Eine Debatte über die Zukunftsfähigkeit des Ultra-Low-Cost-Geschäftsmodells in den Vereinigten Staaten ist entbrannt. Barry Biffle, der Vorstandsvorsitzende der Fluggesellschaft Frontier Airlines, hat die Behauptung von Scott Kirby, dem Chef der großen Linienfluggesellschaft United Airlines, das Ultra-Low-Cost-Konzept sei gescheitert, als „absurd“ zurückgewiesen.
Anlaß für die Diskussion ist die jüngste Insolvenzanmeldung von Spirit Airlines. Biffle betonte in New York, daß das Geschäftsmodell weiterhin erfolgreich sei und die Kostenvorteile für die Billigflieger weiter zunähmen. Er argumentierte, daß die aktuelle Übersättigung des Marktes mit Kapazitäten alle Fluggesellschaften betreffe, nicht nur die Billiganbieter.
Die Gegenposition: Kirby erklärt das Experiment für gescheitert
Der Vorstandsvorsitzende von United Airlines, Scott Kirby, hatte zuvor das Ultra-Low-Cost-Modell als „ein interessantes Experiment“ bezeichnet, das in den USA gescheitert sei. Als Beleg für seine These nannte er die erneute Insolvenz von Spirit Airlines im August 2025. Darüber hinaus hob er hervor, daß einige Billigfluggesellschaften, darunter auch Frontier, sich den traditionsreichen Linienfluggesellschaften annäherten. Er verwies auf die Einführung von Annehmlichkeiten wie First-Class-Sitzen und Treueprogrammen, die traditionell eher bei Linienfluggesellschaften zu finden sind. Frontier plant beispielsweise, ab 2026 First-Class-Sitze einzuführen. Diese Entwicklung zeige seiner Meinung nach, daß das ursprüngliche, auf absolute Sparsamkeit ausgelegte Modell nicht mehr funktioniere.
Die Meinungsverschiedenheit zwischen den Fluggesellschaften hat sich zu einem verbalen Schlagabtausch ausgeweitet. United Airlines hat angekündigt, Kapazitäten auf Strecken zu erhöhen, die von Spirit Airlines bedient werden, falls diese Fluggesellschaft den Betrieb einstellen sollte. Dies wurde als Versuch interpretiert, Marktanteile zu gewinnen, sollte der Konkurrent scheitern.
Biffles Verteidigung: Ein Markt für unterschiedliche Kunden
Barry Biffle von Frontier Airlines konterte die Aussagen von Kirby scharf. Er betonte, daß die Passagiere, die Frontier nutzen, nicht die gleichen seien, die auch mit United flögen. „Es ist einfach absurd“, sagte Biffle. „Sehen Sie, die Leute, die mit Frontier fliegen, sind keine Leute, die von United abgeworben werden. Es sind Leute, die niemals mit United geflogen wären.“
Diese Aussage verdeutlicht die unterschiedliche Marktstrategie und das Kundenverständnis der beiden Fluggesellschaften. Frontier zielt auf preisbewußte Reisende ab, die ohne Extras fliegen und nur für das Nötigste bezahlen wollen. Im Gegensatz dazu bedienen Linienfluggesellschaften wie United auch Geschäftsreisende und Passagiere, die bereit sind, für Komfort, Flexibilität und zusätzliche Dienstleistungen zu bezahlen. Der Streit über die Rentabilität des Ultra-Low-Cost-Modells spiegelt somit auch eine grundlegende Spaltung des Marktes wider.
Die derzeitige Übersättigung mit Flugkapazitäten auf dem Inlandsmarkt der USA hat die Gewinne aller Fluggesellschaften, von den größten bis zu den kleinsten, unter Druck gesetzt. Dies hat zu einem Preiskampf geführt, der die Gewinnspannen schmälert. Obwohl die Branche eine starke Nachfrage nach Reisen verzeichnet, können die Gewinne durch die steigende Konkurrenz und die zusätzlichen Sitzplätze im Markt nicht immer gehalten werden.
Die Zukunft des Ultra-Low-Cost-Modells
Die Auseinandersetzung zwischen United und Frontier zeigt, daß die Geschäftsmodelle im Luftverkehr nicht statisch sind. Die Einführung von Merkmalen der Linienfluggesellschaften bei Billigfliegern wie Frontier kann als eine Reaktion auf die veränderten Marktbedingungen und die Bedürfnisse der Kunden gesehen werden. Das Ultra-Low-Cost-Modell hat sich in Europa seit den 1990er Jahren erfolgreich etabliert und wurde von Fluggesellschaften wie Ryanair und easyJet perfektioniert. In den USA wurde es später populär und hat den Markt verändert.
Das Überleben von Fluggesellschaften wie Spirit und Frontier hängt maßgeblich von ihrer Fähigkeit ab, die Kosten im Griff zu behalten und gleichzeitig ein attraktives Angebot für ihre spezifische Kundengruppe bereitzustellen. Der zweite Insolvenzantrag von Spirit beweist, daß dies eine große Herausforderung darstellt. Gleichzeitig demonstriert Biffle mit seiner optimistischen Haltung, daß das Vertrauen in das Modell noch nicht verloren ist. Das Argument, daß die Ultra-Low-Cost-Anbieter eine neue Kundenschicht erschließen, die sonst nicht geflogen wäre, bleibt ein starkes Argument. Die Entwicklung der kommenden Jahre wird zeigen, ob Kirby oder Biffle mit ihrer Einschätzung der Zukunft des Ultra-Low-Cost-Modells in den Vereinigten Staaten recht behalten.