Flughafen Tel Aviv Ben Gurion (Foto: Chris Hoare).
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Streit um Gebühren und Slots: Ryanair setzt Tel-Aviv-Flüge länger aus

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Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair hat am 30. September bekanntgegeben, daß sie ihre Flüge von und nach Tel Aviv für den kommenden Winterflugplan aussetzen wird. Die Entscheidung betrifft den Verlust von rund einer Million Sitzplätzen und die Einstellung von 22 Routen.

Als maßgebliche Gründe nannte Ryanair nicht primär die anhaltende Sicherheitslage in Israel, sondern die Weigerung des Flughafens Ben Gurion, die historischen Slots für den Sommerflugplan 2026 zu garantieren. Darüber hinaus kritisiert die Airline die wiederholte und als willkürlich empfundene Schließung des Low-Cost-Terminals 1, welche Ryanair dazu zwinge, in das deutlich teurere Terminal 3 auszuweichen und die damit verbundenen höheren Gebühren zu tragen. Ryanair stellt klar, daß sie diese Zusatzkosten nicht mehr akzeptieren werde, solange der Flughafen die Low-Cost-Vereinbarungen nicht einhalte.

Verfahrensstreit um Low-Cost-Terminal und Slots

Der Kern des Konflikts liegt in der operativen und finanziellen Abwicklung der Ryanair-Flüge am Flughafen Ben Gurion (TLV). Ryanair, die sich selbst als Europas „Fluggesellschaft Nr. 1“ bezeichnet, ist darauf angewiesen, ihre Flüge über das speziell für Low-Cost-Carrier vorgesehene Terminal 1 abzuwickeln, um ihre günstigen Tarife zu realisieren.

In der Vergangenheit sei der Flugbetrieb nach Tel Aviv mehrfach durch äußere Umstände, wie die Sicherheitslage im israelischen Luftraum, beeinträchtigt worden. Hinzu kamen jedoch nach Angaben von Ryanair dreimalige Entscheidungen des Flughafens, das Terminal 1 zu schließen und die Airline in das kostspieligere Terminal 3 zu drängen. Da Ryanair die Tickets unter der Kalkulation der Terminal 1-Gebühren verkauft habe, seien die Flüge durch die hohen Kosten des Terminal 3 unrentabel geworden.

Ein Sprecher von Ryanair machte die Position des Unternehmens unmißverständlich klar: „Wir sind es leid, daß unsere günstigen Flüge vom Flughafen Ben Gurion immer wieder behindert werden.“ Die Fluggesellschaft sei zwar bereit, vorübergehend ins Terminal 3 zu wechseln, dies jedoch nur unter der Bedingung, daß die Flüge weiterhin zu den günstigeren Tarifen von Terminal 1 abgerechnet werden und nicht zu den höheren Gebühren von Terminal 3. Ryanair wirft dem Flughafen vor, die Low-Cost-Vereinbarung nicht einzuhalten, wenn Terminal 1 lediglich aus „Gründen der Bequemlichkeit seitens des Flughafens Tel Aviv geschlossen wird“.

Langfristige Planungssicherheit fehlt

Neben den Gebührenstreitigkeiten ist die fehlende Planungssicherheit für die Zukunft ein entscheidender Punkt. Der Winterflugplan 2025/2026, der ohnehin „schwer profitabel“ zu betreiben sei, werde eingestellt, da der Flughafen Ben Gurion die Bestätigung der historischen Slots für den bereits im Verkauf befindlichen Sommerflugplan 2026 verweigere.

Die Slots, also die Zeitfenster für Start und Landung am Flughafen, sind für Fluggesellschaften ein wichtiges Betriebskapital. Ryanair betont, daß sie diese historischen Slots auch während der Covid-Pandemie und früheren Sicherheitskrisen in Israel stets gesichert hatte. Die schriftliche Korrespondenz des Flughafens verweigere jedoch sowohl die Bestätigung der S26-Slots als auch die Zusage für die künftige Öffnung des Terminal 1.

Ohne die Garantie, im Sommer 2026 mit den historischen Slots und zu den wirtschaftlich notwendigen Low-Cost-Bedingungen operieren zu können, sieht Ryanair keinen Anlaß, defizitäre Winterflüge aufzunehmen. Dies belegt, daß der Slot-Streit und die Gebührenfrage in den Augen der Airline enger miteinander verbunden sind, als es zunächst scheint. Die Möglichkeit, die 22 Routen im lukrativen Sommergeschäft fortzuführen, ist die wirtschaftliche Bedingung für die Bereitschaft, die Winterverbindungen zu betreiben.

Konkurrenzsituation und Marktfolgen

Der Abzug von Ryanair aus Tel Aviv bedeutet den Verlust von einer Million Sitzplätzen in einer Zeit, in der der israelische Luftverkehr bereits durch die politische Lage und die Sicherheitsbedenken massiven Schwankungen ausgesetzt ist. Ryanair bedauerte, daß Tel Aviv dadurch den „Zugang zu Ryanairs deutlich günstigeren Tarifen“ verliere.

Der Wegfall eines Großanbieters im Low-Cost-Segment könnte Auswirkungen auf das gesamte Preisniveau der Flüge von und nach Israel haben. Ryanair ist bekannt für ihre aggressive Preisstrategie, die oft als Benchmark für andere Fluggesellschaften dient. Mit dem Entschwinden der Ryanair-Routen könnten andere Carrier geneigt sein, ihre Tarife anzuheben.

Einige andere Fluggesellschaften, darunter auch europäische Carrier, hatten ihre Flüge nach Tel Aviv bereits zuvor aus Sicherheitsgründen oder aufgrund geringer Nachfrage vorübergehend oder dauerhaft eingestellt. Ryanairs Entscheidung ist jedoch primär eine wirtschaftliche und strategische Konsequenz aus dem Gebühren- und Slot-Disput.

Die Rückkehr von Ryanair hängt nun vollständig von der Reaktion des Flughafens Ben Gurion ab. Der Sprecher von Ryanair stellte klar: „Sobald der Flughafen Ben Gurion jedoch unsere Slots für Sommer 2026 bestätigt und garantiert, daß Terminal 1 geöffnet bleibt, freuen wir uns darauf, nach Tel Aviv zurückzukehren.“ Die Fluggesellschaft setzt den Flughafenbetreiber somit unter öffentlichen Druck, die Vereinbarungen einzuhalten und die notwendige Planungssicherheit für Low-Cost-Carrier zu gewährleisten.

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