Die türkische Nationalfluggesellschaft Turkish Airlines steht vor einem massiven Ausbau ihrer Flotte und plant, bis zu 225 Flugzeuge beim US-Hersteller Boeing zu bestellen. Dieser potentielle Großauftrag, der am Freitag nach einem Treffen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan mit US-Präsident Donald Trump bekanntgegeben wurde, zählt zu den größten für Boeing in diesem Jahr.
Die geplante Beschaffung umfaßt zunächst 50 Boeing 787 Dreamliner, mit einer Option auf 25 weitere Maschinen. Darüber hinaus wurden Verhandlungen über den Kauf von bis zu 150 Flugzeugen der Typen 737 Max 8 und Max 10 abgeschlossen, deren finale Auftragsvergabe noch von Gesprächen mit dem Triebwerkshersteller CFM International abhängt. Dieser strategische Ausbau zielt darauf ab, Istanbul als eines der weltweit führenden Luftfahrtkreuze zu etablieren.
Diplomatie im Dienste der Wirtschaft: Der Boeing-Deal
Die Bekanntgabe des Großauftrags erfolgte unmittelbar nach einem Treffen der Präsidenten Erdogan und Trump. Solche Geschäfte sind in der Vergangenheit häufig Gegenstand von politischen Gesprächen auf höchster Ebene gewesen, da Flugzeugkäufe nicht nur von wirtschaftlicher, sondern auch von erheblicher diplomatischer Bedeutung sind. Die Auftragsvergabe an einen US-Hersteller kann als Geste des guten Willens gewertet werden und stärkt die Handelsbeziehungen zwischen den beiden NATO-Partnern.
Die Vereinbarung gliedert sich in zwei wesentliche Teile. Der Großraumflugzeugsektor wird durch die feste Bestellung von 50 Boeing 787 Dreamliner gestärkt, zu denen eine Option für 25 weitere Exemplare hinzukommt. Die 787 ist ein modernes Langstreckenflugzeug, das die Turkish Airlines auf ihren Interkontinental-Routen einsetzen wird, um ihre Reichweite zu erhöhen und die bestehende Flotte zu modernisieren.
Der zweite, und zahlenmäßig größte, Teil des geplanten Auftrags betrifft bis zu 150 Maschinen der Schmalrumpfflugzeuge 737 Max 8 und Max 10. Die 737 Max 10 ist die größte Variante der Max-Familie und würde die Kapazität der Turkish Airlines im Regional- und Kurzstreckenverkehr signifikant erhöhen. Die finale Auftragsvergabe für die Max-Flugzeuge steht jedoch unter dem Vorbehalt, daß Turkish Airlines die Gespräche mit dem Triebwerkshersteller CFM International erfolgreich abschließt. CFM International, ein Gemeinschaftsunternehmen von General Electric (GE) und Safran, liefert die LEAP-1B-Triebwerke für die 737 Max-Familie.
Flottenausbau als strategischer Imperativ
Der geplante Kauf von bis zu 225 Boeing-Maschinen ist integraler Bestandteil der aggressiven Wachstumsstrategie von Turkish Airlines. Die Fluggesellschaft strebt an, ihre Flotte innerhalb der nächsten zehn Jahre nahezu zu verdoppeln. Dieses Vorhaben ist notwendig, um das erklärte Ziel zu erreichen, Istanbul als globales Luftfahrtkreuz zu etablieren.
Turkish Airlines hat in den letzten Jahren ein rasantes Wachstum verzeichnet und ihren Istanbuler Heimatflughafen zu einem der wichtigsten Drehkreuze zwischen Europa, Asien und Afrika entwickelt. Die Airline bedient mehr Länder weltweit als jede andere Fluggesellschaft. Die Verdoppelung der Flottengröße wird es der Airline ermöglichen, neue Märkte zu erschließen und die Frequenzen auf bestehenden, lukrativen Routen zu erhöhen.
Der Kauf bei Boeing steht in direkter Ergänzung zu einem ähnlich gewaltigen Auftrag, den Turkish Airlines bereits im Dezember 2023 beim europäischen Konkurrenten Airbus platziert hatte. Dieser Auftrag umfaßte 230 Flugzeuge, darunter 150 A321neo–Schmalrumpfflugzeuge und 80 A350–Großraumflugzeuge (60 A350-900, 15 A350-1000 und fünf A350F-Frachtflugzeuge). Die gleichzeitige Bestellung bei beiden großen Flugzeugherstellern – Boeing und Airbus – ist typisch für große globale Fluggesellschaften, die so ihre Abhängigkeit von einem einzelnen Hersteller verringern und bessere Konditionen aushandeln können.
Die Rolle des Istanbuler Flughafens
Der Erfolg der Expansionspläne von Turkish Airlines hängt eng mit der Leistungsfähigkeit des Istanbuler Flughafens zusammen, der im Jahr 2019 eröffnet wurde und als einer der größten Flughäfen der Welt gilt. Der Flughafen ist auf eine enorme Kapazität ausgelegt und soll das Herzstück des globalen Luftfahrtkreuzes Istanbuls werden.
Die strategische Lage Istanbuls an der Schnittstelle zweier Kontinente bietet Turkish Airlines einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den traditionellen europäischen Drehkreuzen wie Frankfurt, Paris oder Amsterdam. Der immense Flottenausbau, unterstützt durch die neuesten Modelle von Boeing und Airbus, soll diesen geographischen Vorteil voll ausschöpfen und Turkish Airlines zu einem noch größeren Akteur im internationalen Luftverkehr machen.
Der geplante Boeing-Deal ist ein klares Signal, daß Turkish Airlines ihre Wachstumsambitionen trotz globaler Unsicherheiten entschlossen weiterverfolgt und bereit ist, die notwendigen Investitionen in die Modernisierung und Vergrößerung ihrer Flotte zu tätigen, um ihre Position an der Spitze des globalen Luftverkehrs zu festigen.