Die Deutsche Lufthansa steht vor einer großen Herausforderung bei der Einführung ihres neuen Langstreckenprodukts „Allegris“. Obwohl die erste Boeing 787-9 mit der lang ersehnten neuen Business Class bereits in Frankfurt gelandet ist, bleibt der Großteil der Business-Class-Kabine vorerst unbesetzt. Eine fehlende finale Zulassung durch die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA (Federal Aviation Administration) zwingt die Airline, die Buchungsmöglichkeiten auf nur wenige Sitze zu beschränken.
Der geplante Einsatz des neuen Flugzeugs auf der Strecke von Frankfurt nach Toronto ab Oktober wird somit zunächst ein Testlauf unter erschwerten Bedingungen. Die Verzögerungen in der Zulassung werfen ein Schlaglicht auf die komplexen Abläufe in der Luftfahrtindustrie und die strengen Sicherheitsanforderungen, die Innovationen im Flugverkehr begleiten.
Das neue Bordprodukt und die lange Wartezeit
Nach monatelangen Verzögerungen hat die Lufthansa Ende Juli 2025 ihre erste Boeing 787-9 mit dem neuen „Allegris“-Produkt in Frankfurt in Empfang genommen. Das neue Bordprodukt, das die Lufthansa mit großem Werbeaufwand angekündigt hat, verspricht eine Revolution des Reiseerlebnisses in der First-, Business-, Premium-Economy- und Economy-Class. Besonders die Business Class soll mit neuen Sitzen, die mehr Privatsphäre und Komfort bieten, die Konkurrenz übertrumpfen. Das Flugzeug, das die Kennung D-ABPF trägt, soll nach einer Restaufrüstung in den Flugbetrieb integriert werden und ab dem 9. Oktober die Linie Frankfurt-Toronto bedienen.
Doch die Vorfreude wird durch eine unerwartete Hürde getrübt: die ausstehende finale Zulassung der Business-Class-Module durch die FAA. Diese Zulassung ist unerlässlich, da die Behörde eine Reihe von umfangreichen Belastungstests vorschreibt, um die Sicherheit und Stabilität der neuen Sitzkonfigurationen zu gewährleisten. Bis diese Abnahme erfolgt, darf die Lufthansa nur einen Bruchteil der Business-Class-Sitze an Passagiere verkaufen. Berichten zufolge sind vorerst nur vier der insgesamt 28 Business-Class-Sitze pro Flug buchbar. Lufthansa-Chef Carsten Spohr bestätigte Ende Juli die Problematik und erklärte, dass man die Flugzeuge anfangs nur auf Linien einsetzen werde, „auf denen wir nicht viel Business-Class-Nachfrage haben“. Die Fluggesellschaft hofft, die vollständige Zulassung noch vor Jahresende zu erhalten.
Die Verzögerungen bei der Zulassung sind nicht ungewöhnlich in der Luftfahrtindustrie. Die Genehmigung neuer Flugzeugteile oder Kabinenausstattungen durch Aufsichtsbehörden wie die FAA ist ein langwieriger und komplexer Prozess, bei dem die Sicherheit der Passagiere an oberster Stelle steht. Solche Tests können Wochen oder sogar Monate in Anspruch nehmen, und jede geringfügige Abweichung kann zu weiteren Verzögerungen führen. Für die Lufthansa bedeutet dies einen Rückschlag in ihrer ambitionierten Strategie, sich mit einem hochmodernen Langstreckenprodukt von der Konkurrenz abzusetzen.
Strategische Anpassungen im Flugplan
Um die Situation zu entschärfen, hat die Lufthansa strategische Anpassungen im Flugplan vorgenommen. Die erste Boeing 787-9 mit dem Allegris-Produkt wird, wie geplant, auf der Linie nach Toronto eingesetzt, einer Strecke, auf der die Nachfrage nach Business-Class-Sitzen nicht so hoch ist wie auf den lukrativen asiatischen Routen. Darüber hinaus stellt die Lufthansa auch die Linie Frankfurt-Bangalore von einem Umlauf mit einer Boeing 747-400 auf die Bedienung mit einer 787-9 um. Diese Maßnahmen sollen sicherstellen, dass das neue Flugzeug trotz der eingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten wirtschaftlich eingesetzt werden kann.
Die Herausforderung für die Lufthansa besteht darin, die Erwartungen der Kunden zu managen. Das neue Allegris-Produkt wurde als Inbegriff von Komfort und Luxus beworben, und die Kunden haben hohe Erwartungen. Ein Einsatz mit einer fast leeren Business-Class-Kabine könnte, obwohl es sich um eine Notlösung handelt, zu Verwirrung und Unmut bei den Passagieren führen, die auf ein vollwertiges Allegris-Erlebnis gehofft hatten.
Blick in die Zukunft: Die Allegris-Flotte wächst
Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten bleibt die Lufthansa optimistisch, was die Zukunft ihres Allegris-Produkts angeht. Bis zum Jahresende erwartet der Konzern die Auslieferung von bis zu neun weiteren Boeing 787-9 mit der neuen Kabinenausstattung. Zum Sommerflugplan 2026 soll die neue Teilflotte bereits 15 Flugzeuge umfassen. Die Boeing 787-9 ist ein zentraler Baustein in der Langstreckenflotte der Lufthansa. Das Flugzeug zeichnet sich durch seine Effizienz und Wirtschaftlichkeit aus, was es zu einer idealen Ergänzung für die Langstreckenflotte macht, die hauptsächlich aus der Boeing 747-8, dem Airbus A350 und dem A380 besteht.
Die Boeing 787-9, auch als „Dreamliner“ bekannt, ist für ihre moderne Technologie und ihren Passagierkomfort geschätzt. Die Flugzeuge sind leiser als ihre Vorgänger, verbrauchen weniger Treibstoff und sind mit modernen Kabinensystemen ausgestattet, die den Passagierkomfort erhöhen. Die geplante Integration des Allegris-Produkts in diese Flugzeuge ist Teil der umfassenden Flottenerneuerung der Lufthansa. Mit der neuen Business Class will die Airline nicht nur den Komfort für ihre Kunden erhöhen, sondern auch ihre Position im globalen Wettbewerb der Premium-Fluggesellschaften stärken. Der Erfolg dieser Strategie hängt jedoch maßgeblich von der zügigen Zulassung der Allegris-Kabinen ab. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Lufthansa die behördlichen Hürden überwinden und ihr neues Luxusprodukt wie geplant auf den Markt bringen kann.