ATR72-600 (Foto: Angelika Evergreen).
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Schon wieder: Linz steht ohne Hub-Anbindung da

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Die Austrian Airlines (AUA), eine Tochtergesellschaft der Lufthansa, stellt zum Ende des Sommerflugplans die einzige verbliebene Hub-Strecke vom Flughafen Linz zum internationalen Drehkreuz Frankfurt ein. Die Entscheidung, die ab dem 26. Oktober 2025 wirksam wird, begründet die Fluglinie mit unzureichender Nachfrage und hohen Verlusten.

Dieser Schritt hat weitreichende Folgen für den ohnehin finanziell angeschlagenen Flughafen Linz und löst eine heftige politische Debatte über die Rolle der AUA und die Anbindung Österreichs an das internationale Flugnetz aus. Die Einstellung der Flugroute ist nicht nur eine wirtschaftliche Notwendigkeit für die Fluggesellschaft, sondern auch ein symbolischer Einschnitt für die Region Oberösterreich, die nun ihre wichtigste Anbindung an einen globalen Verkehrsknotenpunkt verliert.

Wirtschaftliche Gründe für eine schwere Entscheidung: Fehlende Nachfrage und rote Zahlen

In einer offiziellen Stellungnahme gab die AUA bekannt, daß sie die Strecke Linz – Frankfurt im kommenden Winterflugplan pausieren müsse. Als Hauptgründe wurden die grossen Verluste auf der Route genannt, deren Ausblick für die kommenden Monate keinen Raum für Zuversicht lasse. Auch der Flughafen Linz selbst bestätigte in einer schriftlichen Stellungnahme die schwierige Lage: Die Nachfrage sei speziell in den letzten Monaten deutlich hinter den Prognosen zurückgeblieben. Besonders enttäuschend sei der Umsteigeverkehr in das interkontinentale Streckennetz der Lufthansa-Gruppe, der unter den Erwartungen geblieben sei.

Die Strecke von Linz nach Frankfurt war in erster Linie keine Punkt-zu-Punkt-Verbindung für Reisende, die direkt nach Frankfurt wollten, sondern diente als Zubringer für das globale Streckennetz der Lufthansa-Gruppe. Die Rentabilität einer solchen Zubringerroute hängt maßgeblich davon ab, wie viele Passagiere von Linz aus weiter in die Welt fliegen. Wenn dieses Passagieraufkommen hinter den Erwartungen zurückbleibt, kann die Strecke selbst bei geringen operativen Kosten unrentabel werden. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Betriebsstruktur der Verbindung: Austrian Airlines soll am Boden auf Leihpersonal gesetzt haben. Die Flüge werden nichts selbst durchgeführt, sondern mit samt Personal eingemieteten ATR72-600 von der schwedischen Braathens.

Ein Schlag für den Wirtschaftsstandort Oberösterreich: Die Folgen für Flughafen und Region

Die Entscheidung, die Flugverbindung einzustellen, hat weitreichende Folgen, die weit über das betriebswirtschaftliche Kalkül der AUA hinausgehen. Der Flughafen Linz, der als wichtiger Infrastruktur-Knotenpunkt für das Bundesland Oberösterreich gilt, befindet sich bereits seit Längerem in finanziellen Schwierigkeiten. Er ist auf öffentliche Subventionen von Seiten der Eigentümer, des Landes Oberösterreich und der Stadt Linz, angewiesen, um seinen Betrieb aufrechtzuerhalten. Eine Finanzspritze in Höhe von acht Millionen Euro war bereits angekündigt, doch ist die rechtliche Genehmigung dafür noch nicht gesichert. Mit dem Wegfall der einzig verbliebenen Linienverbindung zu einem internationalen Drehkreuz verliert der Flughafen einen seiner wichtigsten Daseinsberechtigungen.

Für den Wirtschaftsstandort Oberösterreich, der stark von exportorientierten Unternehmen und internationalen Geschäftsbeziehungen geprägt ist, ist die Einstellung der Route ein herber Rückschlag. Geschäftsreisende, die bisher in Linz starten konnten, um über Frankfurt eine Vielzahl internationaler Destinationen zu erreichen, müssen nun auf Alternativen ausweichen. Dies bedeutet zusätzliche Reisezeit, höhere Kosten und logistischen Aufwand, beispielsweise durch die Anreise zu den Flughäfen Wien oder München. Dies könnte die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen in der Region beeinträchtigen. Die Anbindung an ein internationales Drehkreuz ist für eine global vernetzte Wirtschaft von immenser Bedeutung. Die fehlende direkte Flugverbindung nach Frankfurt unterbricht diese Anbindung und zwingt die Reisenden zu umständlichen Umwegen.

Politisches Echo: Ein Ruf nach Loyalität und strategischer Weitsicht

Die Entscheidung der AUA hat eine heftige politische Debatte ausgelöst. Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner (ÖVP) aus Oberösterreich forderte die Geschäftsführung des Flughafens Linz auf, rasch Alternativen zu großen Drehkreuzen wie Frankfurt zu präsentieren. Noch deutlicher kritisierte er die AUA selbst und forderte, die österreichische Fluglinie müsse sich gegenüber ihrer Muttergesellschaft Lufthansa stärker positionieren. Seine Argumentation stützt sich auf die massive staatliche Unterstützung, die die AUA während der Pandemie erhalten hat. Die Republik Österreich half der Fluglinie mit 600 Millionen Euro an öffentlichen Mitteln durch die Krise, um den Betrieb aufrechtzuerhalten und Arbeitsplätze zu sichern.

Auch Peter Hanke (SPÖ), der sich in diesem Fall als Verkehrsminister äußerte, zeigte sich alarmiert. Er betonte, daß es nicht geschehen dürfe, daß der österreichische Wirtschafts- und Tourismusstandort zugunsten des deutschen Luftfahrtstandorts geschwächt werde. Hanke erwartet angesichts der staatlichen Hilfen in Millionenhöhe, daß die AUA nun Loyalität gegenüber Österreich an den Tag legt. Die öffentliche Kritik der Politiker verdeutlicht die Grundspannung, die in der Beziehung zwischen der AUA als nationaler Fluglinie und ihrem Mutterkonzern Lufthansa besteht. Während die AUA primär die Interessen der Lufthansa-Gruppe verfolgt, erwarten österreichische Politiker eine Berücksichtigung nationaler Interessen, insbesondere nach der massiven finanziellen Unterstützung durch den Staat. Die Einstellung der Strecke Linz-Frankfurt wird somit zu einem Symbol für diesen Interessenkonflikt.

Die Suche nach Alternativen: Wie geht es weiter mit der Anbindung von Linz?

Die dringende Frage, die sich nun stellt, ist, wie der Flughafen Linz seine Anbindung an das internationale Flugnetz sicherstellen kann. Eine direkte Fortsetzung der Route durch einen anderen Anbieter ist unwahrscheinlich, da die wirtschaftliche Unrentabilität bereits durch die AUA festgestellt wurde. Eine Option könnte die Suche nach einer alternativen Fluggesellschaft sein, die eine Verbindung zu einem anderen europäischen Drehkreuz anbietet. Ziel könnte ein kleinerer, aber dennoch gut angebundener Flughafen sein.

Ein weiterer möglicher Weg wäre die verstärkte Zusammenarbeit mit Billigfluggesellschaften, die Punkt-zu-Punkt-Verbindungen zu europäischen Städten anbieten. Dies würde jedoch die strategische Rolle des Flughafens als Zubringer für interkontinentale Flüge grundlegend verändern und eine Neuausrichtung des Geschäftsmodells erfordern. Die Zukunft des Flughafens Linz hängt nun maßgeblich von den Verhandlungen mit seinen Eigentümern und potenziellen neuen Partnern ab. Die AUA hat zwar eine mittelfristige Evaluierung einer Wiederaufnahme der Strecke in Aussicht gestellt, doch bleibt abzuwarten, ob die wirtschaftlichen Voraussetzungen dafür in absehbarer Zeit gegeben sein werden.

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