Boeing 737-800 Heckflosse (Foto: Jan Gruber).
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Wettstreit im österreichischen Luftraum: Ryanair fordert Abschaffung der Luftverkehrssteuer

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In einem scharfen Appell hat die irische Fluggesellschaft Ryanair die österreichische Regierung aufgefordert, dringend die hohen Luftverkehrssteuern und Gebühren zu senken, um den heimischen Luftverkehr und Tourismus zu fördern. Die Forderung ist eine direkte Reaktion auf die jüngsten strategischen Entscheidungen der Lufthansa Gruppe, weitere Kapazitäten in Österreich abzubauen und das Management der Tochtergesellschaft AUA nach Frankfurt zu verlagern.

Während die Lufthansa Group die regionale Anbindung, wie zuletzt die Strecke Linz-Frankfurt, aufgibt, positioniert sich Ryanair als der einzige verbliebene Linienflieger ab Linz und als potentieller Retter der österreichischen Flugverbindungen. Die Fluggesellschaft hat der Regierung einen ambitionierten Investitionsplan von einer Milliarde US-Dollar vorgelegt, um das Passagieraufkommen in Österreich signifikant zu steigern. Die Realisierung dieser Pläne ist jedoch an die Bedingung geknüpft, daß die österreichische Politik die Rahmenbedingungen durch eine Reduzierung der Kosten für Fluglinien verbessert.

Lufthansa zieht sich zurück, Ryanair drängt vor

Die Auseinandersetzung zwischen Ryanair und der Lufthansa Gruppe um den österreichischen Markt spitzt sich zu. Der Rückzug der Lufthansa aus regionalen Märkten in Österreich, wie die Einstellung der Route von Linz nach Frankfurt, wird von Ryanair als weiterer Beleg für die strategische Verlagerung des Wachstums nach Deutschland gesehen. Laut Ryanair ist die Lufthansa-Gruppe, zu der auch die AUA gehört, eine „Hochpreis-Fluggesellschaft“, die in Österreich Kapazitäten abbaut, um die Ticketpreise weiter zu erhöhen. Dieses Vorgehen sei ein Schlag ins Gesicht der österreichischen Steuerzahler, die die AUA während der Krise mit 600 Millionen Euro gerettet hätten. Die AUA selbst hat in den letzten Jahren wiederholt Kapazitäten und Strecken reduziert, was zu einer zunehmenden Konzentration auf den Flughafen Wien-Schwechat führte. Diese Entwicklung hat jedoch ländliche Regionen wie Oberösterreich und die Stadt Linz in ihrer internationalen Anbindung geschwächt.

In diesem Vakuum sieht Ryanair eine Chance und positioniert sich als Alternative. Die Fluggesellschaft ist nach eigener Aussage die einzige, die noch Linienflüge von und nach Linz anbietet und bereit ist, den Flugverkehr in Österreich auszubauen. Dieses aggressive Vorgehen ist Teil einer bewährten Strategie von Ryanair, die oft von den Lücken profitiert, die traditionelle Fluggesellschaften hinterlassen, und dann mit einem Fokus auf niedrige Preise neue Märkte erschließt.

Österreichs Kostenstruktur als Hürde

Die zentrale Forderung von Ryanair an die österreichische Regierung ist die Abschaffung der Luftverkehrssteuer in Höhe von 12 Euro pro Passagier sowie eine Senkung der Flughafen- und Sicherheitsgebühren. Nach Ansicht der Fluggesellschaft gehören diese zu den höchsten in Europa und behindern das Wachstum des Luftverkehrs. Der Vergleich mit Nachbarländern wie Ungarn und Italien, die die Luftverkehrssteuer bereits abgeschafft haben, und mit Schweden, das ebenfalls Maßnahmen zur Kostensenkung ergriffen hat, soll die Dringlichkeit der Situation unterstreichen. Diese Länder haben durch die Senkung der Kosten ein schnelles Wachstum bei neuen Routen und Passagierzahlen ermöglicht.

Ryanair hat der österreichischen Regierung einen detaillierten Plan vorgelegt. Dieser sieht vor, das jährliche Passagieraufkommen von derzeit sieben Millionen auf zwölf Millionen zu steigern. Um dieses Ziel zu erreichen, plant Ryanair, bis 2030 bis zu zehn neue Boeing 737-Flugzeuge in Österreich zu stationieren. Eine Investition von einer Milliarde US-Dollar ist für die Umsetzung dieses Plans vorgesehen. Andreas Gruber, ein Vertreter von Ryanair, machte in seiner Erklärung deutlich, daß dieses Wachstum nur möglich ist, wenn Österreich eine „wettbewerbsfähige Kostenbasis“ schafft. Die Forderungen von Ryanair zielen darauf ab, eine Umgebung zu schaffen, die für Billigfluggesellschaften attraktiv ist und in der sie ihr Geschäftsmodell der niedrigen Preise und hohen Passagierzahlen umsetzen können.

Politische und wirtschaftliche Implikationen

Die Forderung von Ryanair stellt die österreichische Regierung vor eine schwierige Entscheidung. Die Luftverkehrssteuer ist eine staatliche Einnahmequelle. Ihre Abschaffung würde direkte Einnahmeverluste bedeuten. Auf der anderen Seite könnte die Umsetzung des Ryanair-Plans erhebliche wirtschaftliche Vorteile mit sich bringen. Eine Steigerung der Passagierzahlen würde nicht nur den Tourismus ankurbeln, sondern auch die Arbeitsplätze in der Luftfahrtindustrie und den damit verbundenen Dienstleistungsbereichen stärken. Die Schaffung neuer Flugverbindungen könnte die internationale Anbindung Österreichs verbessern und damit die Attraktivität des Landes für Geschäftsreisende und Touristen erhöhen.

Die Auseinandersetzung zwischen Ryanair und der Lufthansa-Gruppe ist auch ein Spiegelbild des globalen Trends, in dem Billigfluggesellschaften die Vorherrschaft traditioneller Fluggesellschaften in Frage stellen. Während die Lufthansa-Gruppe ihre Strategie auf den Ausbau der großen Drehkreuze und das Premium-Segment konzentriert, besetzt Ryanair die Nische der preisbewußten Reisenden und regionalen Verbindungen. Die Tatsache, daß die Lufthansa-Gruppe das Management der AUA nach Frankfurt verlegt, kann als Zeichen einer tieferen Integration in den Konzern gesehen werden, was die strategische Ausrichtung noch stärker auf Deutschland lenkt.

Ryanair fordert die österreichische Regierung auf, diese Entwicklung zu erkennen und nicht länger auf die „Hochpreis-Lufthansa-Gruppe“ zu setzen. Die Entscheidung der Regierung wird nicht nur darüber entscheiden, ob Ryanair seine Wachstumspläne in Österreich umsetzt, sondern auch, wie sich die österreichische Luftfahrt in den kommenden Jahren positionieren wird: als ein Markt, der von traditionellen Anbietern dominiert wird oder als ein offener Markt, der den Wettbewerb der Billigfluglinien begrüßt.

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