Die Fluggesellschaften Air France und Delta Air Lines haben sich entschieden, ihre Zusammenarbeit mit KLM im Bereich der Bodenabfertigung am Flughafen Amsterdam Schiphol (AMS) zu beenden und einen neuen Partner für diese Dienstleistungen zu suchen.
Der Schritt, der am 29. September 2025 bekanntgegeben wurde, ist eine direkte Reaktion auf die jüngsten Streiks des KLM-Bodenpersonals in Amsterdam, die zu hunderten von Flugannullierungen und Millionenschäden bei den Partnern geführt haben. Während KLM selbst die schwerwiegenden operativen und finanziellen Konsequenzen dieser Entscheidung einschätzt, hat die Gewerkschaft CNV die Verbindung zwischen den Streiks und dem Ende der Partnerschaft bestritten. Air France, obwohl Teil derselben Konzernstruktur wie KLM, und Delta Air Lines werden nun Angebote anderer Abfertigungsdienstleister einholen.
Streiks und Millionenschäden als Auslöser
Die Entscheidung von Air France und Delta Air Lines, sich von KLM als Partner für die „Below-the-Wing“-Operationen – einschließlich der Gepäckbe- und -entladung – zu trennen, ist vor dem Hintergrund wiederholter Arbeitsniederlegungen des KLM-Bodenpersonals zu sehen. Die Streiks, die sich primär auf den Flughafen Schiphol konzentrierten, hatten in den letzten Monaten zu erheblichen Störungen im Flugbetrieb geführt. Ein Sprecher von KLM bestätigte, daß diese Unterbrechungen eine „große Rolle bei der Entscheidung“ der beiden alliierten Fluggesellschaften gespielt hätten.
Die Folgekosten der Streiks für die Partner sind beträchtlich. Der KLM-Sprecher erklärte, daß Air France und Delta „Millionen von Euro an Schäden erlitten und viele ihrer Kunden enttäuschen mußten“. Diese finanziellen und reputativen Schäden waren offensichtlich zu groß, um die Zusammenarbeit fortzusetzen. Die Fluggesellschaften sahen sich gezwungen, die operativen Risiken durch einen Wechsel des Abfertigungspartners zu minimieren.
Interessanterweise kündigte KLM am selben Tag an, daß ein für den 1. Oktober 2025 geplanter weiterer Streik auf Eis gelegt worden sei, in einem „Bemühen, die aktuelle Blockade“ in den Verhandlungen zwischen der Airline und den Gewerkschaften FNV und CNV zu durchbrechen. Die CNV-Gewerkschaft jedoch wies die Darstellung von KLM zurück und behauptete, die Entscheidung von Air France und Delta stehe in keinem Zusammenhang mit den Arbeitskämpfen.
Allianzpartner versus Konzerngruppe
Die Entscheidung ist besonders bemerkenswert, da Air France und KLM gemeinsam die Air France-KLM Group bilden und seit langem im Rahmen ihrer transatlantischen Allianz eng mit Delta Air Lines kooperieren. Trotz der konzerninternen Verbindung zwischen Air France und KLM haben die operativen Störungen und die daraus resultierenden finanziellen Einbußen offensichtlich die Geschäftsbeziehung überschattet. Air France und Delta agieren in dieser Sache als unabhängige Vertragspartner, die ihre operativen Interessen über die Konzernloyalität stellen.
Die Allianz mit Delta Air Lines ist für die Air France-KLM Group von entscheidender strategischer Bedeutung, insbesondere auf den lukrativen Nordatlantikrouten. Die Aufrechterhaltung der operativen Zuverlässigkeit und der Qualität des Passagiererlebnisses ist für diese Allianz kritisch. Die KLM-Führung mußte nun feststellen, daß Streiks und Abfertigungsprobleme in Amsterdam nicht nur das eigene Geschäft, sondern auch die essentiellen Allianzbeziehungen gefährden.
Operative Implikationen für KLM Ground Services
Der Verlust der Bodenabfertigungsaufträge von Air France und Delta hat „unmittelbare operative Implikationen“ für KLM, insbesondere für die Ground Services-Abteilung. Die KLM-Sparte ist ein wichtiger Dienstleister am Heimatflughafen in Amsterdam. Der Wegfall der Dienstleistungen für zwei so große Kunden bedeutet einen signifikanten Einnahmeverlust und stellt die Arbeitsplatzsicherheit des KLM-Bodenpersonals zusätzlich in Frage. KLM untersucht derzeit die „finanziellen und beschäftigungsbezogenen Konsequenzen dieser Entscheidung“.
Amsterdam Schiphol ist eines der größten und verkehrsreichsten Drehkreuze in Europa. Die Bodenabfertigung ist ein komplexer und wettbewerbsintensiver Sektor. Air France und Delta werden nun Vorschläge von alternativen Dienstleistern einholen, um die Bodenabfertigung am AMS zu gewährleisten. Zu den potenziellen Anbietern könnten am Schiphol tätige Unternehmen wie Swissport oder andere lokale Ground-Handler gehören.
Für KLM ist dies ein deutliches Signal, daß die Arbeitskonflikte und die resultierende operationelle Instabilität am Schiphol Geschäftsverluste nach sich ziehen. Die Fluggesellschaft steht nun unter massivem Druck, die Tarifverhandlungen mit den Gewerkschaften zu einem Abschluß zu bringen und die Zuverlässigkeit ihrer Ground Services wiederherzustellen, um nicht noch weitere Kunden oder gar das eigene Geschäft zu verlieren.