden bereits ikonische, aber unwirtschaftliche Flugzeuge wie der doppelstöckige Airbus A380 und die vierstrahlige Boeing 747-400. Auch ältere Modelle der Boeing 777-200ER wurden aus dem Verkehr gezogen.

Der Plan sieht vor, die Flotte bis zum Jahr 2033 auf lediglich vier Flugzeugtypen zu reduzieren. Die Strategie konzentriert sich auf effiziente und kostengünstige Flugzeuge, die auf die Bedürfnisse der Airline zugeschnitten sind. Für die Langstreckenverbindungen sollen die Boeing 777-300ER, die Boeing 787 (Dreamliner) und der Airbus A350-900 das Rückgrat der Flotte bilden. Für die Kurz- und Mittelstrecke wird die Fluggesellschaft in Zukunft hauptsächlich auf die Flugzeuge der Airbus A320-Familie setzen. Das Ziel ist es, durch die Homogenisierung der Flotte Betriebsabläufe zu optimieren, Wartungskosten zu senken und die Personalschulungen zu vereinfachen, was langfristig die Wettbewerbsfähigkeit der Airline steigert.

Ein zeitlicher Engpaß: Die Lücke zwischen Ausmusterung und Auslieferung

Die Kehrseite der ambitionierten Modernisierungsstrategie sind die kurzfristigen Herausforderungen bei der Flugzeugverfügbarkeit. Die Auslieferungspläne der Flugzeughersteller Boeing und Airbus sind angespannt, was zu Verzögerungen führen kann. Dies trifft Thai Airways in einer besonders sensiblen Phase. Die Airline hat eine grosse Bestellung aufgegeben, die jedoch erst in den kommenden Jahren schrittweise umgesetzt wird. Das Herzstück der neuen Langstreckenflotte bilden 42 Boeing 787-9 und sechs Boeing 787-10, deren Auslieferung jedoch erst zwischen 2026 und 2033 erfolgen wird. Im Kurz- und Mittelstreckenbereich sind 32 geleaste Airbus A321neo bestellt, die zwischen Ende 2025 und 2028 eintreffen sollen.

Dieser Zeitplan führt zu einem erheblichen Kapazitätsdefizit, da die alten Flugzeuge bereits ausgemustert wurden, die neuen jedoch noch nicht zur Verfügung stehen. Das Problem ist nicht einzigartig für Thai Airways; viele Fluggesellschaften weltweit kämpfen mit den Produktions- und Lieferkettenproblemen der grossen Flugzeughersteller. Die Situation wird durch die wachsende Nachfrage nach Flugreisen in der Nachpandemie-Zeit weiter verschärft. Konzernchef Chai Eamsiri machte deutlich, daß die Airline ohne eine rasche Lösung für diesen Engpaß Pläne für neue Europa-Verbindungen im ersten Halbjahr 2026 verschieben müsse.

Der Wettbewerb im Europaverkehr: Ein Kampf gegen die Golfairlines

Der Europaverkehr ist für Thai Airways von entscheidender strategischer Bedeutung. Die lukrativen Strecken zwischen Europa und Asien sind stark umkämpft und werden von mehreren Akteuren dominiert. Insbesondere die grossen Fluggesellschaften aus den Golfstaaten, wie Emirates, Qatar Airways und Etihad, haben in den letzten Jahren massive Marktanteile auf diesen Strecken gewonnen. Sie nutzen ihre strategisch gelegenen Drehkreuze in Dubai, Doha und Abu Dhabi, um attraktive Umsteigeverbindungen anzubieten. Ihre modernen Flotten und ihr hoher Servicestandard haben sie zu ernsthaften Konkurrenten für die traditionellen europäischen und asiatischen Fluggesellschaften gemacht.

Auch Airlines aus anderen Regionen, wie Turkish Airlines aus Istanbul, haben ihre Präsenz im Europaverkehr gestärkt. Die Modernisierung der Flotte von Thai Airways zielt direkt darauf ab, im Wettbewerb mit diesen mächtigen Kontrahenten bestehen zu können. Mit neuen und effizienten Maschinen soll die Airline ihre Position als Premium-Anbieter zurückerobern und ihr Streckennetz nach Europa weiter ausbauen. Der aktuelle Kapazitätsengpaß ist in diesem Kontext besonders ärgerlich, da er die Fluggesellschaft in ihren Bemühungen, Marktanteile zurückzugewinnen, behindert.

Leasing als Überbrückungslösung: Die Suche nach sofortiger Kapazität

Um den Kapazitätsengpaß zu überbrücken und die Auslieferung der neuen Flugzeuge zu überstehen, prüft Thai Airways derzeit intensiv den globalen Leasingmarkt. Das Leasing von Flugzeugen ist eine gängige Praxis in der Luftfahrtindustrie und ermöglicht es Fluggesellschaften, kurzfristig Kapazitäten zu sichern, ohne die hohen Kosten eines Kaufs tragen zu müssen. In der Regel werden die Flugzeuge dabei „nackt“ (als sogenannte „dry lease“) gemietet, was bedeutet, daß die Airline für die Besatzung, Wartung und Versicherung selbst verantwortlich ist.

Der Leasingmarkt ist jedoch derzeit hart umkämpft, da die weltweite Nachfrage nach verfügbaren Flugzeugen hoch ist. Thai Airways sucht nach geeigneten Langstreckenflugzeugen, die in die bestehende Flotte passen oder leicht integriert werden können, um das Sitzplatzangebot für das erste Halbjahr 2026 zu sichern. Eine erfolgreiche Leasinglösung würde es der Airline ermöglichen, ihre Pläne für neue Europa-Verbindungen wie geplant umzusetzen und die Lücke bis zur Auslieferung der bestellten Boeings zu füllen.

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