Die kenianische Staatsfluggesellschaft Kenya Airways kämpft erneut mit finanziellen Schwierigkeiten. Wie bekannt wurde, hat die Airline kurzfristige Darlehen in Höhe von 50 Millionen US-Dollar von lokalen Geschäftsbanken erhalten, um ihren dringendsten Betriebskapitalbedarf zu decken.
Diese sogenannte Überbrückungsfinanzierung ist notwendig geworden, da eine geplante langfristige Kapitalbeschaffung von 500 Millionen US-Dollar, die das Unternehmen nachhaltig stabilisieren soll, ins Stocken geraten ist. Das Hauptproblem liegt in der Verzögerung der Genehmigung durch die kenianische Regierung, die mit einem Anteil von 49 Prozent der Hauptaktionär der Fluggesellschaft ist. Die aktuellen Herausforderungen bei Kenya Airways sind ein Spiegelbild der anhaltenden Spannungen in der globalen Luftfahrt, die durch operative Engpässe und die Suche nach stabiler Finanzierung gekennzeichnet ist.
Ein Rückfall in die roten Zahlen: Die finanzielle Lage im ersten Halbjahr
Die finanziellen Zahlen für das erste Halbjahr 2025 zeichnen ein beunruhigendes Bild. Kenya Airways schlitterte mit einem Nachsteuerverlust von 12,15 Milliarden kenianischen Schilling (entsprechend 94 Millionen US-Dollar) wieder in die Verlustzone, nachdem im gleichen Zeitraum des Vorjahres noch ein kleiner Gewinn von 513 Millionen Schilling (vier Millionen US-Dollar) erzielt werden konnte. Die Umsätze des Unternehmens fielen um fast 19 Prozent auf 74,5 Milliarden Schilling (577 Millionen US-Dollar), ein direkter Spiegelbild des Rückgangs der Passagierzahlen um 14 Prozent und einer Reduzierung der verfügbaren Sitzkapazität um 16 Prozent.
Diese negativen Entwicklungen, so gab die Airline bekannt, sind das Resultat einer Kombination aus betrieblichen und finanziellen Schwierigkeiten. Die Liquidität der Gesellschaft geriet unter Druck, da die Einnahmen sanken, während die Betriebskosten nur um 4,6 Prozent auf 86,7 Milliarden Schilling (671 Millionen US-Dollar) gesenkt werden konnten. Der Finanzierungsbedarf für laufende Operationen wie die Wartung von Triebwerken und der Kauf von Ersatzteilen konnte nicht mehr vollständig aus dem regulären Betrieb gedeckt werden, was die Suche nach einer externen Finanzierung zwingend erforderlich machte.
Der Dreamliner-Engpaß: Globale Lieferkettenprobleme als operativer Bremsklotz
Ein Hauptgrund für den Rückgang der verfügbaren Kapazitäten ist die zeitweise Stilllegung von Flugzeugen. Kenya Airways sah sich gezwungen, drei ihrer neun Boeing 787-8 Dreamliner am Boden zu lassen, was einem Drittel ihrer Grossraumflugzeugflotte entspricht. Die Stilllegung ist auf die globalen Probleme bei den Lieferketten zurückzuführen, die sich in Engpässen bei Ersatzteilen und der Verfügbarkeit von Triebwerken manifestieren. Dies ist ein Problem, das nicht auf Kenya Airways beschränkt ist, sondern zahlreiche Fluggesellschaften weltweit betrifft, die auf die komplexen Lieferketten von Triebwerksherstellern wie Rolls-Royce oder General Electric angewiesen sind.
Die Engpässe sind so gravierend, daß die Nachfrage nach Originalersatzteilen die Lieferkapazitäten um 10 bis 20 Prozent übersteigt, wodurch 40 Prozent aller Fluggesellschaften von den Lieferstörungen betroffen sind. Konzernchef Allan Kilavuka bestätigte, daß die Stilllegung der Flugzeuge die dringend benötigten Einnahmen schmälert und die Kosten für Wartung und Instandhaltung in die Höhe treibt. Er kündigte an, daß eine der Maschinen im Juli den Dienst wieder aufgenommen habe und die verbleibenden beiden Dreamliner im Laufe des Jahres wieder in die Luft gehen sollen.
Das strategische Dilemma: Zwischen Staatsbeteiligung und privater Investition
Der kurzfristige Kredit ist nur eine Notlösung. Für eine nachhaltige Erholung setzt die Airline auf eine geplante Kapitalerhöhung von mindestens 500 Millionen US-Dollar durch einen strategischen Investor. Ein solcher Partner würde nicht nur dringend benötigte Liquidität bereitstellen, sondern auch strategisches Know-how, und möglicherweise sogar Flugnetzsynergien, um die Marktposition von Kenya Airways zu stärken. Die Suche nach einem solchen Investor ist jedoch ins Stocken geraten, da das kenianische Parlament und die Regierung ihre Zustimmung für das Investitionsmemorandum noch nicht erteilt haben.
Die staatliche Beteiligung ist in diesem Fall ein zweischneidiges Schwert. Einerseits bietet der Staat eine gewisse Sicherheit für die Fluggesellschaft, andererseits führt die Notwendigkeit politischer Genehmigungen zu einer schwerfälligen und zeitintensiven Bürokratie. Der Konzernchef äusserte sich frustriert über die Verzögerung: „Wir hatten gehofft, dies im Jahre 2024 abzuschliessen, aber wir warten derzeit auf die Genehmigung durch den Hauptaktionär.“ Die Langsamkeit des politischen Prozesses verzögert eine dringend benötigte langfristige Lösung und zwingt das Unternehmen, auf teure und nur vorübergehende Finanzierungslösungen zurückzugreifen.
Das Manöver der Überbrückungsfinanzierung: Ein kurzfristiger Rettungsanker
Die 50 Millionen US-Dollar, die durch die lokalen Kredite gesichert wurden, dienen als Überbrückungsfinanzierung, um die Zeit bis zur Genehmigung der Kapitalerhöhung zu überbrücken. Solche kurzfristigen Darlehen werden in der Regel zu höheren Zinsen vergeben und sind somit eine teurere Lösung als eine langfristige Kapitalerhöhung durch einen strategischen Investor. Die Tatsache, daß die Fluggesellschaft diesen Weg einschlagen mußte, verdeutlicht die Dringlichkeit der Situation. Sie beweist, daß die Liquidität der Airline an einem kritischen Punkt angelangt ist und sie keine Zeit mehr verlieren kann, um ihre laufenden Verpflichtungen zu erfüllen, wie etwa die Bezahlung von Ersatzteilen oder die Wartung der Triebwerke.
Die Auswirkungen der Engpässe sind nicht nur in den Finanzzahlen sichtbar. Kenya Airways hatte gehofft, in diesem Jahr vier Schmalrumpfflugzeuge in ihre Flotte aufzunehmen, konnte aber nur ein einziges Flugzeug des Typs Boeing 737-800 in Betrieb nehmen. Dies hat dazu geführt, daß die Flotte der gesamten Kenya Airways Group bei 42 Flugzeugen stagniert, was die Wachstumspläne der Airline einschränkt. Die Flotte von Kenya Airways besteht aktuell aus 33 Flugzeugen, ergänzt durch neun DHC-8-Q400 des Tochterunternehmens Jambojet.
Der Wettbewerb am Himmel Afrikas: Kampf um Marktanteile und Konnektivität
Die finanziellen und operativen Probleme von Kenya Airways fallen in eine Zeit, in der der afrikanische Luftfahrtmarkt von einem intensiven Wettbewerb geprägt ist. Etablierte afrikanische Fluggesellschaften wie Ethiopian Airlines und South African Airways kämpfen um Marktanteile, während internationale Riesen aus den Golfstaaten und Europa ihre Präsenz auf dem Kontinent ausbauen. Die Kapazitätsengpässe von Kenya Airways, die durch die Stilllegung von drei Dreamlinern entstanden sind, geben den Konkurrenten einen Vorteil. Ethiopian Airlines hat seine aggressive Expansion auf dem Kontinent fortgesetzt, und die Golf-Airlines nutzen ihre strategischen Drehkreuze, um den Verkehr von und nach Afrika zu dominieren.
Der Generaldirektor betonte, daß der Fokus der Airline auf die Wiederherstellung der vollen Flottenkapazität, die weitere Kostenoptimierung und den Abschluß des Kapitalbeschaffungsprogramms gerichtet sei. Diese Massnahmen sollen sicherstellen, daß das Unternehmen „gestärkt, schlanker und besser positioniert hervorgeht“, um langfristigen Wert für Aktionäre und Kunden zu schaffen. Die Fähigkeit der Airline, diese Ziele zu erreichen, wird entscheidend sein für ihre Zukunft und ihre Rolle als regionaler Akteur im hart umkämpften afrikanischen Luftverkehrsmarkt.