Der Flughafen Linz kämpft um seine Existenz. Nach fünf Jahren in den roten Zahlen, dem nahezu vollständigen Verbrauch seiner Rücklagen und einem deutlichen Rückgang der Passagierzahlen stehen die Eigentümer, das Land Oberösterreich und die Stadt Linz, vor einer wegweisenden Entscheidung. In einer jüngsten Aufsichtsratssitzung wurde das klare Bekenntnis bekräftigt, den Flughafen zu erhalten und die entscheidende Anbindung an das globale Drehkreuz Frankfurt wiederherzustellen.
Diese Verbindung, die von Austrian Airlines eingestellt wurde, gilt als oberste Priorität für die Zukunftssicherung des Flughafens. Während die Eigentümer eine Anschubfinanzierung in Höhe von acht Millionen Euro zugesichert haben, hängt die Umsetzung des Sanierungsplans von der rechtlichen Konformität mit dem strengen EU-Recht ab, das staatliche Beihilfen für Flughäfen streng reglementiert.
Politik beharrt auf Frankfurt
Die politisch Verantwortlichen planen nun die Strecke Linz-Frankfurt auszuschreiben. Das bedeutet konkret, dass jenes Luftfahrtunternehmen, das den Zuschlag erhält, ganz offiziell Subventionen bekommen wird. Wie diese ausgestaltet sind, ist derzeit noch völlig unklar. Vorstellbar sind verschiedene Varianten. Beispielsweise kann es sich um fixe Zuschüsse, eine vollständige Verlustabdeckung bis hin zur kompletten Übernahme des wirtschaftlichen Risikos samt in der Ausschreibung festgesetzter Preise handeln. An welchen Konzern man sich wendet, ist ohnehin klar, denn offenbar ist die oberösterreichische Politik der Meinung, dass man der Lufthansa Group damit Linz-Frankfurt wieder schmackhaft machen kann.
Es gibt aber noch zahlreiche Probleme, die vorab beseitigt werden müssen. Während in vielen europäischen Ländern PSOs an der Tagesordnung sind – man denke an die Anbindung von Inseln an Hauptstädte – gibt es in Österreich momentan keinen einzigen. Auch das Luftfahrtgesetz schließt dies im Anhang mehr oder weniger aus. Gegebenenfalls müssten Anpassungen im Bundesrecht vorgenommen werden.
Dazu kommt, dass die Ausschreibung so gestaltet sein muss, dass sie juristisch wasserdicht ist. Kommen die Politiker auf die glorreiche Idee diese so zu formulieren, dass sie defacto auf den Lufthansa-Konzern zugeschnitten ist und andere Bewerber können zum Beispiel Codeshares auf Lufthansa-Anschlussflüge gar nicht sicherstellen, besteht das hohe Risiko, dass unterlegene Bieter dagegen klagen. Zwei große Billigfluggesellschaften, die selbst in verschiedenen Staaten PSO-Ausschreibungen gewonnen haben, sind dafür bekannt, dass sie vor Gericht ziehen. Dies könnte im Extremfall dazu führen, dass ein Gericht den Zuschlag kippt und dieser dann an einen unterlegenen Bieter erteilt werden muss, der dann als Lowcoster subventionierte Point-to-Point-Flüge anbietet, wovon Umsteiger genau gar nichts haben.
Macht PSO Schule dann wird es richtig teuer
Das viel größere Risiko steckt aber wo ganz anders. Angenommen der in Linz angedachte PSO geht durch und zum Beispiel Austrian Airlines erhält den Zuschlag. Dies würde die Lufthansa Group an den österreichischen Bundesländerflughäfen in eine durchaus gefährliche Verhandlungsposition bringen, denn zum Beispiel für die Anbindungen von Graz, Klagenfurt und Innsbruck könnte man – zumindest in der Theorie – dann auch PSO-Subventionen fordern und mit der Einstellung der Strecke drohen. In Innsbruck ist das ein Schreckensgespenst, denn das AUA-Management selbst hat vor einiger Zeit ins Spiel gebracht, dass die öffentliche Hand den Wert erkennen müsse und wenn diese zusätzliche Frequenzen oder den Erhalt der Routen wichtig findet, könne diese ja eine PSO ausschreiben.
Für die Steuerzahler könnte das äußerst kostspielig werden und den Weg in Richtung „Airlines fliegen nur gegen Subventionen“ ebnen. Klagenfurt ist ein Schreckensbeispiel wie leichtfertig mit Steuergeldern einst Hapag-Lloyd Express (spätere Tuifly), Air Berlin und Ryanair angelockt wurden, um die Passagierzahlen zu pushen. Nachhaltig war das überhaupt nicht, denn bis heute soll der eine oder andere Airlinemanager bei Gesprächen mit dem Flughafen Klagenfurt fragen wie viel Geld man bekommt, wenn man KLU ins Streckennetz aufnimmt. Übrigens: Über eine verschachtelte Konstruktion hat man seinerzeits Condor-Maschinen gechartert, um die Ziele Berlin-Tegel und Hamburg anbieten zu können. Dass Boeing 757 dafür völlig überdimensioniert sind, war der damaligen Politik wohl nicht klar. Dem deutschen Ferienflieger konnte es egal sein, denn die Charterflüge mussten unabhängig von der Anzahl der Passagiere bezahlt werden.
Dass es in Linz nicht „fünf vor Zwölf“, sondern bereits „fünf vor Eins“ ist, ist offensichtlich. Schon bald ist man in der Situation, dass man nur mehr Ryanair als linienmäßigen Carrier hat und wo die Iren ein Monopol haben, wissen diese auch, dass oftmals den Managements der Flughäfen das Wasser bis zum Hals steht und so verhandelt es sich aus Sicht des Lowcosters einfacher. Subventionierte Frankfurt-Flüge könnten auch dazu führen, dass Ryanair irgendwelche „Goodies“ fordern könnte und falls diese nicht gewährt werden, könnten die Iren unter Hinweis auf die hohen Kosten in Österreich die „Fliege“ machen.
Ein Sinkflug in die Verlustzone
Der Flughafen Linz, der bis 2019 noch schwarze Zahlen schrieb, befindet sich seit fünf Jahren in einer anhaltenden Krise. Der Rückgang der Passagierzahlen ist ein zentraler Indikator für die schwierige Lage. Obwohl der internationale Flugverkehr weltweit immer noch nicht das Vorkrisenniveau erreicht hat, ist der Verlust der profitablen Frankfurt-Verbindung für den Linzer Flughafen ein besonders harter Schlag. Die Verbindung zum internationalen Drehkreuz in Frankfurt ist für Regionalflughäfen wie Linz von entscheidender Bedeutung, da sie Reisenden Zugang zu einem globalen Netzwerk von Anschlußflügen bietet. Mit dem Wegfall dieser Route, die als Hauptschlagader des Linzer Langstreckenverkehrs galt, verlor der Flughafen nicht nur Passagiere, sondern auch seine strategische Relevanz für Geschäftsreisende und Touristen.
Die finanzielle Unterstützung in Höhe von insgesamt acht Millionen Euro, die das Land Oberösterreich und die Stadt Linz im Mai zugesichert haben, ist an die Bedingung geknüpft, daß der Flughafen einen belastbaren strategischen Zukunftsplan vorlegt. Nach einer halbjährigen Überprüfungsphase präsentierte das Management am Dienstag die Ergebnisse dieser Strategie im Aufsichtsrat. Obwohl Details nicht an die Öffentlichkeit gelangten, wurde deutlich, daß die Wiederherstellung der Frankfurt-Verbindung im Zentrum der Überlegungen steht. Sowohl Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner als auch der Linzer Bürgermeister Dietmar Prammer betonten die strategische Wichtigkeit dieser Route. „Für eine Stadt wie Linz, die ein internationaler Wirtschafts- und Kulturstandort ist, hat die Anbindung an ein globales Drehkreuz oberste Priorität“, so Prammer.
EU-Recht und die Herausforderung der Subventionierung
Die beabsichtigte Anschubfinanzierung für die Wiederherstellung der Frankfurt-Route steht vor einer großen rechtlichen Hürde: der Vereinbarkeit mit dem EU-Beihilfenrecht. Die Europäische Union hat strenge Vorschriften, um den Wettbewerb im Luftverkehrsmarkt zu schützen und die Subventionierung von Flughäfen durch staatliche Gelder zu verhindern, die den fairen Wettbewerb verzerren könnten. Staatliche Beihilfen für die Entwicklung der Flughafeninfrastruktur sind nur unter bestimmten Bedingungen erlaubt.
Die Genehmigung von staatlichen Hilfen hängt oft von der Größe des Flughafens, dem wirtschaftlichen Nutzen und der Dauer der Subventionierung ab. Kleinere Regionalflughäfen haben unter Umständen bessere Chancen auf eine Genehmigung, da sie oft als wichtiger Bestandteil der regionalen wirtschaftlichen Entwicklung angesehen werden. Allerdings muß der Nutzen der Subventionierung eindeutig nachgewiesen werden. Das Land Oberösterreich und die Stadt Linz stehen vor der Aufgabe, Brüssel davon zu überzeugen, daß die Subvention nicht nur zur Aufrechterhaltung des Betriebs, sondern zur langfristigen wirtschaftlichen Tragfähigkeit des Flughafens beiträgt. Die Ausschreibung der Verbindung Linz-Frankfurt, die Landesrat Achleitner ankündigte, ist ein erster Schritt, um einen privaten Partner zu finden, der bereit ist, die Route zu bedienen. Das Vorhaben hängt jedoch maßgeblich von der Bereitschaft eines Flugunternehmens ab, das Risiko einer unrentablen Route einzugehen, selbst mit einer Anschubfinanzierung.
Strategische Alternativen und die Zukunft der Regionalflughäfen
Die Krise des Linzer Flughafens spiegelt ein breiteres Problem wider, mit dem viele Regionalflughäfen in Europa zu kämpfen haben. In einem Markt, der von großen Drehkreuzen und Billigfluggesellschaften dominiert wird, ist es für kleinere Flughäfen zunehmend schwierig, sich zu behaupten. Viele dieser Flughäfen sind von einer oder wenigen Fluggesellschaften abhängig und besonders anfällig für die Einstellung von Routen, wie es im Falle der Austrian Airlines der Fall war.
Die Zukunft der Regionalflughäfen ist eng mit ihrer Fähigkeit verbunden, alternative Geschäftsmodelle zu finden. Die reinen Passagierzahlen sind oft nicht das einzige Kriterium. Viele Regionalflughäfen setzen verstärkt auf andere Geschäftsbereiche, wie den Frachtverkehr, die Wartung und Reparatur von Flugzeugen, die Ausbildung von Personal oder sogar als Standorte für Testflüge.
Der Linzer Flughafen hat bereits eine starke Frachtabteilung, die in den vergangenen Jahren eine wichtige Einnahmequelle war. Eine Stärkung dieses Bereichs könnte eine Möglichkeit sein, die Abhängigkeit vom Passagierverkehr zu verringern und die finanzielle Stabilität zu erhöhen. Zudem könnte der Fokus auf spezielle Nischenmärkte wie Charter- oder Ferienflüge eine Option sein, um die Auslastung zu verbessern.
Die Entscheidung der Aufsichtsratssitzung unterstreicht, daß die Politik in Linz und Oberösterreich entschlossen ist, den Flughafen zu retten. Der Weg dorthin ist jedoch mit vielen Unsicherheiten verbunden. Die Realisierung der Pläne hängt nicht nur von der EU-Beihilfe ab, sondern auch von der Bereitschaft eines Luftfahrtpartners, die Route nach Frankfurt zu übernehmen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob diese Rettungsstrategie erfolgreich sein wird und der Linzer Flughafen wieder auf Kurs kommt oder ob er gezwungen sein wird, seinen Betrieb drastisch zu reduzieren.