Die Lufthansa Group hat eine geplante Direktflugverbindung von Singapore Airlines zwischen Genf und Singapur verhindert. Der Plan, der von Genfer Wirtschaftsvertretern aktiv beworben wurde, scheiterte am Widerstand des deutschen Luftfahrtkonzerns.
Die Blockade konnte über die Mechanismen eines gemeinsamen Joint Ventures durchgesetzt werden. Obwohl beide Fluggesellschaften in der Star Alliance zusammenarbeiten, verhinderte die Lufthansa die neue Route, um den eigenen Umsteigeverkehr an den Drehkreuzen in Zürich, Frankfurt und München nicht zu gefährden. Der Vorfall hat eine Debatte über die Rolle von kommerziellen Allianzen ausgelöst und könnte rechtliche Schritte seitens Genfer Wirtschaftsvertreter nach sich ziehen.
Die Hintergründe der Veto-Entscheidung
Singapore Airlines betreibt bereits eine tägliche Verbindung zwischen Singapur und Zürich. Die Swiss, eine Tochtergesellschaft der Lufthansa Group, fliegt ebenfalls auf dieser Route. Die Zusammenarbeit beider Airlines ist in einem Joint Venture verankert, das die Flugpläne aufeinander abstimmt und die Kapazitäten gemeinsam steuert. Genau diese Struktur ermöglichte der Lufthansa nun, ein Veto gegen die neue Strecke ab Genf einzulegen, da die Entscheidung für die neue Route gemeinsam getroffen werden mußte.
Die Initiative für eine Direktverbindung war von einer Genfer Wirtschaftsdelegation ausgegangen. Vertreter des Flughafens Genf, der Tourismusförderung und der Handelskammer hatten im vergangenen Jahr bei Singapore Airlines für die Route geworben. Nach der Prüfung der Wirtschaftlichkeit durch Singapore Airlines wurden offensichtlich Abstimmungen mit der Lufthansa-Gruppe eingeleitet. Die neue Verbindung hätte jedoch zu einem direkten Wettbewerb geführt, der den deutschen Konzern Umsteigeverkehr von Reisenden über seine Hauptdrehkreuze gekostet hätte.
Die Rolle von Joint Ventures im internationalen Flugverkehr
Die Blockade der neuen Flugroute wirft ein Licht auf die komplexe Funktionsweise von Joint Ventures im Luftverkehr. Die Lufthansa Group ist in vier solcher Gemeinschaftsunternehmen aktiv. Das größte davon ist das atlantische Joint Venture „Atlantic Plus Plus“ (A++), an dem Fluggesellschaften wie Air Canada, United Airlines, Austrian Airlines, Swiss, Brussels Airlines und Discover Airlines beteiligt sind. Darüber hinaus unterhält die Lufthansa-Gruppe weitere Joint Ventures:
- Das bilaterale „Europa-Japan-Joint Venture J+“ mit All Nippon Airways.
- Das „Europa – Süd-Ost-Asien und Süd-West-Pazifik“-Joint Venture mit Singapore Airlines.
- Das „Europe-China“-Joint Venture mit Air China.
In diesen Gemeinschaftsunternehmen werden Flugpläne, Preise und Vertriebsstrategien zwischen den Partnern abgestimmt. Die Gewinne werden in der Regel geteilt, um den Wettbewerb zu vermeiden und Synergien zu schaffen. In diesem Fall hat sich der gemeinsame Mechanismus jedoch als Hindernis für die Expansion eines Partners in einem für den anderen als wichtig erachteten Markt erwiesen.
Juristische Konsequenzen und die Reaktionen aus Genf
Die indirekte Bestätigung der Blockade durch die Lufthansa-Gruppe, die über die Swiss mitteilen ließ, man prüfe „regelmäßig das Streckennetz in der Region und passe es entsprechend der Nachfrage an“, hat die Gemüter in Genf erhitzt. Wirtschaftsvertreter erwägen nun juristische Schritte gegen den deutschen Konzern. Florence Schurch, die Generalsekretärin des Rohstoffhändlerverbands Suissenégoce, kündigte an, daß man eine Beschwerde bei der Wettbewerbskommission (WEKO) prüfe. Schurch argumentierte, daß es nicht hinnehmbar sei, daß ein ausländisches Unternehmen die Entwicklung einer Schweizer Region bewußt behindere.
Dieser Fall könnte weitreichende Konsequenzen für die Zukunft solcher Joint Ventures haben. Wenn solche Kooperationen die Expansion neuer Routen blockieren können, die von lokalen Wirtschaftsvertretern als wichtig erachtet werden, könnten sie in den Fokus von Kartellbehörden rücken. Die WEKO in der Schweiz prüft die Wettbewerbssituation in der Luftfahrtbranche regelmäßig, und die Beschwerde könnte eine eingehende Untersuchung auslösen.
Der Vorfall in Genf verdeutlicht das Spannungsfeld zwischen der Kooperation innerhalb von Luftfahrtallianzen und den Interessen einzelner Marktteilnehmer und Regionen. Während Joint Ventures für Fluggesellschaften wirtschaftliche Vorteile wie Effizienz und gemeinsame Kapazitätsnutzung bieten, können sie gleichzeitig die Marktdynamik verzerren und die Eröffnung von Direktverbindungen verhindern, die für lokale Wirtschaften von großer Bedeutung sind. Die Entwicklung der Situation und die Reaktion der WEKO werden zeigen, wie die juristischen Rahmenbedingungen solcher Allianzen in Zukunft bewertet werden.