Boeing 787-8 (Rendering: Boeing).
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Westjet beglückt Boeing mit Großbestellung

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Der Flugzeughersteller Boeing und die kanadische Fluggesellschaft WestJet haben am 3. September 2025 die größte Flugzeugbestellung in der Geschichte der kanadischen Fluglinie bekanntgegeben. Die umfangreiche Vereinbarung umfaßt den Kauf von 67 neuen Maschinen, darunter 60 Boeing 737-Max-10 und sieben 787-9 Dreamliner.

Mit dieser strategischen Investition, welche Optionen für 29 weitere Flugzeuge beinhaltet, baut WestJet seine Flotte erheblich aus und festigt seine Position als größter Boeing-Kunde in Kanada. Die Bestellung, die bis 2034 ausgeliefert werden soll, ist ein klares Signal für die Wachstumspläne der Fluggesellschaft, die sowohl ihr nationales als auch ihr internationales Streckennetz erweitern möchte. Für Boeing bedeutet der Auftrag eine Stärkung der Geschäftsbeziehung, die seit fast drei Dekaden besteht, und eine wichtige Bestätigung für die Modelle 737-10 und 787-9.

Eine strategische Flottenerneuerung und -erweiterung

Die nunmehr beschlossene Bestellung ist das Resultat einer langfristigen Strategie von WestJet, die darauf abzielt, die Flotte zu erneuern und gleichzeitig die Kapazitäten zu steigern. Mit den neuen Maschinen steigt die Gesamtzahl der fest bestellten Flugzeuge von WestJet bei Boeing auf 123. Dies unterstreicht die tiefe Bindung an den amerikanischen Flugzeugbauer und die strategische Ausrichtung der Flotte auf dessen Produkte. Die Wahl der Modelle ist dabei kein Zufall: Der Boeing 737-10, der größte Vertreter der 737-Familie, gilt als das kostengünstigste Schmalrumpfflugzeug pro Sitzplatz und ist damit ideal für das Geschäftsmodell von WestJet. Die Fluggesellschaft plant, diese Maschinen vor allem auf inländischen und grenzüberschreitenden Strecken einzusetzen, um dort mehr Kapazitäten anzubieten.

Zusätzlich zur Stärkung der Kurz- und Mittelstreckenflotte setzt WestJet auch auf eine Expansion im Langstreckenbereich. Die Bestellung von sieben 787-9 Dreamlinern mit der Option auf vier weitere Maschinen wird die Dreamliner-Flotte der Fluggesellschaft verdoppeln. Aktuell betreibt WestJet bereits sieben dieser Großraumflugzeuge, die hauptsächlich für Langstreckenflüge nach Europa, Asien und Lateinamerika genutzt werden. Die Erweiterung der 787-Flotte ist entscheidend für das Ziel von WestJet, seine internationalen Verbindungen auszubauen und neue Märkte zu erschließen.

Hintergründe der Entscheidung

Die Entscheidung für eine so umfassende Bestellung kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem sich WestJet unter der Führung von CEO Alexis von Hoensbroech strategisch neu positioniert hat. Der ehemalige CEO von Austrian Airlines hat sich zum Ziel gesetzt, WestJet als führenden Billigfluganbieter mit einem globalen Langstreckenangebot zu etablieren. Ein wichtiger Teil dieser Strategie ist die Fokussierung auf Calgary als globales Drehkreuz. Von Hoensbroechs Plan, die Fluggesellschaft innerhalb von fünf Jahren zu verdoppeln, findet nun in dieser massiven Flugzeugbestellung seine Bestätigung. Die Auslieferungen der neuen Maschinen sind bis 2034 geplant, was einen langfristigen Ausbau der Kapazitäten gewährleistet. WestJet, das 1996 mit lediglich drei Boeing 737 den Betrieb aufnahm, hat sich seitdem zu einem der größten Luftfahrtunternehmen Kanadas entwickelt und betreibt derzeit eine der jüngsten Flotten unter den großen nordamerikanischen Fluggesellschaften.

Die Bestellung der 737-10-Modelle ist jedoch nicht ohne Risiko, da die Zertifizierung dieses Flugzeugtyps noch aussteht. Die Entwicklung der 737-10, des größten Mitglieds der 737-MAX-Familie, wurde durch verschiedene Faktoren verzögert. Jüngsten Berichten zufolge wird die endgültige Zulassung durch die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA nicht vor 2026 erwartet. Dennoch scheint WestJet als sogenannter Erstkunde für dieses Modell in Nordamerika eine Schlüsselrolle zu spielen. Die Fluggesellschaft hat sich mit dieser Bestellung klar zu dem Flugzeugtyp bekannt, obwohl der Zertifizierungsprozeß von der Öffentlichkeit und den Behörden kritisch beobachtet wird. Diese Entscheidung zeigt das Vertrauen in Boeing und die Überzeugung, daß der 737-10 eine wesentliche Rolle in der zukünftigen Flottenplanung spielen wird.

Für Boeing, das in den letzten Jahren mit Herausforderungen in der Produktion und den Zulassungsverfahren konfrontiert war, ist diese Bestellung ein dringend benötigtes Zeichen des Vertrauens. Stephanie Pope, Präsidentin und CEO von Boeing Commercial Airplanes, betonte die langjährige Partnerschaft und die Bedeutung des Auftrages für die Festigung der Flottenplanung von WestJet für die kommenden Jahrzehnte. Die Vereinbarung, die Berichten zufolge einen Wert von über zehn Milliarden US-Dollar haben soll, sichert nicht nur Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten, sondern hat auch wirtschaftliche Vorteile für Kanada.

Die Auswirkungen auf den Luftverkehr

Die Ausweitung der WestJet-Flotte wird voraussichtlich erhebliche Auswirkungen auf den kanadischen und internationalen Luftverkehr haben. Die Fluggesellschaft verfolgt das Ziel, erschwingliche Reiseoptionen anzubieten und gleichzeitig ihr Streckennetz zu verdichten. Die 737-10 wird mit ihrer höheren Sitzplatzkapazität die Möglichkeit schaffen, mehr Passagiere auf beliebten Routen zu befördern, was zu einem verstärkten Wettbewerb und möglicherweise zu niedrigeren Preisen führen könnte.

Gleichzeitig ermöglicht die Verdoppelung der Langstreckenflotte mit den Dreamlinern eine direkte Konkurrenz zu anderen Anbietern auf lukrativen transatlantischen und trans-pazifischen Strecken. Dies positioniert WestJet als einen ernstzunehmenden Konkurrenten für traditionelle Fluggesellschaften. Die Strategie, sich auf internationale Verbindungen von Calgary aus zu konzentrieren, spiegelt die wachsende Bedeutung der Stadt als globales Drehkreuz wider und bietet den Reisenden aus dem Westen Kanadas direktere und bequemere Reisemöglichkeiten. Die Bestellung ist daher nicht nur eine wirtschaftliche Entscheidung, sondern auch ein Bekenntnis zur Vision, die kanadische Luftfahrtlandschaft nachhaltig zu verändern.

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