Reisepass auf einem Koffer (Foto: Pixabay).
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Vereinigte Staaten stellen Preclearance-Programm an Kanadischen Flughäfen zur Disposition

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Die Vereinigten Staaten von Amerika prüfen eine mögliche Beendigung ihres sogenannten Preclearance-Programms an kanadischen Flughäfen. Hintergrund ist der signifikante Rückgang der Passagierzahlen auf den Flugstrecken zwischen den beiden Ländern, der die wirtschaftliche Rechtfertigung des von der US-Regierung finanzierten Dienstes in Frage stellt.

Diese kritische Einschätzung wurde vom US-Botschafter in Kanada, Pete Hoekstra, öffentlich geäußert und löste umgehend Besorgnis in der kanadischen Luftfahrtindustrie aus. Das Preclearance-Verfahren, bei dem US-Grenz- und Zollkontrollen bereits in Kanada durchgeführt werden, ist ein wichtiger Wettbewerbsvorteil für kanadische Fluggesellschaften und bietet Reisenden einen erheblichen Zeitgewinn.

Wirtschaftliche Unrentabilität als Hauptargument

US-Botschafter Pete Hoekstra machte seine Äußerungen auf dem Global Business Forum in Banff, Alberta. Er stellte offen die Frage, ob das Preclearance-Programm aus geschäftlicher Sicht noch sinnvoll sei, da es die US-Regierung sei, die die Betriebskosten trage. Hoekstra verwies auf die gesunkenen Reisezahlen von Kanada in die USA und konstatierte, daß man möglicherweise „die Zahlen nicht mehr zum Funktionieren bringen“ könne.

Daten der US Customs and Border Protection (CBP) belegen diesen Trend: Die Zahl der Kanadischen Einwohner, die im August aus den USA auf dem Luftwege zurückkehrten, war um über 25 Prozent gesunken. Obwohl Kanada das Land mit dem größten Tourismusaufkommen in die USA bleibt und das Preclearance-Verfahren dort bereits seit 1952 – und damit am längsten außerhalb der USA – betrieben wird, sieht die US-Regierung die Notwendigkeit einer Überprüfung der Kosten-Nutzen-Relation. Der Botschafter appellierte an das wirtschaftliche Verständnis der Zuhörer: „Pre-clearance ist etwas, das auf Kosten der US-Regierung geschieht. Wir haben dafür bezahlt. Wenn man die Zahlen nicht mehr zum Funktionieren bringen kann – Sie sind alle Geschäftsleute. Sie wissen, was das bedeutet. Man muß sich einige dieser Dinge ansehen.“

Das Preclearance-Programm wird derzeit in sechs Ländern außerhalb der USA unterhalten: Aruba, die Bahamas, Bermuda, Kanada, Irland und die VAE. In Kanada bieten acht Flughäfen den Dienst an: Calgary (YYC), Edmonton (YEG), Toronto (YYZ), Vancouver (YVR), Montreal (YUL), Halifax (YHZ), Winnipeg (YWG) und Ottawa (YOW). Im Jahre 2024 nutzten über 22 Millionen Reisende diesen Service, wobei Kanada den größten Anteil der Reisenden stellte, was fast 16 Prozent aller kommerziellen Flugpassagiere in die USA im letzten Jahr ausmachte.

Der Nutzen des Preclearance-Verfahrens

Das Preclearance-Verfahren wird von der CBP in Kooperation mit den jeweiligen ausländischen Behörden betrieben. Es erlaubt Passagieren, die in die USA reisen, die vollständige Einreise- und Zollkontrolle bereits am Abflughafen durchzuführen, noch bevor das Flugzeug kanadischen Luftraum verläßt.

Der wesentliche Vorteil ist die Zeitersparnis bei der Ankunft in den USA. Da die Passagiere formal bereits als Inlandsreisende behandelt werden, vermeiden sie die oft langen Warteschlangen bei der Einwanderungskontrolle an den großen US-Drehkreuzen. Dies trägt erheblich zu einem reibungsloseren Reiseerlebnis bei und war stets ein wichtiger Anziehungspunkt für den internationalen Transitverkehr, der über Kanada in die USA weiterreist. Der Dienst wird von CBP-Beamten in den jeweiligen Einrichtungen an den kanadischen Flughäfen durchgeführt.

Die Befürchtungen der Kanadischen Luftfahrt

Die potenzielle Beendigung des Preclearance-Programms wäre ein harter Schlag für die kanadischen Fluggesellschaften und Flughäfen. Kanadische Carrier haben durch die Möglichkeit des Preclearance einen klaren Marktvorteil genossen. Sie konnten Passagiere anziehen, indem sie eine bequemere Zollabfertigung vor dem Flug boten. Dieser Vorteil würde entfallen.

Eine mögliche Konsequenz der Preclearance-Beendigung wäre die Verlagerung des Transitverkehrs. Reisende, insbesondere internationale Passagiere, könnten Flugverbindungen über Europa oder andere Länder mit bestehenden Preclearance-Einrichtungen (Dublin, Shannon, Abu Dhabi) bevorzugen, um die Einreiseprozedur in den USA zu umgehen. Dies würde nicht nur die Umsätze der kanadischen Fluggesellschaften reduzieren, sondern auch zu einer Kostensteigerung führen, die wahrscheinlich in Form höherer Ticketpreise an die Passagiere weitergegeben würde.

Der ehemalige kanadische Diplomat Colin Robertson konterte die Äußerungen Hoekstras mit der Feststellung, daß die Kanadier nach wie vor die größte Quelle des Tourismus für die USA seien, und fragte rhetorisch, ob eine Beendigung des Programms nicht „ins eigene Fleisch geschnitten“ sei. Die kanadischen Airlines haben bereits auf die sinkende Nachfrage reagiert, indem Air Canada in diesem Jahr acht US-Routen eingestellt und auf anderen Routen kleinere Flugzeuge eingesetzt hat. Auch WestJet hat einige US-Verbindungen gestrichen zugunsten von Strecken in die Karibik, nach Europa und Mexiko. Die Fluggesellschaften wären durch eine zusätzliche Schwächung ihres Wettbewerbsvorteils weiter unter Druck.

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