ATR42-600 (Foto: ATR / BARTHE Pierre).
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ATR entwickelt erstes hybrid-elektrisches Regionalflugzeug

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Der französisch-italienische Flugzeughersteller ATR hat den Auftrag erhalten: Er wird zwei große, von der Europäischen Union geförderte Projekte leiten, die darauf abzielen, bis zum Jahr 2030 das weltweit erste hybrid-elektrische Regionalflugzeug in die Luft zu bringen. Die Initiative ist Teil des Clean Aviation Joint Undertaking-Programms und soll die technologische Führungsrolle Europas in der Luftfahrtindustrie untermauern.

Als Testplattform wird eine ATR 72-600 dienen, an der ein Hybrid-Antriebssystem, bestehend aus einem thermischen Motor und Hochleistungsbatterien, erprobt werden soll. Das Vorhaben verspricht eine massive Reduktion der Betriebskosten und eine höhere Effizienz, die den Regionalflugverkehr revolutionieren könnten. Die Bemühungen signalisieren einen tiefgreifenden Wandel in der Branche, die nach neuen Antriebskonzepten sucht.

Ein ehrgeiziger Zeitplan für eine technologische Revolution

Die Ankündigung von ATR, in den nächsten fünf Jahren das weltweit erste hybrid-elektrische Regionalflugzeug zu realisieren, unterstreicht den Ehrgeiz des Unternehmens. Das Projekt wird im Rahmen des Clean Aviation-Programms durchgeführt, einer öffentlich-privaten Partnerschaft, die darauf abzielt, die Entwicklung innovativer Flugzeugtechnologien voranzutreiben. ATR wurde auserwählt, zwei Schlüsselprojekte zu leiten: Hercles und Demetra.

Das Heracles-Projekt konzentriert sich auf die Entwicklung des Hybrid-Antriebskonzepts. Es wird einen thermischen Motor, der mit 100%igem Sustainable Aviation Fuel (SAF) betrieben wird, mit Hochleistungsbatterien und einem elektrischen Motor kombinieren. Diese Kombination soll eine höhere Effizienz und eine verbesserte Leistung, insbesondere bei Start- und Landevorgängen, ermöglichen. Der thermische Motor könnte zum Beispiel während des Fluges die Batterien aufladen, während der elektrische Motor die Schübe bei Start und Steigflug unterstützt. Diese Synergie würde nicht nur die Betriebskosten senken, sondern auch die operative Flexibilität erhöhen.

Die eigentlichen Flugtests sollen im Rahmen des Demetra-Projekts stattfinden. Dafür wird eine ATR 72-600, ein populäres Turboprop-Flugzeug, das in vielen Regionalfluggesellschaften eingesetzt wird, als Testplattform dienen. Die Wahl dieses Modells ist strategisch, da es sich um ein bewährtes und weit verbreitetes Flugzeug handelt, dessen Technologie und Aerodynamik gut verstanden sind. Die Erkenntnisse aus den Flugtests werden direkt in die Entwicklung der nächsten Flugzeuggeneration einfließen.

Synergien mit europäischen Zielen

Die Projekte von ATR stehen in voller Übereinstimmung mit der Ultra-Efficient Regional Aircraft-Initiative von Clean Aviation. Diese Initiative sieht ein Konzept für ein Regionalflugzeug der nächsten Generation vor, das etwa 50 bis 100 Passagiere befördern kann und eine Reichweite von bis zu 500 Seemeilen (ca. 926 km) hat. Das Ziel der Initiative ist es, bis 2035 ein solches Flugzeug in Betrieb zu nehmen.

Die Vision hinter dem hybrid-elektrischen Antrieb geht über eine bloße Effizienzsteigerung hinaus. Die Integration von elektrischem Schub ermöglicht es, die Lärmemissionen, insbesondere in der Nähe von Flughäfen, deutlich zu reduzieren. Dies könnte die Akzeptanz des Flugverkehrs in dicht besiedelten Gebieten erhöhen und den Betrieb von Flughäfen zu früheren oder späteren Zeiten ermöglichen. Der Einsatz von Sustainable Aviation Fuel (SAF) in Kombination mit dem Hybrid-Antrieb macht das Konzept zukunftsfähig und widerstandsfähig gegenüber den steigenden Anforderungen an die Effizienz im Flugbetrieb.

Nathalie Tarnaud Laude, die Geschäftsführerin von ATR, bezeichnete die Initiative als „mehr als eine technologische Demonstration, es ist ein kühnes Bekenntnis zur Zukunft der Regionalfliegerei“. Ihre Worte unterstreichen die Überzeugung des Unternehmens, daß technologische Fortschritte und die Bedürfnisse des Marktes Hand in Hand gehen können.

Der ATR 72-600: Ein bewährter Grundstein für die Zukunft

Die ATR 72-600, das Flugzeug, das als Testplattform dienen wird, ist ein zweimotoriges Turboprop-Flugzeug, das sich seit Jahrzehnten als zuverlässiges Arbeitspferd für Regionalfluggesellschaften weltweit bewährt hat. Seine Stärke liegt in der Fähigkeit, auch kürzere Start- und Landebahnen zu nutzen, was es ideal für den Einsatz an kleineren Flughäfen macht.

Die Wahl dieses Modells als Grundlage für die Hybridtechnologie zeigt, daß ATR nicht bei Null beginnt, sondern auf einer bewährten Plattform aufbaut. Dies reduziert die Entwicklungszeit und die damit verbundenen Risiken. Die Flugerprobungen werden wichtige Daten über die Integration des neuen Antriebssystems, die Leistung der Batterien und das Zusammenspiel der Komponenten liefern. Diese Erkenntnisse werden entscheidend sein, um die Machbarkeit des Konzepts für die breite Anwendung im Regionalverkehr zu beurteilen.

Der Erfolg der ATR-Projekte könnte einen Domino-Effekt in der gesamten Luftfahrtindustrie auslösen. Wenn es gelingt, ein hybrid-elektrisches Regionalflugzeug erfolgreich zu demonstrieren, würde dies nicht nur die Marktposition von ATR stärken, sondern auch andere Hersteller dazu ermutigen, in ähnliche Technologien zu investieren. Dies würde den Wettbewerb ankurbeln und die Entwicklung von effizienteren und leiseren Flugzeugen beschleunigen.

Die Luftfahrtindustrie steht vor einem epochalen Wandel. Nach Jahrzehnten der Fokussierung auf konventionelle Strahltriebwerke, rückt nun die Entwicklung alternativer Antriebssysteme in den Mittelpunkt. Die Projekte von ATR, unterstützt durch die EU, sind ein entscheidender Schritt auf diesem Weg. Sie könnten den Grundstein für eine neue Ära des Regionalflugverkehrs legen, der Effizienz mit verbesserter Leistung und geringeren Betriebskosten verbindet. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob ATR seinen ehrgeizigen Zeitplan einhalten und seine Vision einer hybrid-elektrischen Regionalfluggesellschaft Wirklichkeit werden lassen kann.

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1 Comment

  • AWS , 11. September 2025 @ 10:33

    Condor soll eine ATR 72-600 in ihrer Flotte haben…?? Um welche „Condor“ handelt es sich?

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